Erfahrungsbericht von ClaudiaRetzmann
Kind im Krankenhaus und Chaos zu Hause
Pro:
Sohn freut sich über seine Ohren
Kontra:
Stress; Nachwirkung der OP
Empfehlung:
Nein
Kurze Vorgeschichte:
Mein mittlerer Sohn hat seit seiner Geburt abstehende Ohren. Ich als Mutter fand das gar nicht so schlimm, aber von allen Seiten hörte ich schon recht früh „Laß dem armen Kind bloß die Ohren anlegen, der wird später nur gehänselt“. Da ich selbst allerdings nicht viel von medizinisch nicht unbedingt notwendigen Operationen halte und ich persönlich immer großen Bammel vor Narkosen habe, wollte ich abwarten, bis mein Sohn selbst entscheidet, ob er so eine Operation für nötig hält.
Leider hatten die anderen recht, mein Sohn wurde wegen seiner Ohren sehr gehänselt und leider fehlt ihm das nötige Selbstbewußtsein, um sich dadurch nicht fertig machen zu lassen. Vor einigen Wochen dann stand er weinend vor mir und sagte „Mama, ich will auch normale Ohren haben, die Kinder ärgern mich immer und die Kinder im Bus ziehen immer an meinen Ohren“. Ich besprach dies dann mit unserem Kinderarzt, der mir ebenfalls dazu riet, Dennis die Ohren operativ anlegen zu lassen, um ihm zumindest schon mal einen psychischen Druck zu nehmen (Dennis besucht aufgrund einer Lernbehinderung eine Sonderschule und wird natürlich leider auch deswegen sehr gehänselt).
So ließen wir uns ins Lukaskrankenhaus (Städtische Kliniken der Stadt Neuss) überweisen. Nach einer Voruntersuchung bekamen wir dann den Einweisungstermin für Montag, den 3. Juni. Die Operation sollte einen Tag später stattfinden.
Nun komme ich also zum eigentlichen Thema, dem Krankenhausaufenthalt meines Sohnes und dem dadurch entstandenen „Chaos“ *gg* bei uns zu Hause.
TAG 1:
Ich bin ein Typ Mensch, bei dem alles einigermaßen organisiert und planmäßig ablaufen muß, so kalkulierte ich für den normalerweise nur 20 Autominuten dauernden Weg zum Krankenhaus schon ein paar Minuten mehr dazu und fuhr bereits um 8 Uhr mit Dennis nach Neuss, nach nur 8 minütiger Fahrt standen wir bereits im Stau. Um 9 Uhr sollten wir in der Klinik sein, zwei Minuten vorher kamen wir mehr oder weniger abgehetzt auf Station C6 im 4. Stock der HNO-Klinik an, was für mich schon einer halben Katastrophe gleichkam;-)
Die dortige Schwester nahm uns gleich sehr freundlich in Empfang. Wir durften die Tasche auf den Flur stellen, da das Bett für Dennis noch nicht bereitgestellt war, dann mußten wir uns natürlich erst einmal ordentlich in der Verwaltung anmelden. Meine Güte war das ein Blätterchaos. Ich weiß nicht wieviel Seiten ich unterschreiben mußte, naja so ist das nun mal in Deutschland – alles muß seine Ordnung haben... In der Verwaltung gab ich dann auch ordnungsgemäß an, dass ich für meinen Sohn eine Zusatzversicherung abgeschlossen hatte für ein Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung. Daraufhin mußte ich dann noch einmal eine ganze Reihe Seiten unterschreiben, dass ich darüber aufgeklärt wurde, dass zunächst mir die Rechnung für die Privatbehandlung zugeht etc. blabla.
Gegen 9.45 Uhr waren wir endlich wieder im 4. Stock – doch das Zimmer war immer noch nicht fertig. Also hieß es warten (etwas was ich in der Folgezeit noch zur Genüge leisten durfte). Glücklicherweise gab es auf der Station ein Spielzimmer, so dass sich wenigstens Dennis die Zeit recht gut vertreiben konnte. Zwischendurch schaute immer mal wieder eine freundliche Schwester herein, um ein paar Daten aufzunehmen, mir noch einige Seiten mit Informationen über die Narkose zum Unterschreiben zu geben (noch mehr Blätterchaos) und uns immer wieder aufmunternd zu sagen, dass das Zimmer bald frei wäre. Mittlerweile war es bereits 11 Uhr und wir saßen immer noch im Spielzimmer, meine Lunge schrie förmlich nach einer Zigarette, doch traute ich mich nicht, mich vom Platz zu rühren, da wir kurz zuvor noch erfuhren, dass der Arzt Dennis noch sehen wolle und der Anästhesist auch noch ein paar Fragen hätte.
Endlich bekam Dennis sein Zimmer zugewiesen – ein Zweibettzimmer (allerdings gab es nur Zweibettzimmer), welches er sich zumindest noch eine Nacht mit einem kleinen von Mandeln und Polypen befreiten Jungen nebst seiner Mutter, die auch nachts bei ihrem Sohn blieb, teilen mußte. Das erste was Dennis hocherfreut zur Kenntnis nahm war, dass das Zimmer über einen FERNSEHER verfügte...
Nun denn, wir warteten und warteten (hatte ich erwähnt, das meine Lunge nach einer Zigarette verlangte???). Gegen 11.45 Uhr öffnete sich die Tür – alles blickte erwartungsvoll auf, doch statt des ersehnten Arztes kam die Schwester mit dem Mittagessen. Mein Sohn bekam eine Scheibe Fleischkäse, Gemüseallerlei und Kartoffeln sowie einen Nachtisch, bestehend aus Joghurt. Glücklicherweise hatte ich wenigstens gut gefrühstückt *gg*.
Wie sollte es auch anders sein, Dennis begann gerade zu essen, da öffnete sich die Tür und wir wurden zu Herrn Doktor (dem Stationsarzt) gerufen. Er schaute sich Dennis nochmals kurz an, erklärte mir die bevorstehende Operation noch einmal und sagte uns dann noch, dass wir doch bitte um 14 Uhr in den 5. Stock kommen sollten, da der Chefarzt erst noch alles absegnen muß. Seufz, also wieder warten. Wenigstens war Dennis‘ Mittagessen noch nicht gänzlich kalt.
Punkt 14 Uhr (erwähnte ich bereits, dass ich immer pünktlich bin?? Hihi) standen wir vor der Tür des Chefarztes und durften erst einmal wieder warten. 15 Minuten später erhielten wir Eintritt in die werten Gefilde dieses Gottes in Weiß... Keine 5 Sekunden später waren wir schon wieder draußen. Der Chefarzt warf einen kurzen Blick auf Dennis Ohren, ließ sich vom Stationsarzt kurz erklären, worum es ging und das war’s. Naja noch nicht so ganz, schließlich mußten wir im Zimmer dann noch auf den Anästhesisten warten. Dieser kam gegen 14.30 Uhr, klärte mich über die Risiken der Narkose auf, ließ sich dieses von mir quittieren und verschwand. Dennis bekam dann noch Blut abgenommen und das war es für diesen Tag.
Bis 18.30 Uhr blieb ich dann noch bei ihm, damit er nicht so allein ist. Allerdings hatte ich irgendwie das Gefühl zu stören, denn mein Sohn blickte gebannt auf eine Zeichentrickserie im Fernsehen, während ich einen Stapel Zeitschriften durchblätterte und dabei feststellte, dass der Nachmittag sich wie Kaugummi zog.
Als ich dann nach Hause fuhr machte ich mir natürlich Sorgen, ob mein Sohn, der bis dahin eigentlich noch nie längere Zeit über Nacht weg war, auch gut versorgt ist, seufz die Sorgen einer Mutti eben (wird er auch gut schlafen können? Wird er auch keine Angst haben nachts? Wird er den Weg zur Toilette finden...).
Zu Hause erzählte mir mein Schatz – er hatte sich extra zwei Tage Urlaub genommen, obwohl in der Firma zur Zeit die Hölle los ist, um sich um die beiden anderen Kinder (12 Jahre und 1 Jahr) zu kümmern - dann stolz, dass er SCHON ZWEI Maschinen Wäsche gewaschen hatte. Eine Maschine mit Bettwäsche und eine Maschine mit Unterwäsche. TOLL! Ich war richtig stolz auf ihn *gg*. Zwar hatte er beide Maschinen statt auf 60°C nur auf 40°C gewaschen, aber immerhin... Als ich dann nach oben kam, sah ich die zwei Wäscheständer, die er fein säuberlich mit der gewaschenen Wäsche bestückt hatte. *Räusper* nun es war recht amüsant, aber die Wäsche hing, sie war sozusagen festbetoniert, damit sie nicht von der Leine fallen konnte, ich glaub soviel Wäscheklammern hab ich noch nie im Leben auf einer Leine stecken sehen *gg*.
Unten hörte ich bereits Junior aus Leibeskräften brüllen – ups, hatte ich ihm beim Hereinkommen wohl zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Also wieder nach unten gelaufen und ihn tröstend auf den Arm genommen, dabei versuchte ich krampfhaft nicht über die Berge Brötchenkrümel zu fliegen, die sich noch vom Frühstück überall auf dem Boden befanden. Nanu, dachte ich, ist der Staubsauger kaputt? *gg* Ich schaute auf die Couch, wo mein Schatz fix und fertig mit sich und der Welt erschöpft ein kleines Päuschen einlegte. Jaja, der Hausfrauenalltag kann schon ganz schön stressig sein...
Die Nacht auf Dienstag schlief ich sehr schlecht und um 5.30 Uhr stand ich dann auf, damit ich pünktlich im Krankenhaus sein konnte, um meinen Sohn auf dem Weg in den OP zu begleiten.
TAG 2:
Da ich aus dem Stau vom Vortag gelernt hatte, fuhr ich diesmal über Land und kam pünktlich um 7.30 Uhr am Krankenhaus an. Auf dem Weg vom Auto zur Klinik rauchte ich noch schnell zwei Zigaretten. Meine Güte war ich nervös, aber es war ja auch das erste Mal, das eines meiner Kinder im Krankenhaus lag und operiert wurde. Im Krankenzimmer angekommen begrüßte Dennis mich freudestrahlend. Von Nervosität war bei ihm keine Spur, während ich schon jetzt so stark zitterte, dass ich die Kaffeetasse, die mir eine Schwester freundlich in die Hände gedrückt hatte, kaum noch halten konnte, ohne den Inhalt zu verschütten. Kurz darauf kam die tägliche Arztvisite, angeführt vom Gott in Weiß (sprich Chefarzt), dem eine ganze Horde Ärzte und Schwestern auf Schritt und Tritt folgten. Mir gab man noch mal kurz bekannt, dass Dennis gegen 8 Uhr in den OP kommt und so gegen 10 Uhr dann wieder auf seinem Zimmer läge.
Zunächst bekam Dennis jedoch ein Beruhigungsmittel (das hätten sie besser mir gegeben), woraufhin er nach kurzer Zeit bereits anfing zu lallen, als hätte er grade eine mordsmäßige Ballermannparty hinter sich. Dann wurde er begleitet von einer Schwester und mir zum OP gefahren. An der Tür verabschiedete ich mich kurz von ihm, was er jedoch kaum mehr wahrnahm. Die Schwester teilte mir dann wiederum mit, ich solle spätestens 9.45 Uhr auf dem Zimmer sein, damit ich zusammen mit ihr Dennis aus dem OP holen könnte.
Zwei Stunden warten, ich verbrachte einen Teil der Zeit rauchend im Park und beeilte mich dann, um pünktlich im Zimmer zu sein. Dort war bereits ein Wechsel vorgegangen, statt des Jungen vom Vortag lag dort nunmehr ein kleines frisch von den Mandeln befreites Mädchen, deren Papa die Nacht ebenfalls im Zimmer verbringen wollte.
Netterweise machte dessen Mutter mich dann mit den Worten „Oh, es ist ja schon kurz vor 11 Uhr, sollte ihr Sohn nicht schon um 10 Uhr wieder unten sein? Da wird doch wohl nichts passiert sein????“ darauf aufmerksam, dass mein Sohn wirklich schon eine Stunde überfällig war. Mein Magen fing sich leicht an zu drehen, was noch zusätzlich dadurch verursacht wurde, dass ich vor lauter Aufregung noch nichts gegessen hatte. Von da an blickte ich im 5-Minuten-Takt auf die Uhr. Am liebsten hätte ich mir noch eine Zigarette geraucht, aber ich hatte Angst, dann die Schwester zu verpassen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und stahl mich auf den Balkon des Zimmers, um mir dort heimlich schnell eine zu rauchen. Doch es tat sich nichts. Um 12 Uhr, ich war schon fast wahnsinnig vor Sorge, erkundigte ich mich dann bei einer Schwester nach dem Verbleib meines Sohnes. Leider wußte sie auch nichts, versuchte mich aber zu beruhigen, dass wenn etwas passiert wäre, ich schon Bescheid bekommen hätte. Naja, ein Trost war das nicht gerade, zumal die nette Mutti des Mädchens mir immer wieder sorgenvolle und mitleidige Blicke zuwarf, während ihre Tochter mittlerweile schon recht munter auf dem Bett herumturnte. Zwischenzeitlich hatte die Schwester mir ein Mittagessen gebracht, doch ich brachte keinen Bissen runter.
Gegen 12.45 Uhr war es endlich soweit. Die Schwester kam, wir konnten Dennis holen. Unterwegs sagte sie, ich solle nicht erschrecken, falls Dennis schreien würde, jedes Kind würde eben anders aus der Narkose erwachen und hätte ein anderes Schmerzempfinden... (sehr beruhigend). Wir kamen im OP an und ich sah zunächst einmal einen dick verbundenen Kopf. Dennis selber reagierte nicht, er schien im Tiefschlaf. Nach kurzer Nachfrage erfuhr ich, dass man ihm kurz zuvor noch zweimal ein starkes Schmerzmittel gespritzt hätte (aha, deswegen wohl zuvor die Worte der Schwester) und wir könnten ihn nun mit auf sein Zimmer nehmen. Gesagt, getan.
Nun folgt etwas, was für mich absolut schrecklich war. Eigentlich versuche ich den Bericht hier ein wenig humorvoll zu halten, dies ist bei dieser Passage jedoch leider nicht möglich.
Die Schwester verließ dann mit den Worten, sie käme gleich wieder, das Zimmer. In dem Moment öffnete Dennis die Augen, vielmehr er riß sie weit auf und schnappte nach Luft. Er hörte sich an wie eine Dampflok kurz vor der Verschrottung. Man hörte regelrecht, dass er keine Luft bekam. Dieses Geräusch, als er ein- und ausatmen wollte war einfach fürchterlich. Mein Exmann hat Asthma, da war ich ja schon einiges gewöhnt, aber so etwas hatte ich bis dato noch nicht gehört. Die Mutter des Mädchens schellte sogleich nach der Schwester. In dem Moment hörte Dennis einfach auf zu atmen. Seine Lippen wurden blau und ich dachte, nun stirbt er mir unter der Hand weg und ich rief laut seinen Namen. In dem Moment kam die Schwester rein und hörte wie Dennis wieder krampfhaft nach Luft sog. Sie meinte, das wäre wohl vom Tubus, der Hals wäre wohl ein wenig rauh. Dann hörte Dennis wieder auf zu atmen und die Schwester rief schnell den Stationsarzt. Dieser hörte Dennis Rücken ab und erzählte mir auch etwas von Nachwirkung der Narkose. Mittlerweile atmete Dennis wieder, allerdings sehr schwer und zwischendurch hörte er wieder auf. Der Arzt gab ihm schnell ein Cortison-Zäpfchen und rief nach der Anästhesistin. Mittlerweile fing das Zäpfchen an zu wirken und man merkte, dass Dennis wieder besser Luft bekam und auch die Lippen bekamen wieder etwas Farbe. Der Arzt sagte mir dann, ich solle jedesmal, wenn Dennis „vergißt“ zu atmen ihn anbrüllen und wachhalten. Alle paar Minuten kam er dann wieder rein, um Dennis abzuhören und die Atmung zu kontrollieren. Nach ca. 30 Minuten, die mir wie Jahre vorkamen, war wieder alles in Ordnung. Auf meine Frage, was da denn nun los war, antwortete der Arzt, dass hier wohl mehrere Faktoren auf einmal zusammen kamen. Durch den Tubus, den er während der Narkose bekommen hatte, war der Hals angeschwollen, wodurch Dennis schwer Luft bekam, das Schmerzmittel, welches er gespritzt bekommen hatte, hatte er wohl nicht vertragen und der automatische Atemreflex hatte ausgesetzt. Nachdem er das Cortison-Zäpfchen erhalten hatte und die Schwellung dadurch im Hals abklang, bekam er besser Luft und das Schmerzmittel ließ dann auch nach, so dass die Atmung wieder normal funktionierte.
Den Rest des Tages ging es Dennis sehr schlecht. Er erbrach dauernd und war alles andere als munter. Erst gegen abend ging es ihm wieder besser, so dass er etwas Suppe essen konnte. Mein Exmann löste mich gegen 18 Uhr ab und ich fuhr total erschöpft und fix und fertig nach Hause.
Eigentlich hatte ich vor am nächsten Tag meinen Junior mit zu nehmen, da mein Freund wieder arbeiten mußte und ich keinen Babysitter hatte. Doch die Schwester teilte mir mit, dass dies aufgrund von Ansteckungsgefahr nicht ginge. Ich könne nicht mit einem Einjährigen für längere Zeit auf die Station. Wums, das kam dann auch noch dazu. Ich hatte alles so schön organisiert und geplant und mit einem Knall mußte ich zusehen, wie ich alles schnell ändere. Ich war so kaputt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich nach Hause gekommen bin. Dort jedoch hätte ich am liebsten erst einmal nur geheult.
Mein Freund rief dann abends noch seinen Chef an und teilte ihm mit, dass er noch dringend einen Tag Urlaub benötige. Zum Glück bekam er ihn, obwohl er auf der Arbeit dringend gebraucht wurde. Für Donnerstag und Freitag wollte dann seine Mutter als Babysitter einspringen.
Zur Ablenkung setzte ich mich noch kurz vor den PC und sprang dann anschließend nur noch unter die Dusche, um danach gleich ins Bett zu gehen.
Achja, positiv war mir trotz des in mir herrschenden Chaos aufgefallen, dass mein Schatz wiederum eine Maschine Wäsche gewaschen hatte – diesmal sogar bei der richtigen Temperatur *gg* und er hatte sogar alles durchgesaugt!! Junior warf mir an dem Abend nur ein paar böse Blicke zu, hatte ich ihn doch nun schon den zweiten Tag kaum beachtet...
TAG 3 und TAG 4:
Diese beiden Tage fasse ich zusammen, da sie im Grunde genommen gleich verliefen. Ich versuchte morgens um 7.30 Uhr im Krankenhaus zu sein, um die Arztvisite keinesfalls zu verpassen. Obwohl, wenn ich so im Nachhinein überlege, so muß ich ja gestehen, dass ich geprägt durch diverse Krankenhausserien aus dem Fernsehen mir eine Arztvisite ganz anders vorgestellt habe. Hier sah es so aus, dass ein Trott Ärzte, meist angeführt vom Chefarzt ins Zimmer trat, kurz einen guten Morgen wünschte und dann teilte einer der Ärzte dem Chef kurz mit, welche Befunde bei den Patienten vorlagen und eh man noch irgend etwas anmerken konnte, war der ganze Trott wieder verschwunden.
Für mich persönlich waren die Tage im Krankenhaus sehr ermüdend. Ich bin es gar nicht gewohnt, den ganzen Tag nur rumzusitzen und nichts zu tun. Die Zeit kroch nur so dahin, so dass ich schon einige Male dachte, meine Uhr hätte ihren Geist aufgegeben.
Lediglich Dennis hatte seinen Spaß. Wurde er doch hofiert von vorn bis hinten. Er bekam sein Essen ans Bett, der Fernseher lief den halben Tag, zudem hatte er jede Menge Süßigkeiten und Geschenke bekommen. Die Krankenschwester kam morgens, um ihm beim Waschen zu helfen (hihi das fand er weniger toll). Zwischendurch gingen wir immer ins Spielzimmer, welches morgens von 9 – 11 Uhr und mittags von 14 – 17 Uhr geöffnet war und von zwei Erzieherinnen geleitet wurde. Mittwoch kam dann der Clown Bibo ins Spielzimmer. Das war für alle anwesenden Kinder (und uns Erwachsenen) eine tolle Abwechslung und Bibo brachte uns mit seinen Späßen alle zum Lachen. Die Kinder, die aufgrund ihrer Krankheit nicht ins Spielzimmer konnten, wurden anschließend von Bibo besucht.
Ab Mittwoch ging es Dennis ja auch wieder gut. Da sieht man dann wie schnell Kinder doch wieder genesen. Während ich mich aufgrund der allmorgendlichen Hetzerei und der sommerlichen Temperaturen, die im Krankenhaus selber noch unerträglicher als draußen waren, total müde und abgeschlafft fühlte, turnte er herum als ob nie etwas gewesen wäre.
Donnerstag hieß es dann, er würde Samstag entlassen werden. Zwischendurch wurden ihm natürlich die Verbände gewechselt und ich konnte schon einmal einen Blick auf seine neuen Ohren werfen. Das eine Ohr ist aufgrund eines Blutergusses noch ein wenig geschwollen, aber ansonsten sieht es doch sehr gut aus. Ich denke, Dennis wird an seinen neuen Ohren gefallen finden und vor allem kann ihn nun niemand mehr ärgern.
Zu Hause hatte der anfängliche Euphorismus meines Schatzes, mir zu zeigen, wie toll doch so ein Hausfrauenleben ist, stark nachgelassen *gg*. Ich glaube er war froh, dass er seit Donnerstag wieder arbeiten gehen konnte. So habe ich nun die nächsten Tage hier noch einiges zu tun, um wieder Ordnung in die Bude zu bekommen.
TAG 5:
Der heutige Tag wurde dann überraschend auch zum letzten Tag im Krankenhaus für Dennis. Als ich wie gewohnt um 7.30 Uhr das Zimmer stürmte, wurde ich schon mit den Worten „Ich darf nach Hause“ empfangen. Dies wurde mir dann auch bei der Visite im Vorbeilaufen von den Ärzten bestätigt und ich hatte Mühe einen von ihnen in die Finger zu bekommen, damit die Abschlußuntersuchung durchgeführt wurde und wir die Entlassungspapiere entgegen nehmen konnten. Die zuständige Ärztin rief uns dann zu, wir sollten doch schon mal vor ihrem Zimmer warten. Nach 1 ½ Stunden und mehrfachem Nachfragen hatte dann eine Schwester erbarmen mit uns und rief einen anderen Arzt, da die für uns zuständige Ärztin mal eben im OP verschwunden war (na toll, wahrscheinlich hätten wir uns sonst noch ins Guinessbuch der Rekorde eintragen lassen können, als Mutter und Sohn die am längsten dumm in der Gegend rumstehen können).
So ganz nebenbei erfuhr ich dann, dass Sohnemann gar nicht vom Gott in Weiß operiert wurde. Die Verwaltung hatte erst viel später Bescheid gegeben, dass wir eine Zusatzversicherung haben, die ja nun nicht eingesetzt wurde. Aber egal, die Operation ist geglückt, wenn auch mit einer Schrecksekunde für mich, und mein Sohn ist nun ganz stolz auf seine neuen Ohren.
Nun sind wir also wieder alle zu Hause und der normale Alltagstrott kehrt wieder ein. Ich bin froh, dass alles gut überstanden ist und ich nun morgens nicht mehr in Herrgottsfrühe (5.15 Uhr) aufstehen muß. Dennis ist froh, dass er neue und schöne Ohren hat. Meine Tochter hätte uns wahrscheinlich gern noch ein paar Tage länger im Krankenhaus gesehen, da ihre nachmittäglichen Freiheiten nunmehr wieder vorbei sind *gg*. Junior allerdings ist froh, seine Mama wieder die ganze Zeit um sich zu haben und letztendlich mein Schatz ist froh, dass er wieder von seinen Hausfrauenpflichten befreit ist.
Abschließend möchte ich mich aber noch einmal positiv über das Lukaskrankenhaus äußern. Auch wenn es in meinem Bericht vielleicht nicht immer danach klingt, so war ich doch letztendlich sehr zufrieden mit den Ärzten und Schwestern. Vor allem die Schwestern waren allesamt sehr geduldig und überaus zuvorkommend und lieb zu ihren kleinen und großen Patienten. Obwohl sie wirklich viel zu tun hatten, die Station war komplett belegt, haben sie sich trotzdem immer Zeit genommen und wirkten nie gehetzt.
Das Essen war zwar nicht berauschend, aber es war abwechslungsreich und meinem Sohn hat es geschmeckt.
Das Krankenhaus bzw. die HNO-Abteilung sowie die Kinderstation haben mir auch sehr gut gefallen. Hier wurde auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen. Das Spielzimmer verfügt über eine sehr reichhaltige Auswahl diverser Spiele und Bücher, zudem war immer eine der beiden Erzieherinnen zugegen, die sich um die Kinder kümmerten. Sogar an die Schulkinder, die dort einen längeren Aufenthalt hatten, wurde gedacht. So gab es täglich Unterricht für diese Kinder, der von einem Lehrer abgehalten wurde (Dennis brauchte nicht daran teilzunehmen, was ihn sehr erfreute *gg*).
Lediglich der Chefarzt der HNO-Abteilung hatte meines Erachtens wenig Einfühlungsvermögen in Bezug auf Kinder. Weinte eins, so wurde es recht streng mit den Worten „Nun stell Dich mal nicht so an“ begrüßt (zum Glück nicht bei Dennis, sonst wäre ich wohl ein wenig unfreundlich geworden). Der Mutter, die bei ihrer 5jährigen Tochter Rooming-In machte, sagte er kopfschüttelnd, das wäre ja wohl unnötig, das ein Kind dieses Alters nachts noch die Mutter dabei haben müsse, das Kind wäre ja total unselbständig. Aber naja, so oft ließ sich dieser Gott in Weiß ja zum Glück nicht blicken.
Für mich war diese Woche ziemlich chaotisch, stressig und aufregend. Während Dennis so wie es scheint bereits alles gut verarbeitet hat, hängt mir der Schreck von Dienstag nach der OP immer noch mächtig in den Knochen. Hier zu Hause sieht es fast aus wie auf einer Großbaustelle *gg*, so dass ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch genug Ablenkung habe. Aber trotzdem bin ich froh, die Operation habe durchführen zu lassen, denn Dennis ist sichtbar aufgeblüht in den letzten Tagen.
Es war mal wieder ein sehr langer Bericht, aber ich mußte mir das jetzt mal einfach von der Seele schreiben. Ich danke allen, die bis zum Schluß durchgehalten haben und wünsche eine schönes stressfreies Wochenende.
© by Claudia Retzmann 2002
Mein mittlerer Sohn hat seit seiner Geburt abstehende Ohren. Ich als Mutter fand das gar nicht so schlimm, aber von allen Seiten hörte ich schon recht früh „Laß dem armen Kind bloß die Ohren anlegen, der wird später nur gehänselt“. Da ich selbst allerdings nicht viel von medizinisch nicht unbedingt notwendigen Operationen halte und ich persönlich immer großen Bammel vor Narkosen habe, wollte ich abwarten, bis mein Sohn selbst entscheidet, ob er so eine Operation für nötig hält.
Leider hatten die anderen recht, mein Sohn wurde wegen seiner Ohren sehr gehänselt und leider fehlt ihm das nötige Selbstbewußtsein, um sich dadurch nicht fertig machen zu lassen. Vor einigen Wochen dann stand er weinend vor mir und sagte „Mama, ich will auch normale Ohren haben, die Kinder ärgern mich immer und die Kinder im Bus ziehen immer an meinen Ohren“. Ich besprach dies dann mit unserem Kinderarzt, der mir ebenfalls dazu riet, Dennis die Ohren operativ anlegen zu lassen, um ihm zumindest schon mal einen psychischen Druck zu nehmen (Dennis besucht aufgrund einer Lernbehinderung eine Sonderschule und wird natürlich leider auch deswegen sehr gehänselt).
So ließen wir uns ins Lukaskrankenhaus (Städtische Kliniken der Stadt Neuss) überweisen. Nach einer Voruntersuchung bekamen wir dann den Einweisungstermin für Montag, den 3. Juni. Die Operation sollte einen Tag später stattfinden.
Nun komme ich also zum eigentlichen Thema, dem Krankenhausaufenthalt meines Sohnes und dem dadurch entstandenen „Chaos“ *gg* bei uns zu Hause.
TAG 1:
Ich bin ein Typ Mensch, bei dem alles einigermaßen organisiert und planmäßig ablaufen muß, so kalkulierte ich für den normalerweise nur 20 Autominuten dauernden Weg zum Krankenhaus schon ein paar Minuten mehr dazu und fuhr bereits um 8 Uhr mit Dennis nach Neuss, nach nur 8 minütiger Fahrt standen wir bereits im Stau. Um 9 Uhr sollten wir in der Klinik sein, zwei Minuten vorher kamen wir mehr oder weniger abgehetzt auf Station C6 im 4. Stock der HNO-Klinik an, was für mich schon einer halben Katastrophe gleichkam;-)
Die dortige Schwester nahm uns gleich sehr freundlich in Empfang. Wir durften die Tasche auf den Flur stellen, da das Bett für Dennis noch nicht bereitgestellt war, dann mußten wir uns natürlich erst einmal ordentlich in der Verwaltung anmelden. Meine Güte war das ein Blätterchaos. Ich weiß nicht wieviel Seiten ich unterschreiben mußte, naja so ist das nun mal in Deutschland – alles muß seine Ordnung haben... In der Verwaltung gab ich dann auch ordnungsgemäß an, dass ich für meinen Sohn eine Zusatzversicherung abgeschlossen hatte für ein Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung. Daraufhin mußte ich dann noch einmal eine ganze Reihe Seiten unterschreiben, dass ich darüber aufgeklärt wurde, dass zunächst mir die Rechnung für die Privatbehandlung zugeht etc. blabla.
Gegen 9.45 Uhr waren wir endlich wieder im 4. Stock – doch das Zimmer war immer noch nicht fertig. Also hieß es warten (etwas was ich in der Folgezeit noch zur Genüge leisten durfte). Glücklicherweise gab es auf der Station ein Spielzimmer, so dass sich wenigstens Dennis die Zeit recht gut vertreiben konnte. Zwischendurch schaute immer mal wieder eine freundliche Schwester herein, um ein paar Daten aufzunehmen, mir noch einige Seiten mit Informationen über die Narkose zum Unterschreiben zu geben (noch mehr Blätterchaos) und uns immer wieder aufmunternd zu sagen, dass das Zimmer bald frei wäre. Mittlerweile war es bereits 11 Uhr und wir saßen immer noch im Spielzimmer, meine Lunge schrie förmlich nach einer Zigarette, doch traute ich mich nicht, mich vom Platz zu rühren, da wir kurz zuvor noch erfuhren, dass der Arzt Dennis noch sehen wolle und der Anästhesist auch noch ein paar Fragen hätte.
Endlich bekam Dennis sein Zimmer zugewiesen – ein Zweibettzimmer (allerdings gab es nur Zweibettzimmer), welches er sich zumindest noch eine Nacht mit einem kleinen von Mandeln und Polypen befreiten Jungen nebst seiner Mutter, die auch nachts bei ihrem Sohn blieb, teilen mußte. Das erste was Dennis hocherfreut zur Kenntnis nahm war, dass das Zimmer über einen FERNSEHER verfügte...
Nun denn, wir warteten und warteten (hatte ich erwähnt, das meine Lunge nach einer Zigarette verlangte???). Gegen 11.45 Uhr öffnete sich die Tür – alles blickte erwartungsvoll auf, doch statt des ersehnten Arztes kam die Schwester mit dem Mittagessen. Mein Sohn bekam eine Scheibe Fleischkäse, Gemüseallerlei und Kartoffeln sowie einen Nachtisch, bestehend aus Joghurt. Glücklicherweise hatte ich wenigstens gut gefrühstückt *gg*.
Wie sollte es auch anders sein, Dennis begann gerade zu essen, da öffnete sich die Tür und wir wurden zu Herrn Doktor (dem Stationsarzt) gerufen. Er schaute sich Dennis nochmals kurz an, erklärte mir die bevorstehende Operation noch einmal und sagte uns dann noch, dass wir doch bitte um 14 Uhr in den 5. Stock kommen sollten, da der Chefarzt erst noch alles absegnen muß. Seufz, also wieder warten. Wenigstens war Dennis‘ Mittagessen noch nicht gänzlich kalt.
Punkt 14 Uhr (erwähnte ich bereits, dass ich immer pünktlich bin?? Hihi) standen wir vor der Tür des Chefarztes und durften erst einmal wieder warten. 15 Minuten später erhielten wir Eintritt in die werten Gefilde dieses Gottes in Weiß... Keine 5 Sekunden später waren wir schon wieder draußen. Der Chefarzt warf einen kurzen Blick auf Dennis Ohren, ließ sich vom Stationsarzt kurz erklären, worum es ging und das war’s. Naja noch nicht so ganz, schließlich mußten wir im Zimmer dann noch auf den Anästhesisten warten. Dieser kam gegen 14.30 Uhr, klärte mich über die Risiken der Narkose auf, ließ sich dieses von mir quittieren und verschwand. Dennis bekam dann noch Blut abgenommen und das war es für diesen Tag.
Bis 18.30 Uhr blieb ich dann noch bei ihm, damit er nicht so allein ist. Allerdings hatte ich irgendwie das Gefühl zu stören, denn mein Sohn blickte gebannt auf eine Zeichentrickserie im Fernsehen, während ich einen Stapel Zeitschriften durchblätterte und dabei feststellte, dass der Nachmittag sich wie Kaugummi zog.
Als ich dann nach Hause fuhr machte ich mir natürlich Sorgen, ob mein Sohn, der bis dahin eigentlich noch nie längere Zeit über Nacht weg war, auch gut versorgt ist, seufz die Sorgen einer Mutti eben (wird er auch gut schlafen können? Wird er auch keine Angst haben nachts? Wird er den Weg zur Toilette finden...).
Zu Hause erzählte mir mein Schatz – er hatte sich extra zwei Tage Urlaub genommen, obwohl in der Firma zur Zeit die Hölle los ist, um sich um die beiden anderen Kinder (12 Jahre und 1 Jahr) zu kümmern - dann stolz, dass er SCHON ZWEI Maschinen Wäsche gewaschen hatte. Eine Maschine mit Bettwäsche und eine Maschine mit Unterwäsche. TOLL! Ich war richtig stolz auf ihn *gg*. Zwar hatte er beide Maschinen statt auf 60°C nur auf 40°C gewaschen, aber immerhin... Als ich dann nach oben kam, sah ich die zwei Wäscheständer, die er fein säuberlich mit der gewaschenen Wäsche bestückt hatte. *Räusper* nun es war recht amüsant, aber die Wäsche hing, sie war sozusagen festbetoniert, damit sie nicht von der Leine fallen konnte, ich glaub soviel Wäscheklammern hab ich noch nie im Leben auf einer Leine stecken sehen *gg*.
Unten hörte ich bereits Junior aus Leibeskräften brüllen – ups, hatte ich ihm beim Hereinkommen wohl zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt. Also wieder nach unten gelaufen und ihn tröstend auf den Arm genommen, dabei versuchte ich krampfhaft nicht über die Berge Brötchenkrümel zu fliegen, die sich noch vom Frühstück überall auf dem Boden befanden. Nanu, dachte ich, ist der Staubsauger kaputt? *gg* Ich schaute auf die Couch, wo mein Schatz fix und fertig mit sich und der Welt erschöpft ein kleines Päuschen einlegte. Jaja, der Hausfrauenalltag kann schon ganz schön stressig sein...
Die Nacht auf Dienstag schlief ich sehr schlecht und um 5.30 Uhr stand ich dann auf, damit ich pünktlich im Krankenhaus sein konnte, um meinen Sohn auf dem Weg in den OP zu begleiten.
TAG 2:
Da ich aus dem Stau vom Vortag gelernt hatte, fuhr ich diesmal über Land und kam pünktlich um 7.30 Uhr am Krankenhaus an. Auf dem Weg vom Auto zur Klinik rauchte ich noch schnell zwei Zigaretten. Meine Güte war ich nervös, aber es war ja auch das erste Mal, das eines meiner Kinder im Krankenhaus lag und operiert wurde. Im Krankenzimmer angekommen begrüßte Dennis mich freudestrahlend. Von Nervosität war bei ihm keine Spur, während ich schon jetzt so stark zitterte, dass ich die Kaffeetasse, die mir eine Schwester freundlich in die Hände gedrückt hatte, kaum noch halten konnte, ohne den Inhalt zu verschütten. Kurz darauf kam die tägliche Arztvisite, angeführt vom Gott in Weiß (sprich Chefarzt), dem eine ganze Horde Ärzte und Schwestern auf Schritt und Tritt folgten. Mir gab man noch mal kurz bekannt, dass Dennis gegen 8 Uhr in den OP kommt und so gegen 10 Uhr dann wieder auf seinem Zimmer läge.
Zunächst bekam Dennis jedoch ein Beruhigungsmittel (das hätten sie besser mir gegeben), woraufhin er nach kurzer Zeit bereits anfing zu lallen, als hätte er grade eine mordsmäßige Ballermannparty hinter sich. Dann wurde er begleitet von einer Schwester und mir zum OP gefahren. An der Tür verabschiedete ich mich kurz von ihm, was er jedoch kaum mehr wahrnahm. Die Schwester teilte mir dann wiederum mit, ich solle spätestens 9.45 Uhr auf dem Zimmer sein, damit ich zusammen mit ihr Dennis aus dem OP holen könnte.
Zwei Stunden warten, ich verbrachte einen Teil der Zeit rauchend im Park und beeilte mich dann, um pünktlich im Zimmer zu sein. Dort war bereits ein Wechsel vorgegangen, statt des Jungen vom Vortag lag dort nunmehr ein kleines frisch von den Mandeln befreites Mädchen, deren Papa die Nacht ebenfalls im Zimmer verbringen wollte.
Netterweise machte dessen Mutter mich dann mit den Worten „Oh, es ist ja schon kurz vor 11 Uhr, sollte ihr Sohn nicht schon um 10 Uhr wieder unten sein? Da wird doch wohl nichts passiert sein????“ darauf aufmerksam, dass mein Sohn wirklich schon eine Stunde überfällig war. Mein Magen fing sich leicht an zu drehen, was noch zusätzlich dadurch verursacht wurde, dass ich vor lauter Aufregung noch nichts gegessen hatte. Von da an blickte ich im 5-Minuten-Takt auf die Uhr. Am liebsten hätte ich mir noch eine Zigarette geraucht, aber ich hatte Angst, dann die Schwester zu verpassen. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und stahl mich auf den Balkon des Zimmers, um mir dort heimlich schnell eine zu rauchen. Doch es tat sich nichts. Um 12 Uhr, ich war schon fast wahnsinnig vor Sorge, erkundigte ich mich dann bei einer Schwester nach dem Verbleib meines Sohnes. Leider wußte sie auch nichts, versuchte mich aber zu beruhigen, dass wenn etwas passiert wäre, ich schon Bescheid bekommen hätte. Naja, ein Trost war das nicht gerade, zumal die nette Mutti des Mädchens mir immer wieder sorgenvolle und mitleidige Blicke zuwarf, während ihre Tochter mittlerweile schon recht munter auf dem Bett herumturnte. Zwischenzeitlich hatte die Schwester mir ein Mittagessen gebracht, doch ich brachte keinen Bissen runter.
Gegen 12.45 Uhr war es endlich soweit. Die Schwester kam, wir konnten Dennis holen. Unterwegs sagte sie, ich solle nicht erschrecken, falls Dennis schreien würde, jedes Kind würde eben anders aus der Narkose erwachen und hätte ein anderes Schmerzempfinden... (sehr beruhigend). Wir kamen im OP an und ich sah zunächst einmal einen dick verbundenen Kopf. Dennis selber reagierte nicht, er schien im Tiefschlaf. Nach kurzer Nachfrage erfuhr ich, dass man ihm kurz zuvor noch zweimal ein starkes Schmerzmittel gespritzt hätte (aha, deswegen wohl zuvor die Worte der Schwester) und wir könnten ihn nun mit auf sein Zimmer nehmen. Gesagt, getan.
Nun folgt etwas, was für mich absolut schrecklich war. Eigentlich versuche ich den Bericht hier ein wenig humorvoll zu halten, dies ist bei dieser Passage jedoch leider nicht möglich.
Die Schwester verließ dann mit den Worten, sie käme gleich wieder, das Zimmer. In dem Moment öffnete Dennis die Augen, vielmehr er riß sie weit auf und schnappte nach Luft. Er hörte sich an wie eine Dampflok kurz vor der Verschrottung. Man hörte regelrecht, dass er keine Luft bekam. Dieses Geräusch, als er ein- und ausatmen wollte war einfach fürchterlich. Mein Exmann hat Asthma, da war ich ja schon einiges gewöhnt, aber so etwas hatte ich bis dato noch nicht gehört. Die Mutter des Mädchens schellte sogleich nach der Schwester. In dem Moment hörte Dennis einfach auf zu atmen. Seine Lippen wurden blau und ich dachte, nun stirbt er mir unter der Hand weg und ich rief laut seinen Namen. In dem Moment kam die Schwester rein und hörte wie Dennis wieder krampfhaft nach Luft sog. Sie meinte, das wäre wohl vom Tubus, der Hals wäre wohl ein wenig rauh. Dann hörte Dennis wieder auf zu atmen und die Schwester rief schnell den Stationsarzt. Dieser hörte Dennis Rücken ab und erzählte mir auch etwas von Nachwirkung der Narkose. Mittlerweile atmete Dennis wieder, allerdings sehr schwer und zwischendurch hörte er wieder auf. Der Arzt gab ihm schnell ein Cortison-Zäpfchen und rief nach der Anästhesistin. Mittlerweile fing das Zäpfchen an zu wirken und man merkte, dass Dennis wieder besser Luft bekam und auch die Lippen bekamen wieder etwas Farbe. Der Arzt sagte mir dann, ich solle jedesmal, wenn Dennis „vergißt“ zu atmen ihn anbrüllen und wachhalten. Alle paar Minuten kam er dann wieder rein, um Dennis abzuhören und die Atmung zu kontrollieren. Nach ca. 30 Minuten, die mir wie Jahre vorkamen, war wieder alles in Ordnung. Auf meine Frage, was da denn nun los war, antwortete der Arzt, dass hier wohl mehrere Faktoren auf einmal zusammen kamen. Durch den Tubus, den er während der Narkose bekommen hatte, war der Hals angeschwollen, wodurch Dennis schwer Luft bekam, das Schmerzmittel, welches er gespritzt bekommen hatte, hatte er wohl nicht vertragen und der automatische Atemreflex hatte ausgesetzt. Nachdem er das Cortison-Zäpfchen erhalten hatte und die Schwellung dadurch im Hals abklang, bekam er besser Luft und das Schmerzmittel ließ dann auch nach, so dass die Atmung wieder normal funktionierte.
Den Rest des Tages ging es Dennis sehr schlecht. Er erbrach dauernd und war alles andere als munter. Erst gegen abend ging es ihm wieder besser, so dass er etwas Suppe essen konnte. Mein Exmann löste mich gegen 18 Uhr ab und ich fuhr total erschöpft und fix und fertig nach Hause.
Eigentlich hatte ich vor am nächsten Tag meinen Junior mit zu nehmen, da mein Freund wieder arbeiten mußte und ich keinen Babysitter hatte. Doch die Schwester teilte mir mit, dass dies aufgrund von Ansteckungsgefahr nicht ginge. Ich könne nicht mit einem Einjährigen für längere Zeit auf die Station. Wums, das kam dann auch noch dazu. Ich hatte alles so schön organisiert und geplant und mit einem Knall mußte ich zusehen, wie ich alles schnell ändere. Ich war so kaputt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich nach Hause gekommen bin. Dort jedoch hätte ich am liebsten erst einmal nur geheult.
Mein Freund rief dann abends noch seinen Chef an und teilte ihm mit, dass er noch dringend einen Tag Urlaub benötige. Zum Glück bekam er ihn, obwohl er auf der Arbeit dringend gebraucht wurde. Für Donnerstag und Freitag wollte dann seine Mutter als Babysitter einspringen.
Zur Ablenkung setzte ich mich noch kurz vor den PC und sprang dann anschließend nur noch unter die Dusche, um danach gleich ins Bett zu gehen.
Achja, positiv war mir trotz des in mir herrschenden Chaos aufgefallen, dass mein Schatz wiederum eine Maschine Wäsche gewaschen hatte – diesmal sogar bei der richtigen Temperatur *gg* und er hatte sogar alles durchgesaugt!! Junior warf mir an dem Abend nur ein paar böse Blicke zu, hatte ich ihn doch nun schon den zweiten Tag kaum beachtet...
TAG 3 und TAG 4:
Diese beiden Tage fasse ich zusammen, da sie im Grunde genommen gleich verliefen. Ich versuchte morgens um 7.30 Uhr im Krankenhaus zu sein, um die Arztvisite keinesfalls zu verpassen. Obwohl, wenn ich so im Nachhinein überlege, so muß ich ja gestehen, dass ich geprägt durch diverse Krankenhausserien aus dem Fernsehen mir eine Arztvisite ganz anders vorgestellt habe. Hier sah es so aus, dass ein Trott Ärzte, meist angeführt vom Chefarzt ins Zimmer trat, kurz einen guten Morgen wünschte und dann teilte einer der Ärzte dem Chef kurz mit, welche Befunde bei den Patienten vorlagen und eh man noch irgend etwas anmerken konnte, war der ganze Trott wieder verschwunden.
Für mich persönlich waren die Tage im Krankenhaus sehr ermüdend. Ich bin es gar nicht gewohnt, den ganzen Tag nur rumzusitzen und nichts zu tun. Die Zeit kroch nur so dahin, so dass ich schon einige Male dachte, meine Uhr hätte ihren Geist aufgegeben.
Lediglich Dennis hatte seinen Spaß. Wurde er doch hofiert von vorn bis hinten. Er bekam sein Essen ans Bett, der Fernseher lief den halben Tag, zudem hatte er jede Menge Süßigkeiten und Geschenke bekommen. Die Krankenschwester kam morgens, um ihm beim Waschen zu helfen (hihi das fand er weniger toll). Zwischendurch gingen wir immer ins Spielzimmer, welches morgens von 9 – 11 Uhr und mittags von 14 – 17 Uhr geöffnet war und von zwei Erzieherinnen geleitet wurde. Mittwoch kam dann der Clown Bibo ins Spielzimmer. Das war für alle anwesenden Kinder (und uns Erwachsenen) eine tolle Abwechslung und Bibo brachte uns mit seinen Späßen alle zum Lachen. Die Kinder, die aufgrund ihrer Krankheit nicht ins Spielzimmer konnten, wurden anschließend von Bibo besucht.
Ab Mittwoch ging es Dennis ja auch wieder gut. Da sieht man dann wie schnell Kinder doch wieder genesen. Während ich mich aufgrund der allmorgendlichen Hetzerei und der sommerlichen Temperaturen, die im Krankenhaus selber noch unerträglicher als draußen waren, total müde und abgeschlafft fühlte, turnte er herum als ob nie etwas gewesen wäre.
Donnerstag hieß es dann, er würde Samstag entlassen werden. Zwischendurch wurden ihm natürlich die Verbände gewechselt und ich konnte schon einmal einen Blick auf seine neuen Ohren werfen. Das eine Ohr ist aufgrund eines Blutergusses noch ein wenig geschwollen, aber ansonsten sieht es doch sehr gut aus. Ich denke, Dennis wird an seinen neuen Ohren gefallen finden und vor allem kann ihn nun niemand mehr ärgern.
Zu Hause hatte der anfängliche Euphorismus meines Schatzes, mir zu zeigen, wie toll doch so ein Hausfrauenleben ist, stark nachgelassen *gg*. Ich glaube er war froh, dass er seit Donnerstag wieder arbeiten gehen konnte. So habe ich nun die nächsten Tage hier noch einiges zu tun, um wieder Ordnung in die Bude zu bekommen.
TAG 5:
Der heutige Tag wurde dann überraschend auch zum letzten Tag im Krankenhaus für Dennis. Als ich wie gewohnt um 7.30 Uhr das Zimmer stürmte, wurde ich schon mit den Worten „Ich darf nach Hause“ empfangen. Dies wurde mir dann auch bei der Visite im Vorbeilaufen von den Ärzten bestätigt und ich hatte Mühe einen von ihnen in die Finger zu bekommen, damit die Abschlußuntersuchung durchgeführt wurde und wir die Entlassungspapiere entgegen nehmen konnten. Die zuständige Ärztin rief uns dann zu, wir sollten doch schon mal vor ihrem Zimmer warten. Nach 1 ½ Stunden und mehrfachem Nachfragen hatte dann eine Schwester erbarmen mit uns und rief einen anderen Arzt, da die für uns zuständige Ärztin mal eben im OP verschwunden war (na toll, wahrscheinlich hätten wir uns sonst noch ins Guinessbuch der Rekorde eintragen lassen können, als Mutter und Sohn die am längsten dumm in der Gegend rumstehen können).
So ganz nebenbei erfuhr ich dann, dass Sohnemann gar nicht vom Gott in Weiß operiert wurde. Die Verwaltung hatte erst viel später Bescheid gegeben, dass wir eine Zusatzversicherung haben, die ja nun nicht eingesetzt wurde. Aber egal, die Operation ist geglückt, wenn auch mit einer Schrecksekunde für mich, und mein Sohn ist nun ganz stolz auf seine neuen Ohren.
Nun sind wir also wieder alle zu Hause und der normale Alltagstrott kehrt wieder ein. Ich bin froh, dass alles gut überstanden ist und ich nun morgens nicht mehr in Herrgottsfrühe (5.15 Uhr) aufstehen muß. Dennis ist froh, dass er neue und schöne Ohren hat. Meine Tochter hätte uns wahrscheinlich gern noch ein paar Tage länger im Krankenhaus gesehen, da ihre nachmittäglichen Freiheiten nunmehr wieder vorbei sind *gg*. Junior allerdings ist froh, seine Mama wieder die ganze Zeit um sich zu haben und letztendlich mein Schatz ist froh, dass er wieder von seinen Hausfrauenpflichten befreit ist.
Abschließend möchte ich mich aber noch einmal positiv über das Lukaskrankenhaus äußern. Auch wenn es in meinem Bericht vielleicht nicht immer danach klingt, so war ich doch letztendlich sehr zufrieden mit den Ärzten und Schwestern. Vor allem die Schwestern waren allesamt sehr geduldig und überaus zuvorkommend und lieb zu ihren kleinen und großen Patienten. Obwohl sie wirklich viel zu tun hatten, die Station war komplett belegt, haben sie sich trotzdem immer Zeit genommen und wirkten nie gehetzt.
Das Essen war zwar nicht berauschend, aber es war abwechslungsreich und meinem Sohn hat es geschmeckt.
Das Krankenhaus bzw. die HNO-Abteilung sowie die Kinderstation haben mir auch sehr gut gefallen. Hier wurde auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen. Das Spielzimmer verfügt über eine sehr reichhaltige Auswahl diverser Spiele und Bücher, zudem war immer eine der beiden Erzieherinnen zugegen, die sich um die Kinder kümmerten. Sogar an die Schulkinder, die dort einen längeren Aufenthalt hatten, wurde gedacht. So gab es täglich Unterricht für diese Kinder, der von einem Lehrer abgehalten wurde (Dennis brauchte nicht daran teilzunehmen, was ihn sehr erfreute *gg*).
Lediglich der Chefarzt der HNO-Abteilung hatte meines Erachtens wenig Einfühlungsvermögen in Bezug auf Kinder. Weinte eins, so wurde es recht streng mit den Worten „Nun stell Dich mal nicht so an“ begrüßt (zum Glück nicht bei Dennis, sonst wäre ich wohl ein wenig unfreundlich geworden). Der Mutter, die bei ihrer 5jährigen Tochter Rooming-In machte, sagte er kopfschüttelnd, das wäre ja wohl unnötig, das ein Kind dieses Alters nachts noch die Mutter dabei haben müsse, das Kind wäre ja total unselbständig. Aber naja, so oft ließ sich dieser Gott in Weiß ja zum Glück nicht blicken.
Für mich war diese Woche ziemlich chaotisch, stressig und aufregend. Während Dennis so wie es scheint bereits alles gut verarbeitet hat, hängt mir der Schreck von Dienstag nach der OP immer noch mächtig in den Knochen. Hier zu Hause sieht es fast aus wie auf einer Großbaustelle *gg*, so dass ich in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch genug Ablenkung habe. Aber trotzdem bin ich froh, die Operation habe durchführen zu lassen, denn Dennis ist sichtbar aufgeblüht in den letzten Tagen.
Es war mal wieder ein sehr langer Bericht, aber ich mußte mir das jetzt mal einfach von der Seele schreiben. Ich danke allen, die bis zum Schluß durchgehalten haben und wünsche eine schönes stressfreies Wochenende.
© by Claudia Retzmann 2002
26 Bewertungen, 3 Kommentare
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12.07.2002, 21:05 Uhr von Charley
Bewertung: sehr hilfreichNaja, wie heißt es doch so schön: "das bißchen Haushalt geht von ganz allein...".
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11.06.2002, 17:17 Uhr von Andreas68
Bewertung: sehr hilfreichDas Erleben des Atemstillstands ist ja erschütternd. Ich kann mir vorstellen, wie es mir bei meiner Tochter erginge!
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09.06.2002, 21:41 Uhr von Alusru
Bewertung: sehr hilfreichJa als Mutter leidet man immer mehr als der Patient, erhole dich gut lieben Gruß Uschi.




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