Bundeswehr Testbericht

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Erfahrungsbericht von dj-44

Sie trugen seltsame Gewänder...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

... und irrten planlos umher! Daraus sollte man schließen, dass die Bundeswehr schon in der Bibel gestanden hat. Ob es stimmt, kann ich nicht sagen, ich kenne die Bibel nicht so gut! Aber wer kennt sie nicht, die unzähligen Witze. Oder die Sprüche: Beim Betreten der Kaserne ist das Gehirn an der Wache abzugeben! Durch diesen Bericht will ich einmal meine Erfahrungen bei der Bundeswehr schildern! Auch wenn ich vielleicht auf dem Foto nicht so aussehe, ich war dort! Ehrlich!

Also, am 2.11.1998 war es so weit! Ich sollte mich bis 14 Uhr in der Kaserne des Panzergrenadierbatallions 52 in Rotenburg an der Fulda zum Antritt meines Grundwehrdienstes melden. Nach einer 1,5 stündigen Zugfahrt war ich da. Der LKW holte uns am Bahnhof Rotenburg ab und fuhr uns zur Kaserne, wo wir unter ständigen Anfeuerungsrufen eines Stabsunteroffiziers („Schneller, das muss alles schneller gehen“) zum Verlassen unseres Transportmittels „motiviert“ wurden. “Das fängt ja super an“ waren so meine Gedanken. Es folgte eine Registrierung, die Verteilung auf die Zimmer, ähhh... Stuben und die Ausgabe der Bettwäsche! Meine neuen Stubenkameraden waren alle in Ordnung, einen kannte ich schon, war ein Kumpel aus meiner Heimatstadt!

Dann erfolgte die Teileinkleidung in der StoV. Sorry, das hat jetzt nix mit Straßenverkehr zu tun und auch nicht mit irgendwelchem anderen Verkehr, sondern ist eine Abkürzung für Standortverwaltung. Solche Abkürzungen werden hier sicher öfter auftreten, denn es gibt den sogenannten BwAküFi. Ratet mal, was das heißt! Ich freu mich schon auf die Vorschläge in den Kommentaren.

Ich war bei der Teileinkleidung. Wie der Name schon sagt, wurden wir nur teilweise eingekleidet! Eines der wichtigsten Kleidungstücke bekam ich dann aber doch in die Hand, den Sportanzug, auch Schlumpfanzug genannt. Wegen der Farbe! Blau! In diesem wunderschönen Dress wurden dann die ersten Tage absolviert! Diese bestanden in einer ärztlichen Untersuchung incl. Blutabnahme und Unterricht. Während letzterem lernten wir die grundlegenden Dinge der Bundeswehr: Wie man richtig Meldung macht, Rangabzeichen, Betten bauen und putzen! Ein wenig über die Dienstpläne (wann gibt es was zu essen, wann ist Nachtruhe, wie lange ist täglich Dienst...). Ich fand es langweilig, ich wollte lieber was richtiges machen, so draußen! Diesen Satz sollte ich in nicht allzu kurzer Zeit nie wieder denken oder geschweige denn aussprechen!

Denn nachdem wir dann nach 3 Tagen alle Klamotten hatten, auch die Flecktarnuniform, legten die Vorgesetzten richtig los. Waffenausbildung! Inzwischen war Samstag, wer beim Bund war, weiß, wie schön Samstagsdienste sind! Das Wochenende war im Eimer! Also Waffenausbildung, Samstags vor dem Block auf der Wiese! Es war saukalt, verständlich, weil Anfang November, aber nicht kalt genug, denn es konnte noch regnen! Da lagen wir also mehrere Stunden hangaufwärts auf einer Zeltplane und zerlegten ein Gewehr, nur um es zwei Minuten später wieder zusammen zusetzen. Nach kurzer Zeit lag ich in einem See, welcher sich auf meiner Plane gebildet hatte und nach ein paar Stunden nass bis auf die Unterwäsche. Dann folgte der nächste Schock! Als der Zugführer (nein, nicht der in der Eisenbahn) endlich der Meinung war, wir könnten reingehen, wurde uns mitgeteilt, wie wir weiter verfahren würden! Erst wird die Waffe geputzt, dann die Ausrüstung und zum Schluss der Soldat! Klasse! Ich dachte die ganze Zeit an eine heiße Dusche. Wenigstens durften wir uns was Trockenes anziehen.

Am Sonntag hatten sie Erbarmen und wir nur Dienst bis Mittag. Den Nachmittag nutze ich, heim zu fahren, für 3 Stunden. Denn um 23 Uhr mussten alle wieder in der Kaserne sein! Die nächsten Wochen wurde anstrengend. Es wurde kälter und etwas Schnee fiel! Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben mit scharfer Munition geschossen. Aber nicht getroffen, also nicht wirklich gut! Es folgten weitere Waffenzerlegeübungen, Unterricht (über die Rechte und Pflichten eines Soldaten), den ich zu schätzen begann und Formaldienst, den ich zu hassen begann! Formaldienst ist dieses mehr oder weniger zackige Marschieren, im Gleichschritt und so! Na ja! Ich lernte, wie man ein Zelt baut, wie man seinen Helm dem Wald durch aufstecken von Grünzeug anpasst, wie man gleitet (nicht lachen, das heißt wirklich so) und viele andere lustige Dinge, die ich zum Glück verdrängt habe! Zwischendurch war auch noch eine San(-itäts)-ausbildung. Die war nun wirklich mal gut! Vergesst alles, was ihr beim Führerschein im Erste-Hilfe-Kurs gelernt habt, hier lernt ihr es richtig!

Aber auch die schönste Zeit, die der Grundausbildung, geht einmal vorbei und die Rekrutenprüfung stand an! Inzwischen lagen 30 cm Schnee und die Temperaturen bei minus 10 Grad. War ja Mitte Dezember. Diese Prüfung bestand nun aus einem 14 Kilometer- Marsch mit vollem Gepäck, aus dem 20 Kilometer wurden, weil wir uns verlaufen haben! (siehe erste Zeile) Zwischendurch waren noch kleine Späße eingebaut, wie einen Bach durchwaten oder in einer Entwässerungsröhre unter einer Bundesstraße durchkrabbeln! Wir sahen aus, wie die Schweine, denn der Matsch in der Röhre war nicht gefroren! Der Schnee tat sein Übliches dazu, nämlich dass man die umgestürzten Bäume nicht mehr sah! Dies hatte zur Folge, dass alle 10 Minuten einer auf die Schnauze flog und ich am nächsten Tag eine Hämatom unter dem Nagel des großen Fußzehs hatte! Gott war ich alle auf diesem Marsch! Hat einer von euch schon mal beim – 10 Grad auf dem Rücken liegend mitten im Wald geschlafen? Innerhalb von 30 Sekunden! Müsst ihr probieren, ist echt entspannend!

Auch das überlebten alle mehr oder weniger und nach der Wachausbildung („Halt! Stehen bleiben, oder ich schieße!“) hieß es Abschied nehmen von Rotenburg, wo das Essen schlecht, aber der Umgangston erstaunlich gut war! Ich wurde versetzt, 30 Kilometer weiter, zur Panzerartillerie nach Hessisch-Lichtenau! Dort war der Umgangston noch besser und das Essen noch schlechter! War mir aber erst mal egal, denn der Weihnachtsurlaub stand vor der Tür.

Im neuen Jahr wurde ich dann zum Fernmelder ausgebildet! Ist schon lustig: Jeder 10-jährige hat heutzutage ein Handy, die Bundeswehr legt Kabel! Als ich nach dem Sinn fragte, erklärte man mir, dass solch ein Kabel plus dem dazu gehörigen Telefon (in Fachkreisen auch Ackerschnacker genannt) auch nach einer atomaren Verseuchung funktionierte. Das dann allerdings keiner mehr da ist, der es benutzen könnte, wollte ich lieber nicht einbringen.

Wir im Fernmeldezug waren ein sehr kleiner Haufen. Zu besten Zeiten 15 Mann plus 2 Dienstgrade und zwei UA (Unteroffiziersanwärter). Nach meinem „Diplom“ im Kabel in die Botanik werfen (so einfach ist das nun auch wieder nicht), verbrachte ich meine Zeit beim Wache stehen, LKW putzen, Materialkeller aufräumen, rumgammeln und essen! Was macht denn ein Fernmelder sonst so in einer Kaserne! Da haben doch schon alle Telefon! Ab und zu wurde eine Ausbildungsstunde auf den Dienstplan geschoben, damit wir nicht einrosten! Sonst gab es nicht viel zu tun ... solange wir nicht auf Manöver gefahren sind.

Dann ging es richtig los. Wir waren Mädels für alles: Meldekopf stehen (ist klasse, nachts 4 Stunden an einer Straße zu stehen und keiner kommt vorbei!), Karten zeichnen, Übungsplatz erkunden und Meldkopf stehen! Eigentlich so ziemlich alles, nur kein Kabel legen! Ich hab vielleicht auf allen Manövern, auf denen ich war, nicht mehr als 200 Meter Kabel verlegt! Und von einem Funkgerät, die Ausbildung hatte ich auch, will ich gar nicht reden! Auf dem einen Manöver saß ich ein ganzes Wochenende vor einem Telefon, wo in 3 Tagen vielleicht 4 Leute angerufen haben! Wer will auch schon am Wochenende einen Bundeswehranschluss anrufen.

Nachdem ich fast meine restliche Zeit mit den von mir beschriebenen Tätigkeiten verbracht hatte, durfte ich noch zwei Wochen lang in der Küche Tag für Tag ne Spülmaschine Leerräumen (danke, Herr Feldwebel, sie wird ich sicher nicht vergessen!) und dann war Sense! Ende August 1999 war ich wieder Zivilist. Gott sei Dank, obwohl ich zwischendurch mal überlegt hatte, mich länger zu Verpflichten. Für 12 Jahre! Hab dann aber gelassen! Zum Glück!


Bundeswehr allgemein:
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Wer jetzt an irgendwelche Ami-Filme über das Militär denkt, ist absolut schief gewickelt! Anschreien ist out! Zumindest so lange, wie alles so klappt, wie es soll! Auch mitdenken darf man bei der Bundeswehr! Meistens ist es so, dass man den Befehl bekommt, etwas bestimmtes zu tun, meinetwegen einen Gegenstand von A nach B zu bringen. Wie man das macht, ist einem selbst überlassen! Wer da dann etwas mitdenkt, kann sich viel Zeit und Arbeit sparen! Auch die Vorgesetzten sind keine Monster, sondern auch Menschen und meist sogar ganz nett! Die Zeiten, wo der Spieß die Kompanie auf dem Kasernenhof zusammenstaucht, sind auch seit 15 Jahren vergangen. Es gibt strenge Regeln, was ein Vorgesetzter darf und was nicht und diese Regeln bekommt man auch in der Grundausbildung erklärt. Es wird viel von einem gefordert, vor allem körperlich! Aber wenn man es nicht schafft, bekommt man nicht zwangsläufig der Arsch aufgerissen, solange man sich bemüht! Es haben bis jetzt fast alle überlebt!


Was hat mir gefallen:
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Die Leute, mit denen ich zusammen war, waren alle in Ordnung, bis auf den Feldwebel halt! Auch war das oft beschriebene Zusammengehörigkeitsgefühl vorhanden, vor allem im Fernmeldezug! Die San-Ausbildung war einsame klasse, endlich weiß ich, wie man einen Schock bekämpft oder warum man Wunden an der Halsschlagader lieber nicht mit einem Druckverband abdichtet! Auch verstand ich mich mit dem größten Teil meiner Vorgesetzten richtig gut!


Was war schlecht:
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Das Essen. Definitiv das Essen! So was Grausames gibt es nicht mal in der Ilmenauer Mensa.
Dann hatte ich halt das Problem, dass ich eine ziemlich große Klappe habe und keinem einen Wunsch abschlagen kann! Das hat natürlich besagter Feldwebel ausgenutzt, und das schamlos! Aber was sollte ich machen? Befehl ist Befehl. Nicht, dass ich mich nicht gewehrt habe, die Straf-Ausarbeitung über Befehl und Gehorsam schwebt mir immer noch im Hinterkopf! Auch teilweise sinnlose Tätigkeiten gingen mir voll auf den Geist! Ich bin nun mal ein rational denkender Mensch und sehe es nicht ein, bei einem LKW die Reifen zu schrubben, mit dem wir Tags drauf auf den Übungsplatz in den Matsch fahren wollen! Aber überlebt hab ich trotzdem und mein Selbstbewusstsein wurde nur noch gesteigert!

Tipps und Tricks:
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- Vergesst, dass ihr entscheiden könnt, was ihr beim Bund machen wollt. Man wird zwar bei der Musterung gefragt, was man denn gerne für eine Tätigkeit in welcher Einheit machen möchte, aber ich bin sicher nicht freiwillig Fernmelder geworden!

- Heimatnahe Stationierung ist, wenn keine besonderen Gründe vorliegen, fast nicht möglich!
Ich hatte auch heimatnah angegeben und war 4 Stunden Bus- und Bahnfahrt weit weg!

- Dauerhaftes Wiedersprechen dem Vorgesetzten gegenüber bringt nur Nachteile, habe ich erleben dürfen! Allerdings ist die eigene Meinung auch schon gefragt, vor allem, wenn man einen konstruktiven Vorschlag hat!

- Wenn ein Manöver ansteht, denkt euch mit Süßigkeiten ein. So kommt man besser drüber hinweg!

- Das Essen, was es manchmal in der Grundausbildung als Marschverpflegung gibt (EPA heißt es) ist definitiv ungenießbar. Es war nicht schlecht, obwohl älter als ich, aber es hat einfach nicht geschmeckt! Lasst doch mal etwas Reis 15 Jahre in einer Alu-Asiette eingeschweißt liegen und ihr wisst, wovon ich rede!

- Gutes Kantinenessen hab ich auch noch nicht erlebt! Man ernährt sich hauptsächlich von Schokolade und Pizza!

- Auch wenn nach der Grundausbildung Ausgang bis Dienstbeginn am nächsten Morgen um sechs ist, würde ich es nicht übertreiben. Der Dienst kann auch anstrengend sein!

- Bei vielen Einheiten gibt es gewisse Riten, wie Einen ausgeben bei Beförderung, Geburtstag oder Kindesgeburt!

- Leute mit Bürojobs (Stab oder Verwaltung) sind am besten dran!

- Besorgt euch Einlagen für die Stiefel im Winter! Richtig warm halten die nicht!

- Vergesst die Bundeswehrunterwäsche, bringt eure Eigene mit!

- Passt auf euren Schrempel auf, Rucksäcke und Schlafsäcke verschwinden öfters!

- Im Umgang mit Waffen wirklich das machen, was der Ausbilder sagt, sonst gibt es riesen Ärger! Passt bloß auf die Waffe auf, wenn die weg ist, brennt die Luft!

- Melden macht frei! So dämlich es klingt: Wenn ihr aufgrund eines Befehls Mist gebaut habt, verpetzt denjenigen, der euch den Befehl gegeben hat, dann seit ihr meistens aus dem Schneider! Wer euch welche Befehle geben darf, bekommt ihr gesagt!

- Rechtsradikale Tendenzen werden absolut nicht geduldet. Selbst das Abspielen des letzten Onkelz-Songs ist verboten!


Fazit:
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Ob man zur Bundeswehr geht oder Zivildienst macht, ist jedem seine eigene Entscheidung! Da will ich keinem reinreden. Geschadet hat es mir nicht, außer dass mein Zehnagel nie so nachgewachsen ist, wie er vorher war! Der hatte sich dann nämlich aufgrund des Hämatoms verabschiedet!

Was ich nur überhaupt nicht leiden kann, sind Leute, die sich um die ganze Sache (Bund oder Zivildienst) drücken wollen, weil sie keinen Bock haben. Die spielen dem Musterungsarzt was vor und nicht selten kommen sie damit durch! Es besteht nun mal die Pflicht, aber halt auch für alle!

25 Bewertungen, 10 Kommentare

  • G-Punkt

    15.03.2003, 14:09 Uhr von G-Punkt
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr ausführliche Beschreibung

  • Pampashase

    11.09.2002, 16:01 Uhr von Pampashase
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mir bleibt das ja zum Glück erspart... :-) Pampashase

  • KleineHexe82

    19.03.2002, 15:33 Uhr von KleineHexe82
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessant zu lesen...

  • DirtyHardy

    05.03.2002, 22:21 Uhr von DirtyHardy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Na ja, alles in allem hört sich das ziemlich bekannt an, bis auf die "lieben" Dienstgrade, wir hatten mit *piep*, *piep*, *piep* Uffzen und Stuffzen zu kämpfen, Grenadiere halt ... :-) Aber was soll´s, zuletzt landete ich im GeZi,

  • ahaefner

    01.03.2002, 14:33 Uhr von ahaefner
    Bewertung: sehr hilfreich

    boaaah, das ist lang her ;-)

  • seehuhn

    20.02.2002, 18:43 Uhr von seehuhn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr guter Bericht.

  • Sunny21

    20.02.2002, 18:35 Uhr von Sunny21
    Bewertung: sehr hilfreich

    *schmunzel* da werden Erinnerungen wach... ach ja die gute alte Zei...... ach lassen wird das *g*

  • Priester

    20.02.2002, 18:33 Uhr von Priester
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hab kein Bock auf Bundeswehr, mach lieber Zivi

  • MichaelW97614

    20.02.2002, 18:33 Uhr von MichaelW97614
    Bewertung: sehr hilfreich

    Und ich mach Zivi!

  • engel123

    20.02.2002, 18:32 Uhr von engel123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Nicht für alle. Mädels können freiwillig, aber ich versteh dich schon. LG Engel. PS: Dein Bericht hat 100 mal sh verdient.