Viele machen es aber keiner will es zugeben. Der Handel mit Kundendaten, nicht nur von Internetfirmen, ist wohl weit verbreitet und setzt eine Menge Geld um.
Jeder kennt es: Um sich bei einer Firma registrieren zu lassen oder etwas zu kaufen muß man persönliche Angaben, zumindest Adresse, E – Mail oder Telefonnummer, machen. Die anschließenden Werbebriefe oder E - Mails hat wahrscheinlich jeder schon erlebt. Umso ehrlicher erscheint mir das Angebot von ifay.de. Wer hier über Fragebögen persönliche Angaben macht, dessen Adresse wird zum Kauf angeboten. An den Erlösen wird der Kunde mit 40% beteiligt. Positiv ist auch, daß man über E- Mail informiert wird, welche Firma die Adresse erworben hat. Eine Garantie über die Richtigkeit der Angaben hat man natürlich nicht.
Ifay ist nun schon vor einigen Monaten gestartet, aber bis jetzt ist noch nicht viel passiert (mein Kontostand einige magere Euro, die noch nicht einmal für eine Auszahlung reichen). Es scheint, daß dieses Geschäft auch in der Zukunft nicht florieren wird, reich werden kann man damit sicherlich auch nicht. Insgesamt bin ich also eher skeptisch, vielleicht will man ja nur Leute anlocken.
Also, für alle die mit Werbung leben können, könnte es vielleicht ein kleines Zubrot werden. Anmeldung unter www.ifay.de, eine Menge Fragebögen beantworten (bei jeder Angabe hat man die Entscheidung: Verkaufen oder nicht verkaufen) und auf baldige Überweisung hoffen.
ein Testbericht von Gemeinwesen2006-10-18 16:25:18vom 18.10.2006Empfehlung: ja
Vorteile: Eine nette Idee ......Nachteile/Kritik: ... die man offensichtlich in den Sand gesetzt hat. Schade aber auch. Was besonders bedauerlich ist: Das Nachsehen hatte auch mal wieder König Kunde.
Internetjahre zählen ja ähnlich wie Hundejahre. Als ifay.de an den Start ging, war das Web ... ja, was? Noch lange nicht das Web 2.0. Wahrscheinlich noch nicht mal das Web 1.0. ebay.de hatte noch vor kurzem alando.de geheißen, und dass telebuch.de seinen Kundenstamm inklusive kompletter Adressdaten ziemlich klammheimlich an einen Anbieter namens Amazon verkauft hatte, war auch noch gar nicht so lange her.
Viele Menschen glaubten, dass das World Wide Web als Handelsplattform den stationären Handel in absehbarer Zeit ablösen würde. Solche Menschen mieteten Domainadressen, nannten ihre im Cyberspace residierende Firma boo.com und scheiterten glorios mit dem Versuch, Otto Normalklamottenkäufer die Vorteile des Bekleidungskaufs per Versandhandel schmackhaft zu machen (die Betreiber, so steht’s auf ihrer Website zu lesen, planen aber offenbar das Comeback – ich bin gespannt, denn ansprechend gestaltet war boo.com damals ja allemal).
So genannte Meinungsplattformen zahlten registrierten Mitgliedern zwischen 2 und 5 DM für das Verfassen weniger Worte langer Online-Postings. Wann immer die von einem anderen registrierten Mitglied angeschaut wurden, wanderten weitere 10 Pfennige aufs Mitgliederkonto – ganz gleich, ob jemand den Schrieb nun hilfreich fand oder nicht. Jeder Beitrag zählte außerdem als eine Art Los, mit dem man an der allmonatlichen Ausspielung eines nicht näher bezifferten Jackpots teilnahm. Heißa, das waren noch Zeiten!
Wer schlau war, verkaufte nicht länger in der Fußgängerzone Blumenpostkarten und Drucke von Rosina Wachtmeister, sondern dachte sich einen wohlklingenden Namen mit vielen „A“s und „O“s aus, steckte flugs den dazu passenden Domain-Claim ab und beauftragte Nichten und Neffen damit, ihnen unter Zuhilfenahme von 0815-HTML-Frontend-Design-Programmen einen lustig bunten Online-Bauchladen zusammenzufrickeln.
Danach mussten Onkels und Tanten sich nur noch zurücklehnen und darauf warten, dass die Online-Einnahmen die Kasse kräftig zum Klingeln brachten. Einige wurden reich, andere werden gerade jetzt noch reicher – und der Rest wartet wahrscheinlich noch immer auf den Ausbruch des persönlichen Wohlstandes.
Wenig später holte die Wirklichkeit auch das Onlineland ein. Es wurde offensichtlich, dass auch die so genannten Heavy User unter den Netz-Nomaden nur eine begrenzte Anzahl von Onlineshops goutierte, die ihnen Blumenpostkarten und Drucke von Rosina Wachtmeister verkaufte. Die Anbieter mit den größten Werbebudgets und den besten Geschäftsideen teilten den Online-Schürfgrund unter sich auf, und der Rest sah, wenn er schlau war, einfach mal nach, ob der angestammte Platz in der Fußgängerzone noch frei war.
Irgendwann dazwischen kam wer auf einen Gedanken, der ihm damals gut genug erschienen ist, um den Domainnamen ifay.de zu reservieren und unter dem Namen eine Art Kreuzung zwischen Online-Meinungsforschungsinstitut und Adresshandel zu betreiben. Der zugrunde liegende Gedanke war ja nicht einmal abwegig. Ob er neu war, weiß ich nicht. Offenbar war er aber nicht gut genug, um den Inhabern der Domain zu einem sorgenfreien Vorruhestand unter südlicher Sonne zu verhelfen. Ich vermute das jedenfalls, denn das fragliche Online-Angebot ist längst Geschichte, und die Domain ifay.de steht mittlerweile wieder zum Verkauf.
Gedacht war ifay.de so: Nutzer registrieren sich, legen ein Profil an und nehmen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen an Umfragen teil. Das Ausfüllen der Fragebögen wird vergütet, und bei Erreichen einer bestimmten Summe kann der Nutzer
sich die erzielten Vergütungen aufs eigene Girokonto überweisen lassen. Und woher wäre das ganze schöne Geld gekommen? Natürlich von den Kunden von ifay.de aus handel und Industrie. Genauer gesagt: Von Unternehmen, die gern ein bisschen besser Bescheid wissen, wer sich für ihre Waren oder Dienstleistungen interessieren könnte, bevor sie Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher auf Verdacht und Geratewohl ihre teuren Flyer, Kataloge und anderes Papier in den Briefkasten stopfen.
Ich habe mich seinerzeit, lang ist’s her, auch bei ifay registriert. Ich habe sogar an ein paar Umfragen teilgenommen, und ein, zwei Mal sind mir sogar Vergütungen auf meinem Online-Konto gutgeschrieben worden. Wenn ich mich recht erinnere, betrug die Höhe der Gesamtsumme auch nach Jahr und Tag ungefähr 60 Cent (mittlerweile bezahlte man Blumenpostkarten, Drucke von Rosina Wachtmeister und andere Güter des täglichen Bedarfs nicht mehr mit DM, sondern mit dem Euro). Das Ende vom Lied: Eine Auszahlung habe ich von ifay.de nie erhalten, und wahrscheinlich stehe ich mit dieser Erfahrung nicht allein da.
Was mit meinen Daten geschehen ist? Ich habe keine Ahnung.
Lange Zeit tat sich auf der Website ifay.de nichts mehr, auf das Erscheinen neuer Fragebögen in meinem Nutzerkonto wartete ich vergeblich, und irgendwann gab es ifay.de nicht mehr – ein Schicksal, das ifay.de nicht nur mit der Site talk-on.de teilt, die ein paar ehemalige Ciao.com-Mitarbeiter eine Weile lang betrieben und die dann, ebenfalls sang- und klanglos, eines Tages plötzlich Geschichte war – Beiträge von Mitgliedern, avisierte und nie ausgezahlte Vergütungen und Mitgliedsdaten inklusive.
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