Bowling for Columbine (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von PublicEnemy
Home of the Brave??
Pro:
bewegend, bedrückend, beeindruckend
Kontra:
gelegentliche Schwächen und Abrücken vom Thema
Empfehlung:
Ja
*°*°* Vorwort *°*°*
Bowling for Columbine – einer der wenigen Dokumentationen, die ins Kino kommen! Nun, es ist nicht direkt eine Dokumentation, aber der Film zeigt alle Züge davon auf. Bowling for Columbine ist eine perfekte Mischung aus Information und Unterhaltung, welche sogar einen Preis in Cannes gewonnen hat! Und dies zurecht. Für mich, als Pseudo-Gesellschaftskritiker war der Film ein Muss, seit ich das erste mal davon gehört hatte. So kam es dann, dass ich ihn gleich zwei mal hintereinander gesehen habe, und ich würde es mir noch ein drittes Mal ansehen, ohne groß darüber nachzudenken. Auch habe ich mir kurz darauf Moores Buch „Stupid white men“ gekauft! Wie man sieht, bin ich auf den Kommerz-Trick voll reingefallen, aber ich bereue nichts!
*°*°* Michael Moore *°*°*
Michael Moore – dieser Name hat in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen! An Bedeutung, in einer Stimmung, welche zunehmend antiamerikanischer wird. Dabei ist Moore kein Anti-Amerikaner. Nein, im Gegenteil! Er ist ein Amerikaner mit Leib und Seele! Er liebt sein Land über alles, mit all seinen Macken und Fehlern. In dieser Hinsicht wurde Moore oft missverstanden. Gerade deswegen kritisiert Moore viele Missstände in seinem Land, nicht weil er es hasst, sondern weil er es liebt! Weil er darauf zeigen will und sagt: „Es ist nicht okay, wenn Kinder sich erschießen, wenn unsere Mordrate 100 mal so hoch ist, wie in anderen Ländern und wenn Leute mit Waffen umgehen, wie mit Spielzeug!“ Moore ist kein Skandalreporter! Er ist ein Idealist wie es sie selten gibt in den USA! Jemand, der sein Land liebt UND es kritisiert! Viele Amerikaner, die ihr Land lieben, fressen ja wirklich alles, was man ihnen vorwirft, doch Moore zeigt auf, dass es auch anders geht. Nämlich, dass man sein Land verbessern kann, gerade weil man die Missstände darin anprangert! Leider auch ein Grund, warum er nicht überall gerne gesehen ist...
Ansonsten sieht Michael Moore recht gewöhnlich aus. Groß, dick, mit schlabberiger Jeans und Baseball-Kappe schreitet er durch den Film und hält den Amerikanern den Spiegel vor. 1954 wurde er in Flint im Staat Michigan geboren, eine triste Stadt, welche laut Angaben der Einwohner Psychopathen hervorbringt. Moore stattdessen widmet seinen Geist dem Journalismus und gründet sogar eine eigene alternative Zeitung –„The Flint Voice“. Tatsächlich ist Moore so etwas wie ein amerikanischer Grüner und unterstützt diese dort schwach vertretene politische Richtung. 1989 wurde er mit seinem Dokumentarfilm „Roger & Me“ – der erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten - auf einen Schlag bekannt und ist als Satiriker und Gesellschaftskritiker nicht mehr wegzudenken. Derzeit arbeitet er noch an einer filmischen Adaption von „Stupid white men“, welche eine Abrechnung mit der Bush-Regierung darstellen soll. Taktisch sinnvoll soll diese noch vor der Präsidentschaftswahl in die Kinos kommen. Wenn man sich die Verkaufszahlen des Buches so ansieht, kann könnte sich dies auf interessante Weise auf die Wahl auswirken.
Wenn man es so will, ist er so etwas wie der Protagonist von „Bowling for Columbine“, wobei dies bei einer Dokumentation nicht so einfach zu bestimmen ist. Viel eher ist die Gesellschaft der „Protagonist“, Moore zeigt fungiert nur als Spiegel-Vorhalter.
*°*°* Der Inhalt *°*°*
Wie soll ich bei einer Dokumentation den Inhalt zusammenfassen? Im Grunde ist dies fast schwachsinnig, weil es keine wirkliche zusammenhängende Story ist. Viel eher wurden Fakten, Filmausschnitte und Interviews in mehr oder weniger logischer Reihenfolge zusammengeschnitten. Ich werde hier also nicht konkret die Story wiedergeben, sondern nur beschreiben, worum es geht.
Im Grunde dreht sich alles um das Massaker an der Columbine-Highschool in Littelton, welches sich am 20. April 1999 ereignete. Damals drangen zwei schwer bewaffnete Schüler in die Highschool ein, und schossen quasi wahllos auf Lehrer und Schüler. Der 17-jährige Eric Harris und sein 18-jähriger Freund Dylan Klebold brachten 12 Schüler, sowie einen Lehrer um. Weitere 23 Personen trugen schwere Verletzungen davon. Angesichts der Tatsache, dass die beiden Amokläufer 900 (!) Kugeln verschossen, ettliche Bomben sowie Molotow-Cocktails zündeten, ist die Anzahl der Opfer makabrer Weise noch gering.
Zuletzt richteten sich die beiden Amokläufer selbst.
Was genau in ihnen vorging, wusste keiner. Große Diskussionen wurden ausgelöst. Wer oder was war schuld? Die Medien? PC-Spiele? Die Eltern? Jeder wusste eine Patentlösung, jeder dachte, er hätte es verhindern können. Doch Michael Moore zweifelt an den einfachen Lösungen. Er befragt zahlreiche Leute nach ihren Meinungen, schaut sich mehrere Städte in den USA an und nimmt insbesondere die NRA – in der auch er Mitglied ist – unter die Lupe. Diese hat nämlich die seltsame Angewohnheit, nach Tragödien durch Waffenmissbrauch in die entsprechenden Städte zu ziehen und Pro-Waffen Kundgebungen zu starten.
Des öfteren weicht Moore vom eigentlichen Thema ab, wenn auch nur ein wenig. Gelegentlich waren bestimmte Fakten so interessant, dass er es einfach musste. Moore versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Er will zumindest versuchen, die Gründe für die hohe Gewaltbereitschaft in den USA zu finden. War es nur das Werk zweier depressiver und kranker Einzeltäter, oder gibt es in der amerikanischen Gesellschaft Millionen tickender Zeitbomben?
*°*°* Die Analyse *°*°*
Ich werde nicht jede Szene einzeln vorstellen und schon gar nicht in der korrekten Reihenfolge, wie sie im Film vorkamen. Ich habe mir eine Reihe von Szenen herausgepickt, die ich für wichtig halte, bzw. an denen ich etwas zu meckern habe. Worum es in dem Film geht, sollte ja nun bekannt sein.
Aber er fängt schon makaber an. Der Sprecher verkündet voller Ironie: „Der Morgen des 20. April 1999 war so ziemlich wie jeder andere Morgen in Amerika. Der Farmer ging auf die Felder, der Milchmann lieferte die Milch aus. Der Präsident bombardierte mal wieder ein Land, dessen Namen wir nicht aussprechen konnten.“ Und, ach ja, die Amokläufer von Littleton gingen zum Bowling. Ein typischer Tag in Amerika, ein Tag über den ich nur den Kopf schütteln kann.
Aber die Ironie, die traurigerweise wahr ist, ebbt nicht schon am Anfang ab. In der nächsten Szene will Moore ein Konto in einer Bank eröffnen. Naja, es ist keine Bank wie jede andere. Neben Girokontos und Sparbüchern kann man dort auch noch Waffen kaufen, und erhält für eine Kontoeröffnung ein Gratisgewehr. Dies auch noch mitten in der Bank!
Dann besucht er eine kleine Stadt in den USA, in der die Bürger nicht nur das Recht haben, eine Waffe zu tragen, nein, es ist deren Pflicht! Wer keine Waffe trägt, gilt als unverantwortlich. Völliger Unsinn, denn Statistiken sagen aus, dass amerikanische Waffenbesitzer mit zweiundzwanzig mal so hoher Wahrscheinlichkeit Verletzungen durch Schusswaffen erleiden, als Leute, die keine Waffe besitzen.
Aber auch die NRA (National Rifle Assotiation) unter Vorsitz von Charlton Heston (ja, der Schauspieler) ist keinen Deut besser. Einige Zeit nach dem Littleton-Massaker hielt die NRA eine große Kundgebung in genau dieser Stadt ab. Von Bitten des Bürgermeisters und der Einwohner ließen sich die Waffen-Fanatiker nicht abhalten, viel eher verhöhnten sie diese noch. Zeitgleich fand eine Gegendemonstration der Bürger statt. Der Vater eines Opfers hielt eine herzzerreißende Rede über den Amoklauf und seine Auswirkungen. Ich frage mich ernsthaft: Wie pietätlos kann man sein, die Bürger einer gewaltgeplagten Stadt quasi mit Füßen zu treten und ihnen noch Salz in die Wunden zu streuen? Waffen haben ihnen so viel Leid bereitet, wie kann man noch in diese Stadt hingehen und die Vorzüge der Todesmaschinen preisen?
Ebenfalls hier die NRA eine Kundgebung in einer Stadt ab, in der ein 6-jähriges Mädchen von einem 6-jährigen (!) Jungen erschossen wurde. Der jüngste Todesschütze in den USA. Moore, der auch NRA-Mitglied ist, stattet darauf Charlton Heston einen Besuch ab. Er fragt ihn konkret, warum seiner Meinung nach jedes Jahr 11.000 Amerikaner durch Schusswaffen sterben. Hestons Argumentation ist der von Moore unterlegen. Er deutet immer wieder auf die gewalttätige Geschichte der USA hin. Doch ist die Todesrate in Deutschland, Russland oder Großbritannien viel geringer, die eine nicht minder brutale Geschichte haben? Hestons weiss keine Antwort. Doch Moore reicht das nicht. Er fragt Heston, warum er nach dem Unglück mit den beiden 6-jährigen eine Kundgebung in deren Heimatstadt gab. Angeblich wusste die NRA nichts von dem Unglück. Sehr unglaubwürdig, wie auch Moore findet. Heston ist langsam am Ende mit seinen Nerven und bittet Moore zu gehen.
Viel eher verlässt Heston das Zimmer und flüchtet quasi vor Moore. Dieser geht ihm hinterher und will ihm ein Foto der ermordeten 6-jährigen zeigen. Heston dreht sich kurz um, doch geht dann entnervt weiter. Moore stellt das Foto an einer Säule von Hestons Luxusvilla ab, und geht dann schließlich. Diese Szene hat mich am meisten beeindruckt.
Doch Moore sieht die NRA nicht als Hauptgrund für die vielen Todesopfer in den USA an. Sie ist eher das Produkt dessen, was die Waffenverliebtheit der USA erzeugt. Moore blendet die Meinung mehrerer selbsternannter Experten ein, welche sich nach dem Columbine-Massaker zu Wort meldeten. Verschiedene Gründe wurden für dieses genannt: Heavy-Metal, brutale Computer-Spiele und vor allem „Schockrocker“ Marylin Manson. Grund genug, diesem gleich einen Besuch abzustatten und die Wurzel allen Übels mal unter die Lupe zu nehmen.
Ein interessantes Gespräch entwickelt sich zwischen den Beiden. Manson nannte einen interessanten Grund für die Gewaltbereitschaft in den USA. Er ist der Meinung, dass das amerikanische Volk stets von den Medien und Politikern in Angst und Schrecken versetzt. Überall ist eine Bedrohung, in jeder dunklen Ecke lauert ein Farbiger mit einem Messer, irgendwo bereitet gerade ein Terrorist einen Anschlag vor. Obwohl die Kriminalität in den USA kontinuierlich gesunken ist, hat die Berichterstattung von Gewaltverbrechen in den letzten Jahren um 600 % zugenommen. Ein völliger Gegensatz. Wenn ein Politiker vor Gewalt warnt, steigt sprungartig der Kauf von Waffen o.ä. an. Die Medien und die Politik hat das Amerikanische Volk mittlerweile so weit gebracht, dass es nichts mehr begründen muss. Demonstrativ wird eine Pressekonferenz von George Bush eingeblendet, in der er verkündet, dass „der Geheimdienst vor Anschlägen warnt!“ Dieser Geheimdienst „hat schon des öfteren vor Terror gewarnt und deshalb muss die Drohung ernst genommen werden!“ Mehr muss das Volk nicht wissen, es soll nun in die Geschäfte und Waffen kaufen. Und das tut es leider auch.
Um dies an einem aktuellen Beispiel zu verdeutlichen: Vor wenigen Wochen hat die Regierung und Handbuch an die Bürger verteilt, welches das Verhalten bei Terroranschlägen erklärt. Die Amerikaner strömten in die Geschäfte, machten Hamsterkäufe, bauten ihre Keller zu Bunkern aus und bewaffneten sich. Richtig paranoid – man könnte meinen, der Irak marschiert in die USA ein, nicht umgekehrt.
Eine bewegende Szene war auch die, in der es um bewaffnete Interventionen der USA geht. Man könnte meinen, das Land ist nur mit der Herstellung von Waffen beschäftigt, sowie deren Verwendung. Dieser Ausschnitt war wohl einer derer, bei denen ich am meisten den Kopf schütteln musste. Im Grunde ganz einfach: Im Hintergrund Louis Armstongs „Wonderful World“ und dazu Bilder von Diktatoren und Opfern. Im 20. Jahrhundert haben die Amerikaner Dutzende diktatorische Regimes unterstützt, und indirekt oder sogar teilweise direkt Zivilisten getötet. Die Opfer der Taliban, Saddam Husseins, Pinochets oder des Shah gehen in die Millionen. Nicht zu vergessen die Tausende Zivilisten, die im Vietnam-Krieg von amerikanischen Bomben zerfetzt wurden. Keine Reue von der Weltpolizei USA, die mehrere demokratisch gewählte Staatsoberhäupter abgesetzt oder ermordet hat. Eine Schande, mit denen sich manche anscheinend noch rühmen. Doch ist diese staatliche Brutalität der Grund für die vielen Todesopfer in den USA?
Moore schaut sich die anderen Länder mal an. Deutschland hat eine noch brutalere Geschichte, wie die USA, aber trotzdem „nur“ knapp 350 Schusswaffenopfer im Jahr. In Kanada besitzt auch fast jeder Haushalt eine Waffe, es sterben aber nur etwa 150 Menschen. In Japan gibt es die meisten brutalen Videospiele, aber nicht mal 70 Tote pro Jahr. Und in den USA? Da sterben jedes Jahr im Schnitt 11.000 (!) Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen!
Um Mansons These der Angst durch Medien und Politik zu überprüfen, besucht Moore Kanada, den direkten Nachbarn der USA, der nicht wirklich anders ist, als das Land der Mutigen und der Freien selbst. Was ist so anders bei den Kanadiern, dass sie sich nicht gegenseitig umbringen?
Nun, Moore geht nicht zu der intellektuellen Elite Kanadas. Im Gegenteil: Seine ersten Interviewpartner sind drei Schüler, welche gerade blau machen. Sie unterscheiden sich kaum von amerikanischen Schülern. Dann geht er in eine Kneipe und befragt irgendwelche Gäste. Er fragt, ob sie sich an einen Mord in ihrer Stadt erinnern können. Die Leute denken nach, und können sich vielleicht an einen Mord in 10 oder 20 Jahren erinnern. Doch fast alle besitzen sie Waffen daheim. Noch verblüffender: Die Kanadier schließen nie ihre Haustür ab. Moore testet es, und dies bestätigt sich sogar in der Großstadt. Die Kanadier halten es nicht für nötig, abzuschließen, weil die Kriminalität sehr niedrig ist. So etwas könnte ich mir nie vorstellen.
Dann sieht sich Moore die kanadischen Medien und die Politiker darin an. Worüber reden sie? Sie diskutieren über soziale Probleme, Alters- und Krankenversorgung oder die Arbeitslosigkeit. Kein Wort fällt über Mörder, Verbrecher, Terroristen oder ähnliches. Keine Zeitung, kein Radio- oder Fernsehsender versucht die Kanadiern in Panik zu versetzen. Sie berichten über die Dinge, die das Land tatsächlich beschäftigen, nicht über scheinbare Probleme, die nicht wirklich existieren. Ist das der Unterschied zwischen Amerikanern und Kanadiern? Wird das kanadische Volk, im Gegensatz zum amerikanischen nicht zu ängstlichen Lemmingen erzogen? Es scheint fast schon zu einfach.
*°*°* Conclusion *°*°*
Komplett richtig ist die Schlussfolgerung von Moore auf jeden Fall: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wer sich bewaffnet, weil er Angst hat, könnte damit mehr Schaden anrichten, als es Nutzen bringen würde. Dies zeigt auch ein spaßiger Zeichentrickfilm, welcher reingeschnitten wurde. Die „Weißen“ hatten ständig Angst und Panik vor jeder vermeintlichen Gefahr, weshalb sie des öfteren über das Ziel hinaus schießen.
Doch ich frage mich ein wenig, was das mit Littleton zu tun hat? Nicht wirklich viel, finde ich. Ich glaube eher, diese Schüler waren zum einen psychisch stark angeschlagen und sie wurden vernachlässigt. Wie der Southpark-Macher korrekt sagt: „Man hätte ihnen einfach mal zuhören sollen!“ Hierauf legte Moore etwas zu wenig Wert. Ich denke, die „üblichen“ (makaber, ich weiss) Schusswaffenopfer haben nicht viel mit Opfern aus Amokläufen zu tun. Dies hat Moore ein wenig zu sehr in einen Topf geschmissen.
Auch die Sache mit der erschossenen 6-jährigen war meines Erachtens schon ein wenig zu „sozialistisch“. Um den Jungen, der das Mädchen erschossen hatte, handelte es sich um einen Jungen, der von seiner Mutter vernachlässigt wurde, weil diese ca. 16 Stunden am Tag arbeiten musste. Eine Sozialhilfeempfängerin, die für ihr Geld arbeiten muss. Das finde ich im Grunde korrekt. Klar, es ist vielleicht nicht optimal, auch Alleinerziehende zu einem Vollzeitjob zu zwingen, aber Moore hat zu sehr auf diesem sinnvollen System herumgehackt. Dass der Junge unbemerkt an die Waffe seines Onkels gekommen ist, welche er womöglich für ein Spielzeug gehalten hat, wurde nur nebenbei bemerkt. Dieser Unfall wäre sicher auch passiert, wenn die Mutter mehr Zeit für ihr Kind gehabt hätte.
Auch muss ich sagen, dass ich an der Szene mit der Militär-Intervention zu meckern habe. So beeindruckend es auch war, und so sehr ich einen Kloß im Hals hatte, ich kann es nicht unbemerkt lassen, dass Moore sich vom Film „Good Morning Vietnam“ hat inspirieren lassen. Im Grunde kam da die selbe Szene vor. Wieder untermalt von Louis Armstrong, wurde in „Good Morning Vietnam“ gezeigt, wie amerikanische Bomben vietnamesische Dörfer zerstören. Die Ähnlichkeit war unverkennbar. Aber das finde ich nicht weiter tragisch, denn ihre Wirkung hat die Szene nicht verfehlt.
*°*°* The Fazit *°*°*
Auch wenn Moore ein wenig am Thema des Columbine-Massaker vorbeifilmt, den Film fand ich praktisch genial. Nun, vielleicht war dieses „vorbeifilmen“ ja beabsichtigt, denn im Grunde geht es um Gewalt in den USA allgemein. Auf jeden Fall hat mich der Film so sehr begeistert, dass ich ihn mir gleich zweimal angesehen habe. Leider läuft er nur eher in kleineren Programmkinos, konnte aber doch knapp 1 Millionen Zuschauer in Deutschland anlocken. Für einen Dokumentarfilm ist das phänomenal. Ich habe es auf keinen Fall bereut, wenn ich auch fasziniert und erschüttert zugleich bin. Selten musste ich in einem Film so oft ungläubig den Kopf schütteln...
Bowling for Columbine – einer der wenigen Dokumentationen, die ins Kino kommen! Nun, es ist nicht direkt eine Dokumentation, aber der Film zeigt alle Züge davon auf. Bowling for Columbine ist eine perfekte Mischung aus Information und Unterhaltung, welche sogar einen Preis in Cannes gewonnen hat! Und dies zurecht. Für mich, als Pseudo-Gesellschaftskritiker war der Film ein Muss, seit ich das erste mal davon gehört hatte. So kam es dann, dass ich ihn gleich zwei mal hintereinander gesehen habe, und ich würde es mir noch ein drittes Mal ansehen, ohne groß darüber nachzudenken. Auch habe ich mir kurz darauf Moores Buch „Stupid white men“ gekauft! Wie man sieht, bin ich auf den Kommerz-Trick voll reingefallen, aber ich bereue nichts!
*°*°* Michael Moore *°*°*
Michael Moore – dieser Name hat in den letzten Monaten an Bedeutung gewonnen! An Bedeutung, in einer Stimmung, welche zunehmend antiamerikanischer wird. Dabei ist Moore kein Anti-Amerikaner. Nein, im Gegenteil! Er ist ein Amerikaner mit Leib und Seele! Er liebt sein Land über alles, mit all seinen Macken und Fehlern. In dieser Hinsicht wurde Moore oft missverstanden. Gerade deswegen kritisiert Moore viele Missstände in seinem Land, nicht weil er es hasst, sondern weil er es liebt! Weil er darauf zeigen will und sagt: „Es ist nicht okay, wenn Kinder sich erschießen, wenn unsere Mordrate 100 mal so hoch ist, wie in anderen Ländern und wenn Leute mit Waffen umgehen, wie mit Spielzeug!“ Moore ist kein Skandalreporter! Er ist ein Idealist wie es sie selten gibt in den USA! Jemand, der sein Land liebt UND es kritisiert! Viele Amerikaner, die ihr Land lieben, fressen ja wirklich alles, was man ihnen vorwirft, doch Moore zeigt auf, dass es auch anders geht. Nämlich, dass man sein Land verbessern kann, gerade weil man die Missstände darin anprangert! Leider auch ein Grund, warum er nicht überall gerne gesehen ist...
Ansonsten sieht Michael Moore recht gewöhnlich aus. Groß, dick, mit schlabberiger Jeans und Baseball-Kappe schreitet er durch den Film und hält den Amerikanern den Spiegel vor. 1954 wurde er in Flint im Staat Michigan geboren, eine triste Stadt, welche laut Angaben der Einwohner Psychopathen hervorbringt. Moore stattdessen widmet seinen Geist dem Journalismus und gründet sogar eine eigene alternative Zeitung –„The Flint Voice“. Tatsächlich ist Moore so etwas wie ein amerikanischer Grüner und unterstützt diese dort schwach vertretene politische Richtung. 1989 wurde er mit seinem Dokumentarfilm „Roger & Me“ – der erfolgreichste Dokumentarfilm aller Zeiten - auf einen Schlag bekannt und ist als Satiriker und Gesellschaftskritiker nicht mehr wegzudenken. Derzeit arbeitet er noch an einer filmischen Adaption von „Stupid white men“, welche eine Abrechnung mit der Bush-Regierung darstellen soll. Taktisch sinnvoll soll diese noch vor der Präsidentschaftswahl in die Kinos kommen. Wenn man sich die Verkaufszahlen des Buches so ansieht, kann könnte sich dies auf interessante Weise auf die Wahl auswirken.
Wenn man es so will, ist er so etwas wie der Protagonist von „Bowling for Columbine“, wobei dies bei einer Dokumentation nicht so einfach zu bestimmen ist. Viel eher ist die Gesellschaft der „Protagonist“, Moore zeigt fungiert nur als Spiegel-Vorhalter.
*°*°* Der Inhalt *°*°*
Wie soll ich bei einer Dokumentation den Inhalt zusammenfassen? Im Grunde ist dies fast schwachsinnig, weil es keine wirkliche zusammenhängende Story ist. Viel eher wurden Fakten, Filmausschnitte und Interviews in mehr oder weniger logischer Reihenfolge zusammengeschnitten. Ich werde hier also nicht konkret die Story wiedergeben, sondern nur beschreiben, worum es geht.
Im Grunde dreht sich alles um das Massaker an der Columbine-Highschool in Littelton, welches sich am 20. April 1999 ereignete. Damals drangen zwei schwer bewaffnete Schüler in die Highschool ein, und schossen quasi wahllos auf Lehrer und Schüler. Der 17-jährige Eric Harris und sein 18-jähriger Freund Dylan Klebold brachten 12 Schüler, sowie einen Lehrer um. Weitere 23 Personen trugen schwere Verletzungen davon. Angesichts der Tatsache, dass die beiden Amokläufer 900 (!) Kugeln verschossen, ettliche Bomben sowie Molotow-Cocktails zündeten, ist die Anzahl der Opfer makabrer Weise noch gering.
Zuletzt richteten sich die beiden Amokläufer selbst.
Was genau in ihnen vorging, wusste keiner. Große Diskussionen wurden ausgelöst. Wer oder was war schuld? Die Medien? PC-Spiele? Die Eltern? Jeder wusste eine Patentlösung, jeder dachte, er hätte es verhindern können. Doch Michael Moore zweifelt an den einfachen Lösungen. Er befragt zahlreiche Leute nach ihren Meinungen, schaut sich mehrere Städte in den USA an und nimmt insbesondere die NRA – in der auch er Mitglied ist – unter die Lupe. Diese hat nämlich die seltsame Angewohnheit, nach Tragödien durch Waffenmissbrauch in die entsprechenden Städte zu ziehen und Pro-Waffen Kundgebungen zu starten.
Des öfteren weicht Moore vom eigentlichen Thema ab, wenn auch nur ein wenig. Gelegentlich waren bestimmte Fakten so interessant, dass er es einfach musste. Moore versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Er will zumindest versuchen, die Gründe für die hohe Gewaltbereitschaft in den USA zu finden. War es nur das Werk zweier depressiver und kranker Einzeltäter, oder gibt es in der amerikanischen Gesellschaft Millionen tickender Zeitbomben?
*°*°* Die Analyse *°*°*
Ich werde nicht jede Szene einzeln vorstellen und schon gar nicht in der korrekten Reihenfolge, wie sie im Film vorkamen. Ich habe mir eine Reihe von Szenen herausgepickt, die ich für wichtig halte, bzw. an denen ich etwas zu meckern habe. Worum es in dem Film geht, sollte ja nun bekannt sein.
Aber er fängt schon makaber an. Der Sprecher verkündet voller Ironie: „Der Morgen des 20. April 1999 war so ziemlich wie jeder andere Morgen in Amerika. Der Farmer ging auf die Felder, der Milchmann lieferte die Milch aus. Der Präsident bombardierte mal wieder ein Land, dessen Namen wir nicht aussprechen konnten.“ Und, ach ja, die Amokläufer von Littleton gingen zum Bowling. Ein typischer Tag in Amerika, ein Tag über den ich nur den Kopf schütteln kann.
Aber die Ironie, die traurigerweise wahr ist, ebbt nicht schon am Anfang ab. In der nächsten Szene will Moore ein Konto in einer Bank eröffnen. Naja, es ist keine Bank wie jede andere. Neben Girokontos und Sparbüchern kann man dort auch noch Waffen kaufen, und erhält für eine Kontoeröffnung ein Gratisgewehr. Dies auch noch mitten in der Bank!
Dann besucht er eine kleine Stadt in den USA, in der die Bürger nicht nur das Recht haben, eine Waffe zu tragen, nein, es ist deren Pflicht! Wer keine Waffe trägt, gilt als unverantwortlich. Völliger Unsinn, denn Statistiken sagen aus, dass amerikanische Waffenbesitzer mit zweiundzwanzig mal so hoher Wahrscheinlichkeit Verletzungen durch Schusswaffen erleiden, als Leute, die keine Waffe besitzen.
Aber auch die NRA (National Rifle Assotiation) unter Vorsitz von Charlton Heston (ja, der Schauspieler) ist keinen Deut besser. Einige Zeit nach dem Littleton-Massaker hielt die NRA eine große Kundgebung in genau dieser Stadt ab. Von Bitten des Bürgermeisters und der Einwohner ließen sich die Waffen-Fanatiker nicht abhalten, viel eher verhöhnten sie diese noch. Zeitgleich fand eine Gegendemonstration der Bürger statt. Der Vater eines Opfers hielt eine herzzerreißende Rede über den Amoklauf und seine Auswirkungen. Ich frage mich ernsthaft: Wie pietätlos kann man sein, die Bürger einer gewaltgeplagten Stadt quasi mit Füßen zu treten und ihnen noch Salz in die Wunden zu streuen? Waffen haben ihnen so viel Leid bereitet, wie kann man noch in diese Stadt hingehen und die Vorzüge der Todesmaschinen preisen?
Ebenfalls hier die NRA eine Kundgebung in einer Stadt ab, in der ein 6-jähriges Mädchen von einem 6-jährigen (!) Jungen erschossen wurde. Der jüngste Todesschütze in den USA. Moore, der auch NRA-Mitglied ist, stattet darauf Charlton Heston einen Besuch ab. Er fragt ihn konkret, warum seiner Meinung nach jedes Jahr 11.000 Amerikaner durch Schusswaffen sterben. Hestons Argumentation ist der von Moore unterlegen. Er deutet immer wieder auf die gewalttätige Geschichte der USA hin. Doch ist die Todesrate in Deutschland, Russland oder Großbritannien viel geringer, die eine nicht minder brutale Geschichte haben? Hestons weiss keine Antwort. Doch Moore reicht das nicht. Er fragt Heston, warum er nach dem Unglück mit den beiden 6-jährigen eine Kundgebung in deren Heimatstadt gab. Angeblich wusste die NRA nichts von dem Unglück. Sehr unglaubwürdig, wie auch Moore findet. Heston ist langsam am Ende mit seinen Nerven und bittet Moore zu gehen.
Viel eher verlässt Heston das Zimmer und flüchtet quasi vor Moore. Dieser geht ihm hinterher und will ihm ein Foto der ermordeten 6-jährigen zeigen. Heston dreht sich kurz um, doch geht dann entnervt weiter. Moore stellt das Foto an einer Säule von Hestons Luxusvilla ab, und geht dann schließlich. Diese Szene hat mich am meisten beeindruckt.
Doch Moore sieht die NRA nicht als Hauptgrund für die vielen Todesopfer in den USA an. Sie ist eher das Produkt dessen, was die Waffenverliebtheit der USA erzeugt. Moore blendet die Meinung mehrerer selbsternannter Experten ein, welche sich nach dem Columbine-Massaker zu Wort meldeten. Verschiedene Gründe wurden für dieses genannt: Heavy-Metal, brutale Computer-Spiele und vor allem „Schockrocker“ Marylin Manson. Grund genug, diesem gleich einen Besuch abzustatten und die Wurzel allen Übels mal unter die Lupe zu nehmen.
Ein interessantes Gespräch entwickelt sich zwischen den Beiden. Manson nannte einen interessanten Grund für die Gewaltbereitschaft in den USA. Er ist der Meinung, dass das amerikanische Volk stets von den Medien und Politikern in Angst und Schrecken versetzt. Überall ist eine Bedrohung, in jeder dunklen Ecke lauert ein Farbiger mit einem Messer, irgendwo bereitet gerade ein Terrorist einen Anschlag vor. Obwohl die Kriminalität in den USA kontinuierlich gesunken ist, hat die Berichterstattung von Gewaltverbrechen in den letzten Jahren um 600 % zugenommen. Ein völliger Gegensatz. Wenn ein Politiker vor Gewalt warnt, steigt sprungartig der Kauf von Waffen o.ä. an. Die Medien und die Politik hat das Amerikanische Volk mittlerweile so weit gebracht, dass es nichts mehr begründen muss. Demonstrativ wird eine Pressekonferenz von George Bush eingeblendet, in der er verkündet, dass „der Geheimdienst vor Anschlägen warnt!“ Dieser Geheimdienst „hat schon des öfteren vor Terror gewarnt und deshalb muss die Drohung ernst genommen werden!“ Mehr muss das Volk nicht wissen, es soll nun in die Geschäfte und Waffen kaufen. Und das tut es leider auch.
Um dies an einem aktuellen Beispiel zu verdeutlichen: Vor wenigen Wochen hat die Regierung und Handbuch an die Bürger verteilt, welches das Verhalten bei Terroranschlägen erklärt. Die Amerikaner strömten in die Geschäfte, machten Hamsterkäufe, bauten ihre Keller zu Bunkern aus und bewaffneten sich. Richtig paranoid – man könnte meinen, der Irak marschiert in die USA ein, nicht umgekehrt.
Eine bewegende Szene war auch die, in der es um bewaffnete Interventionen der USA geht. Man könnte meinen, das Land ist nur mit der Herstellung von Waffen beschäftigt, sowie deren Verwendung. Dieser Ausschnitt war wohl einer derer, bei denen ich am meisten den Kopf schütteln musste. Im Grunde ganz einfach: Im Hintergrund Louis Armstongs „Wonderful World“ und dazu Bilder von Diktatoren und Opfern. Im 20. Jahrhundert haben die Amerikaner Dutzende diktatorische Regimes unterstützt, und indirekt oder sogar teilweise direkt Zivilisten getötet. Die Opfer der Taliban, Saddam Husseins, Pinochets oder des Shah gehen in die Millionen. Nicht zu vergessen die Tausende Zivilisten, die im Vietnam-Krieg von amerikanischen Bomben zerfetzt wurden. Keine Reue von der Weltpolizei USA, die mehrere demokratisch gewählte Staatsoberhäupter abgesetzt oder ermordet hat. Eine Schande, mit denen sich manche anscheinend noch rühmen. Doch ist diese staatliche Brutalität der Grund für die vielen Todesopfer in den USA?
Moore schaut sich die anderen Länder mal an. Deutschland hat eine noch brutalere Geschichte, wie die USA, aber trotzdem „nur“ knapp 350 Schusswaffenopfer im Jahr. In Kanada besitzt auch fast jeder Haushalt eine Waffe, es sterben aber nur etwa 150 Menschen. In Japan gibt es die meisten brutalen Videospiele, aber nicht mal 70 Tote pro Jahr. Und in den USA? Da sterben jedes Jahr im Schnitt 11.000 (!) Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen!
Um Mansons These der Angst durch Medien und Politik zu überprüfen, besucht Moore Kanada, den direkten Nachbarn der USA, der nicht wirklich anders ist, als das Land der Mutigen und der Freien selbst. Was ist so anders bei den Kanadiern, dass sie sich nicht gegenseitig umbringen?
Nun, Moore geht nicht zu der intellektuellen Elite Kanadas. Im Gegenteil: Seine ersten Interviewpartner sind drei Schüler, welche gerade blau machen. Sie unterscheiden sich kaum von amerikanischen Schülern. Dann geht er in eine Kneipe und befragt irgendwelche Gäste. Er fragt, ob sie sich an einen Mord in ihrer Stadt erinnern können. Die Leute denken nach, und können sich vielleicht an einen Mord in 10 oder 20 Jahren erinnern. Doch fast alle besitzen sie Waffen daheim. Noch verblüffender: Die Kanadier schließen nie ihre Haustür ab. Moore testet es, und dies bestätigt sich sogar in der Großstadt. Die Kanadier halten es nicht für nötig, abzuschließen, weil die Kriminalität sehr niedrig ist. So etwas könnte ich mir nie vorstellen.
Dann sieht sich Moore die kanadischen Medien und die Politiker darin an. Worüber reden sie? Sie diskutieren über soziale Probleme, Alters- und Krankenversorgung oder die Arbeitslosigkeit. Kein Wort fällt über Mörder, Verbrecher, Terroristen oder ähnliches. Keine Zeitung, kein Radio- oder Fernsehsender versucht die Kanadiern in Panik zu versetzen. Sie berichten über die Dinge, die das Land tatsächlich beschäftigen, nicht über scheinbare Probleme, die nicht wirklich existieren. Ist das der Unterschied zwischen Amerikanern und Kanadiern? Wird das kanadische Volk, im Gegensatz zum amerikanischen nicht zu ängstlichen Lemmingen erzogen? Es scheint fast schon zu einfach.
*°*°* Conclusion *°*°*
Komplett richtig ist die Schlussfolgerung von Moore auf jeden Fall: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wer sich bewaffnet, weil er Angst hat, könnte damit mehr Schaden anrichten, als es Nutzen bringen würde. Dies zeigt auch ein spaßiger Zeichentrickfilm, welcher reingeschnitten wurde. Die „Weißen“ hatten ständig Angst und Panik vor jeder vermeintlichen Gefahr, weshalb sie des öfteren über das Ziel hinaus schießen.
Doch ich frage mich ein wenig, was das mit Littleton zu tun hat? Nicht wirklich viel, finde ich. Ich glaube eher, diese Schüler waren zum einen psychisch stark angeschlagen und sie wurden vernachlässigt. Wie der Southpark-Macher korrekt sagt: „Man hätte ihnen einfach mal zuhören sollen!“ Hierauf legte Moore etwas zu wenig Wert. Ich denke, die „üblichen“ (makaber, ich weiss) Schusswaffenopfer haben nicht viel mit Opfern aus Amokläufen zu tun. Dies hat Moore ein wenig zu sehr in einen Topf geschmissen.
Auch die Sache mit der erschossenen 6-jährigen war meines Erachtens schon ein wenig zu „sozialistisch“. Um den Jungen, der das Mädchen erschossen hatte, handelte es sich um einen Jungen, der von seiner Mutter vernachlässigt wurde, weil diese ca. 16 Stunden am Tag arbeiten musste. Eine Sozialhilfeempfängerin, die für ihr Geld arbeiten muss. Das finde ich im Grunde korrekt. Klar, es ist vielleicht nicht optimal, auch Alleinerziehende zu einem Vollzeitjob zu zwingen, aber Moore hat zu sehr auf diesem sinnvollen System herumgehackt. Dass der Junge unbemerkt an die Waffe seines Onkels gekommen ist, welche er womöglich für ein Spielzeug gehalten hat, wurde nur nebenbei bemerkt. Dieser Unfall wäre sicher auch passiert, wenn die Mutter mehr Zeit für ihr Kind gehabt hätte.
Auch muss ich sagen, dass ich an der Szene mit der Militär-Intervention zu meckern habe. So beeindruckend es auch war, und so sehr ich einen Kloß im Hals hatte, ich kann es nicht unbemerkt lassen, dass Moore sich vom Film „Good Morning Vietnam“ hat inspirieren lassen. Im Grunde kam da die selbe Szene vor. Wieder untermalt von Louis Armstrong, wurde in „Good Morning Vietnam“ gezeigt, wie amerikanische Bomben vietnamesische Dörfer zerstören. Die Ähnlichkeit war unverkennbar. Aber das finde ich nicht weiter tragisch, denn ihre Wirkung hat die Szene nicht verfehlt.
*°*°* The Fazit *°*°*
Auch wenn Moore ein wenig am Thema des Columbine-Massaker vorbeifilmt, den Film fand ich praktisch genial. Nun, vielleicht war dieses „vorbeifilmen“ ja beabsichtigt, denn im Grunde geht es um Gewalt in den USA allgemein. Auf jeden Fall hat mich der Film so sehr begeistert, dass ich ihn mir gleich zweimal angesehen habe. Leider läuft er nur eher in kleineren Programmkinos, konnte aber doch knapp 1 Millionen Zuschauer in Deutschland anlocken. Für einen Dokumentarfilm ist das phänomenal. Ich habe es auf keinen Fall bereut, wenn ich auch fasziniert und erschüttert zugleich bin. Selten musste ich in einem Film so oft ungläubig den Kopf schütteln...
64 Bewertungen, 1 Kommentar
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09.04.2006, 20:46 Uhr von schnekuesschen
Bewertung: sehr hilfreichKlasse Bericht...lG Sandy :-)))
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