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Erfahrungsbericht von store_troll

Katastrophe im Värmland

Pro:

gibt einem Zeit über Wesentliches nachzudenken

Kontra:

kann einem den Kopf kosten

Empfehlung:

Ja

Hallo liebe yopi Freunde,

eine ganze Weile habe ich mit mir gekämpft, ob ich diesen Bericht veröffentlichen soll. Nun habe ich mich entschlossen es doch zu tun.

Dabei geht es mir nicht um Sensationsmeldungen, sondern um ein Ereignis, das uns als Betroffene zum Nachdenken und Innehalten veranlasst - mehr soll es nicht sein.

Die Vorgeschichte
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Es war im vergangenen Sommer. Wieder einmal stand bei uns eine Fahrt nach Nordnorwegen auf dem Programm - der jüngste Sproß unserer norwegischen Freunde hatte Konfirmation und zu der waren wir eingeladen.
Da ich eigentlich kein Freund von Rasen bin und unser neues Womo sowieso erste eingefahren werden wollte, hatten wir uns ein paar Tage gegönnt für die Anreise. Wieder sollte es über die Öresundbrücke und über den Inlandsvägen längs durch Schweden hinauf bis Kiruna gehen und von dort nach Narvik und dann weiter Richtung Harstad, wo wir am 8.August eintreffen wollten.
Um die Anreise abwechslungsreicher zu gestalten, war eine kleine Zwischenrast bei Freunden ein paar Kilometer südlich von Hagfors (etwa 80 km nördlich von Karlstad) geplant.

Ablauf der Reise
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- der Beginn
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Am Dienstag vormittag starteten wir und waren Mittwoch gegen 15.00 h etwa in Karlstad. Bis dahin war das Wetter wunderbar. Jeden Kilometer weiter nach Norden von Karlstad wurde es feuchter - es begann zu regnen. Wir wollten uns mit unseren Bekannten bei schwedischen Freunden , die ein Häuschen zwischen Munkfors und Hagfors haben , treffen.
Je weiter wir uns Munkfors näherten, desto heftiger wurde der Regen, es hatte sich ein ausgewachsenes Gewitter zusammengebraut. Wenige Kilometer vor Munkfors ging es nur noch im Schritttempo weiter - es goss aus Kübeln. Beinahe war ich an dem Abzweig forbeigefahren, den ich eigentlich recht gut kannte. Nun, später als geplant kamen wir bei den schwedischen Frenden an und trafen auch unsere Bekannte - wie vereinbart..

- die Nacht:
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Nach dem üblichen Kaffee und Begrüßungstrunk wurde ausgiebig geschwatzt - in der Zwischenzeit schüttete es weiter, immer untermalt von heftgem Gewittergrollen und zuckenden Blitzen. Kurz nach 21 h verabschiedeten wir uns und machten uns - gemeinsam mit unseren Bekannten - auf den Weg zu deren Häuschen. Vorsichtig tasteten wir uns die ca. 8 Kilometer über die kleinen Straßen. Als wir dort ankamen galt es einen kleinen Berghang hinauf zum Ferienhäuschen zu nehmen. Doch stopp - es war kein vorankommen, der Weg war bereits gut einen halben Meter ausgespült.
Was nun - Auto stehen lassen und zu Fuß durch die prasselnden Wassermassen die 400 Meter zur Hütte tiegern ?
Der Versuch über einen zweiten Waldweg zum Häuschen zu gelangen scheiterte ebenso - zu groß waren die Löcher im Weg. ( Bild 1)
Also blieb doch nur der Fußweg - und die klatschnassen Klamotten.
Nun goss es schon über 4 Stunden wie aus Kübeln. Wir saßen noch bei einem Gläschen Wein zusammen, bevor wir uns verabschiedeten. Wir wollten in unserem Womo schlafen und hatten uns am Morgen um 8 zum Kaffee verabredet um dann bald aufzubrechen - weiter nordwärts.

- der nächste Morgen:
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Als ich bei Tagesanbruch wach wurde wunderte ich mich dass es so leise war. Immerhin standen wir mit unserem Auto an einer Strasse, die direkt nach Hagfors führte und auf der normalerweise - unter der Woche- auch deutlich Verkahr zu hören war. Nichts - absolut nichts.
Wir begaben uns zu unseren Bekannten, frühstückten und wollten uns wieder auf den Weg machen.
Am Womo angekommen wollten wir genarde einsteigen, da kamen einige Leute zu Fuß die Straße lang. Wo wir denn hinwollten, fragten sie. Auf unsere Anwort hin schüttelten sie mit dem Kpf: nach Hagfors geht keine Straße mehr - die ist weg.
Wie weg ??? - Die Antwort: Es ist ein großes Loch in der Straße.
Nun, dachte ich, das kann ja nicht soooo schlimm sein, da fahr ich eben drum herum.. ...Nein das geht nicht - die Straße ist vollständig weg.
Dann fahr ich eben wieder ein Stück Richtung Süden und schlage dann einen Bogen nach Norden. ...
Nein, das ginge auch nicht, denn 800 m weiter südlich sei die Straße ebenso weggespült worden und außerdem läge dort noch ein Auto drin.
Nun das mussten wir uns natürlich selbst anschauen, denn wir konnten es nicht glauben. Und siehe da: ES WAR GENAU SO!!

Da saßen wir nun also fest - auf ganzen 2,5 Kilometern war die Straße zweimal komplett weggespült wirden und wir saßen - zusammen mit knapp 100 anderen Menschen- dazwischen fest. Ich sah unsere Feier und unseren ganzen Urlaub davonschwimmen.

- die Zeit des Wartens:
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Jetzt galt es also ab zu warten und zu sehen was geschehen würde. Es war inzwischen Donnerstag, der 5.8.2004 - und nichts geschah. Es entwickelte sich ein reger Fußverkehr zwischen den beiden Einbruchstellen, es wurde viel diskutiert und Spekulationen angestellt. Wie lange würde es dauern, bis man wieder mit dem Auto aus diesem Gebiet heraus könnte?
Auf der einen Seite begann nach wenigen Metern der See, auf der anderen Seite waren die Berge, deren Waldwege alle unpassierbar geworden waren.
Je bewußter uns die Lage wurde - uns allen, die wir eingeschlossen waren- um so intersiver wurde der Kontakt, eben auch zu den Einheimischen.
Wir erfuhren aus dem schwedischen Fernsehen, dass noch an vielen Stellen im Umkreis Straßen unpassierbar geworden und die Reparaturtrupps unentwegt im Einsatz waren.
Natürlich wurden zunächst die Hauptdurchgangsstrassen notdürftig repariert. So blieb uns nur der Weg zu Fuß über die Gräben, bzw. mit dem Fahrrad, das sich über die inwzischen wieder zu Rinnsalen gewordenen Bächlein hinweg heben ließ.

- Ursachenforschung:
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Was war eigentlich passiert ? Nun die Straße nach Hagfors war vor wenigen Jahren neu angelegt worden. Dabei hatte man kleine Bäche mit ihren Tälchen, die von den Bergen herunterkamen, einfach mit einem Damm überbaut , in dessen tiefter Stelle man einige große Betonröhren gelegt hatte. Gleichzeitig war in den letzten Jahren - wie ich beobachten konnte - gerade dort am Berg intensiv geroden worden. Die stundenlangen Gewittergüsse hatten nun Erdmassen und Holzreste mit sich gerissen und die Betonröhren versperrt. Das Wasser war bergseitig hinter den Straßendämmen immer weiter angestiegen, bis der Druck so groß war, dass der gesamte Straßendamm weggespült wurde.

- Glück im Unglück:
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Und genau über diese Stellen waren wir mit unserem Womo noch in der Nacht hinweggefahren. Auch über jene Stelle, an der gegen Mitternacht ein Volvo Kombi mit zwei jungen Männern in dem Loch versunken war. Sie waren auf die noch vorhandene Estrichdecke gefahren - die jedoch keinen Unterbau mehr hatte - und waren mitsamt ihren Auto eingebrochen. Zum Glück blieben auch sie von schweren Verletzungen verschont.

- zum guten Schluss:
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Am Freitag endlich rückte ein großer Bagger an, der eine Behelfsstrasse neben der eigentlichen Straße baute und am Samstag Mittag konnten wir unser "Gefängnis" verlassen.
Auch wenn wir es - trotz ununterbrochenen Fahrens mit nur wenigen Stunden Schlaf - nicht mehr rechtzeitig bis zur Konfirmation schafften, so war es doch ein eindrucksvolles Erlebnis, das uns auf die Grenzen und Fehler menschlichen Schaffens hingewiesen hatte. Auch der Begriff "Zeit" und "Zeit haben" konnte nun wieder ganz neu definiert werden.




PS: Was die Produktdetails angeht, so sind sie natürlich mit Vorsicht zu genießen. Sicherlich ist so ein Erlebnis nicht direkt empfehlenswert - aber trotzdem war es eine wertvolle Erfahrung.

Trollige Grüße vom
store_troll

24 Bewertungen, 3 Kommentare

  • LiFo

    21.03.2009, 11:25 Uhr von LiFo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! Liebe Grüße, Lifo

  • Striker1981

    26.09.2008, 03:18 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • antjeeule

    16.06.2006, 13:11 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde es gut, dass du diesen Bericht gepostet hast. Es zeigt wirklich eindrucksvoll, wie der Mensch dabei ist, durch eher unüberlegte Handlungen die Natur zu zerstören, bzw. auch unabsehbare Gefahren heraufzubeschwören. Das Zeit hier einen völlig neuen