Erfahrungsbericht von mariokoehler
Heeressoldat: Gehirn ausschalten, bitte!
Pro:
Disziplin und Ordnung lernen (ja ja, klingt abgedroschen)
Kontra:
Ausbilder, die alle Mannschaften für blöd halten
Empfehlung:
Nein
Die Wahl, ob ich zur Bundeswehr gehen sollte oder nicht, hing größtenteils von folgenden Fakten ab:
- die kürzere Dienstzeit gegenüber dem Zivildienst
- mein zukünftiger Beruf
Dabei hatte ich nie vor und werde auch nie vorhaben, ein Berufssoldat zu werden. Nein. Durch Bekannte habe ich erfahren, daß man, wenn man später Polizist oder Beamter werden will (meiner einer weiß ja nie, wohin es mich verschlägt), lieber zur Armee gehen als den Zivildienst machen soll. Ob es stimmt, kann ich nicht sagen. Auch habe ich gehört, daß Firmen wie BMW oder Volkswagen lieber junge dynamische Kerle einstellen, die einmal dem unseren Staate gedient haben; \"man ziehe Menschen vor, die in Gruppen arbeiten können und sich auch unterzuordnen verstehen\". Auch hier kann ich nicht sagen, ob es wahr ist.
Das Geld bei der Bundeswehr hat mich nie gereizt... haben doch viele meiner Freunde als Zivi Karriere gemacht und monatlich das doppelte meines Gehaltes für sich einstreichen können.
Die Musterung, die sich einen reichlichen Vormittag hinzog (supi, keine Schule an diesem Tag!), war mehr eine ärztliche Untersuchung und Vermessung, auch ein Intelligenztest war dabei. Von hier aus wurden sicherlich die Soldaten auf Marine, Luftwaffe und Heer verteilt. Zur letzteren Truppengattung sollte ich gehören.
Mein Wunsch, bitte erst zum September eingezogen zu werden, um meinen Eltern beim Umzug in ein anderes Land zu helfen, wurde leider nicht erhört... Eines schönen Samstages hat mir der Postbote per Übergabeeinschreiben den Rest des ganzen Wochenendes vermiest: ich hielt den Einberufungsbescheid in den Händen: Juli 2000, Lüneburg, Panzerbataillon 84.
Na toll, dachte ich, nicht mal in meiner Nähe? Naja, es sind ja nur 400km zu meinem Standort - oder 6 Stunden Zugfahrt mit 2x Umsteigen. (RE, IC, IR)
Einen Tag nach dem Abiball machte ich mich auf den Weg zu meiner 10-monatigen Soldaten-Karriere. (Lückenloses Tagebuch mit Erfahrungen auf meiner Homepage... siehe mein Profil.)
eigene Erfahrungen:
Die Grundausbildung war wirklich hart - zum Glück nur 8 Wochen - aber den ganzen heißen Sommer 2000. Wir lernten Marschieren, hatten eine ganze Menge Unterricht, überquerten die Hindernisbahn und hatten auch 3 Biwaks: jeweils eine Woche Zelten (super, es war nicht so heiß... dafür hat es Petrus nicht gut mit uns gemeint, es regnete unentwegt.) Natürlich lagen wir auf kleinen grauen Isomatten im Schlamm und inspizierten unseren Beobachtungsbereich, immer bereit, den Feind zu entdecken.
Das letzte Biwak war die Rekrutenbesichtigung... hier wendeten wir Gelerntes an: Verhalten in der Truppe, Überleben im Wald (oder auch \"Feindgebiet\"), Schießen (natürlich nur mit \"Üb-Mun\"), und natürlich Ausdauer: 12km im strömenden Regen mit 25kg Gepäck auf dem Rücken. Schade, daß man als 1,74m Mensch kürzere Beine hatte als die 1,90m Menschen... so mußte ich immer mehr Schritte als die anderen machen. Das war wirklich das Einzige, das mich an meine physische Leistungsfähigkeit gebracht hat.
Nach der Grundausbildung (AGA) folgte die SGA, also die Spezialgrundausbildung. Viele Kameraden verließen uns in andere Einheiten, ich blieb dem Panzerbataillon erhalten und lernte so einiges über diese Gefährte. Nach der SGA wurde ich zum Gefreiten (toll, 1,50DM Lohnerhöhung pro Tag) und machte meinen Führerschein zum Panzerfahrer (KPz Leopard 2 A4, 3 Wochen Lehrgang). Neben Simulatorübungen waren natürlich auch Geländefahrten mit echten Panzern vorgesehen.
Nach bestandener Prüfung ging es zurück zum Standort, dort folgte die erste vierwöchige Übung, bei Schlamm, Regen und kaltem Wetter. Im Dezember war der 30-Kilometer-Marsch mit 10kg Gepäck an der Reihe: der Horror. Meine Hacken haben jetzt noch Blasen. Nach Weihnachten folgte die nächste Übung, diesmal nur 2 Wochen. Ab März bildete ich Soldaten aus, die nach Mazedonien gehen sollten, im April 2001 war dann schon fast alles vorbei.
Vorteile:
Ich war fast jedes Wochenende (außer während der Übung und beim Wachdienst oder GvD) zu Hause; mit Berechtigungsschein fährt es sich bei der Bahn bequem und kostenlos. Außerdem nahm ich an berufsfördernden Maßnahmmen teil, zu meiner Zeit konnte jeder Soldat 1300DM Fördergeld verprassen. Ich habe wirklich Disziplin und Ordnung gelernt, ebenso das Arbeiten in einer Gruppe.
Nachteile:
Überstunden werden in Kampfkompanien des Heeres nicht mit Urlaubstagen vergütet, sondern nur mit Geld. Gerade beim Heer jedoch bräuchte man des öfteren mal eine Auszeit. Die Ausbilder, gerade, weil wenige von ihnen das Abi hatten, ließen uns spüren, daß wir der letzte Dreck sind. Wir wurden fast täglich angeschrien (was dann schon von einem Ohr rein und zum anderen Ohr raus ging), jedoch wurden wir nie mit Liegestützen bestraft... das diente nur In-Form-Haltung.
Beim Heer hat man wirklich gelernt, sein Gehirn auszuschalten. Fast nie hat man selbst nachgedacht, das war wohl auch nicht nötig.
Dennoch: Auf die Bundeswehr blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Und eines kann ich noch abschließend sagen: es kommt immer anders als man denkt, und die Bundeswehr hat mich echt positiv überrascht.
- die kürzere Dienstzeit gegenüber dem Zivildienst
- mein zukünftiger Beruf
Dabei hatte ich nie vor und werde auch nie vorhaben, ein Berufssoldat zu werden. Nein. Durch Bekannte habe ich erfahren, daß man, wenn man später Polizist oder Beamter werden will (meiner einer weiß ja nie, wohin es mich verschlägt), lieber zur Armee gehen als den Zivildienst machen soll. Ob es stimmt, kann ich nicht sagen. Auch habe ich gehört, daß Firmen wie BMW oder Volkswagen lieber junge dynamische Kerle einstellen, die einmal dem unseren Staate gedient haben; \"man ziehe Menschen vor, die in Gruppen arbeiten können und sich auch unterzuordnen verstehen\". Auch hier kann ich nicht sagen, ob es wahr ist.
Das Geld bei der Bundeswehr hat mich nie gereizt... haben doch viele meiner Freunde als Zivi Karriere gemacht und monatlich das doppelte meines Gehaltes für sich einstreichen können.
Die Musterung, die sich einen reichlichen Vormittag hinzog (supi, keine Schule an diesem Tag!), war mehr eine ärztliche Untersuchung und Vermessung, auch ein Intelligenztest war dabei. Von hier aus wurden sicherlich die Soldaten auf Marine, Luftwaffe und Heer verteilt. Zur letzteren Truppengattung sollte ich gehören.
Mein Wunsch, bitte erst zum September eingezogen zu werden, um meinen Eltern beim Umzug in ein anderes Land zu helfen, wurde leider nicht erhört... Eines schönen Samstages hat mir der Postbote per Übergabeeinschreiben den Rest des ganzen Wochenendes vermiest: ich hielt den Einberufungsbescheid in den Händen: Juli 2000, Lüneburg, Panzerbataillon 84.
Na toll, dachte ich, nicht mal in meiner Nähe? Naja, es sind ja nur 400km zu meinem Standort - oder 6 Stunden Zugfahrt mit 2x Umsteigen. (RE, IC, IR)
Einen Tag nach dem Abiball machte ich mich auf den Weg zu meiner 10-monatigen Soldaten-Karriere. (Lückenloses Tagebuch mit Erfahrungen auf meiner Homepage... siehe mein Profil.)
eigene Erfahrungen:
Die Grundausbildung war wirklich hart - zum Glück nur 8 Wochen - aber den ganzen heißen Sommer 2000. Wir lernten Marschieren, hatten eine ganze Menge Unterricht, überquerten die Hindernisbahn und hatten auch 3 Biwaks: jeweils eine Woche Zelten (super, es war nicht so heiß... dafür hat es Petrus nicht gut mit uns gemeint, es regnete unentwegt.) Natürlich lagen wir auf kleinen grauen Isomatten im Schlamm und inspizierten unseren Beobachtungsbereich, immer bereit, den Feind zu entdecken.
Das letzte Biwak war die Rekrutenbesichtigung... hier wendeten wir Gelerntes an: Verhalten in der Truppe, Überleben im Wald (oder auch \"Feindgebiet\"), Schießen (natürlich nur mit \"Üb-Mun\"), und natürlich Ausdauer: 12km im strömenden Regen mit 25kg Gepäck auf dem Rücken. Schade, daß man als 1,74m Mensch kürzere Beine hatte als die 1,90m Menschen... so mußte ich immer mehr Schritte als die anderen machen. Das war wirklich das Einzige, das mich an meine physische Leistungsfähigkeit gebracht hat.
Nach der Grundausbildung (AGA) folgte die SGA, also die Spezialgrundausbildung. Viele Kameraden verließen uns in andere Einheiten, ich blieb dem Panzerbataillon erhalten und lernte so einiges über diese Gefährte. Nach der SGA wurde ich zum Gefreiten (toll, 1,50DM Lohnerhöhung pro Tag) und machte meinen Führerschein zum Panzerfahrer (KPz Leopard 2 A4, 3 Wochen Lehrgang). Neben Simulatorübungen waren natürlich auch Geländefahrten mit echten Panzern vorgesehen.
Nach bestandener Prüfung ging es zurück zum Standort, dort folgte die erste vierwöchige Übung, bei Schlamm, Regen und kaltem Wetter. Im Dezember war der 30-Kilometer-Marsch mit 10kg Gepäck an der Reihe: der Horror. Meine Hacken haben jetzt noch Blasen. Nach Weihnachten folgte die nächste Übung, diesmal nur 2 Wochen. Ab März bildete ich Soldaten aus, die nach Mazedonien gehen sollten, im April 2001 war dann schon fast alles vorbei.
Vorteile:
Ich war fast jedes Wochenende (außer während der Übung und beim Wachdienst oder GvD) zu Hause; mit Berechtigungsschein fährt es sich bei der Bahn bequem und kostenlos. Außerdem nahm ich an berufsfördernden Maßnahmmen teil, zu meiner Zeit konnte jeder Soldat 1300DM Fördergeld verprassen. Ich habe wirklich Disziplin und Ordnung gelernt, ebenso das Arbeiten in einer Gruppe.
Nachteile:
Überstunden werden in Kampfkompanien des Heeres nicht mit Urlaubstagen vergütet, sondern nur mit Geld. Gerade beim Heer jedoch bräuchte man des öfteren mal eine Auszeit. Die Ausbilder, gerade, weil wenige von ihnen das Abi hatten, ließen uns spüren, daß wir der letzte Dreck sind. Wir wurden fast täglich angeschrien (was dann schon von einem Ohr rein und zum anderen Ohr raus ging), jedoch wurden wir nie mit Liegestützen bestraft... das diente nur In-Form-Haltung.
Beim Heer hat man wirklich gelernt, sein Gehirn auszuschalten. Fast nie hat man selbst nachgedacht, das war wohl auch nicht nötig.
Dennoch: Auf die Bundeswehr blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Und eines kann ich noch abschließend sagen: es kommt immer anders als man denkt, und die Bundeswehr hat mich echt positiv überrascht.
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