Sunset Boulevard
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Sunset Boulevard gebraucht & neu

Sunset Boulevard Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Musical-World

Webbers Diven: Barbra Streisand, Patti LuPone, Glenn Close, Diahnan Carrol und Helen Schneider

ein Testbericht von 2002-04-14 10:02:49 vom 14.04.2002
Empfehlung: ja
Sir Andrew Lloyd Webbers Meisterwerk "Sunset Blvd." nach dem Stummfilmklassiker ging bereits um die ganze Welt - 4 CD-Einspielungen verdeutlichen diese Reise:


1. ENGLAND:

Original Cast CD mit Patti LuPone, Kevin Anderson, Daniel Benzali, Meredith Braun
Gesamtaufnahme der Weltpremiere in London (2CD)
Musik: Andrew Lloyd Webber
Texte: Don Black, Christopher Hampton
1. Akt: 51 min, 48 sec
2. Akt: 44 min, 04 sec
Really Useful Records 1993

Für mich zählt "Sunset Blvd." zu einem der reifsten Werke von Andrew Lloyd Webber. Das Musical basiert auf dem berühmten Billy Wilder Film mit Gloria Swanson, in der die alternde Stummfilmdiva Norma Desmond, die den Sprung zum Tonfilm nicht zuletzt wegen ihres Alters verpaßt hat, den erfolglosen Drehbuchautor Joe Gillis anheuert, ihr neues Filmsript umzuschreiben. Der abgebrannte Schriftsteller lebt fortan mit dem Butler, der sich als erster Mann Normas entpuppt, und der Diva in der glamurösen Sunset-Villa. Durch ein Mißverständnis glaubt Norma an ihr großes Comeback, während sich Joe auf dem Paramount Filmgelände in die junge Produktionsassistentin Betty Schaefer verliebt. Die eifersüchtige Diva informiert die ahnungslose Frischverliebte vom Nebenjob Joe´s als ihren Gigolo, wonach Joe Betty den Laufpaß gibt. Aber Joe durchkreuzt Normas Triumph, als er auch sie verläßt und sie über ihr fehlgeschlagenes Comeback informiert. Geistig zusammengebrochen zieht Norma ihre Waffe und erschießt ihren Ex-Liebhaber.

Diese phantastische Story verlangt nach exzellenten Darstellern, denn das ganze Stück lebt vom charakterlichen Zusammenspiel der vier Hauptfiguren. Im Theater war die Umsetzung des Stoffes ein visuelles Erlebnis mit Auto-Verfolgugsjagten, geräuschlos auf- und abgleitenden Sunset-Villen und dem grandiosen Set der Filmstudios. Auf CD überzeugt das Musical durch seine balladenlastige Partitur mit opulenten Orchesterarrangements. Die Ohrwürmer "As If We Never Said Goodbye" und "With One Look" wurden im Vorfeld der Produktion erfolgreich auf einem Album von Barbra Streisand promotet. Aber auch der zynische Titelsong sowie der Neujahr-Song "The Perfect Year" gehören schon zu anerkannten Musical-Standarts. Zugegeben, beim allerersten Hören nervten mich noch Songs wie "Let´s Have Lunch" oder "Salome", aber auch diese Stücke erschließen sich dem Hörer nach wiederholtem Abspielen.

Wie bereits erwähnt, prägen die Darsteller den Charakter der Show ungemein. In der Weltpremiere verkörpert die großartige Patti LuPone die Diva Norma Desmond mit kräftiger, aber auch etwas gewöhnungsbedürftiger Stimme. Ihre Interpretation läßt Norma als überheblichen Star erscheinen, der immer alle Fäden in der Hand hält. Selbst ihr inszenierter Selbstmordversuch ist nur berechnetes Kalkül, um den noch zögernden Joe endgültig um den kleinen Finger zu wickeln.
Der Schauspieler Kevin Anderson (bekannt als Partner von Julia Roberts in "Der Feind in meinem Bett" oder als Gegenspieler von Mr. Connery in "Die Wiege der Sonne") singt seinen Part mit einer derartigen Unbeteiligung, daß man zunächst bei den kurzen Dialogpassagen den Eindruck hat, er liest seinen Text völlig gelangweilt vom Blatt ab. Doch gerade diese Gleichgültigkeit gibt dem Charakter die nötige Glaubwürdigkeit. Ein Schuß Zynismus erlaubt ihm dann auch den schnellen Bruch mit Betty Schaefer, die als unschuldiges Schäfchen durch ihre erste wahre Liebe blind im Dunkeln tappt.
Butler, Ex-Ehemann und Alt-Regissuer Max von Mayerling strahlt mit Daniel Benzali die nötige abgeklärte Würde aus.

Das Doppelalbum enthält alle Songs der Show in ihrer Urfassung. Alle nicht aufgezeichneten Dialogpassagen sind mit Regieanweisungen im vollständigen Libretto verzeichnet.

Fazit: Das Charakterstück von Andrew Lloyd Webber in der Urfassung als Gesamtaufnahme ohne Dialoge mit der prägenden exzellenten Erstbesetzung.


2. AMERIKA:

Original Cast CD mit Glenn Close, Alan Campbell, George Hearn, Judy Kuhn
Gesamtaufnahme der amerikanischen Premiere (2CD)
Musik: Andrew Lloyd Webber
Texte: Don Black, Christopher Hampton
1. Akt: 68 min, 36 sec
2. Akt: 53 min, 37 sec
Really Useful Records 1994

Bei der amerikanischen Premiere von "Sunset Boulevard" besetzte Andrew Lloyd Webber die Rolle der Norma Desmond mit der bekannten Schauspielerin Glenn Close. Bei ihrer Interpretation der Stummfilmdiva steht neben eiskalter Autorität ein ungewöhnlich verletzlicher Charakter im Vordergrund. Diese diffizile Mischung läßt bereits sehr früh den instabilen Zustand von Norma erkennen, der sie schließlich völlig in den Wahnsinn treibt. Ihr Selbstmordversuch erscheint in Bezug auf die Verlustangst real. In keiner anderen Version des Stückes weint Norma so herzzerreißend und lacht im nächsten Augenblick bereits wieder vom Wahnsinn gezeichnet.
Vom schauspielerischen Aspekt her ist Frau Close sicherlich eine der überzeugendsten und interessantesten Normas der Welt, was die zahlreichen Dialogpassagen immer wieder eindrucksvoll bestätigen (damit ist diese Aufnahme mit ca. 26 zusätzlichen Minuten verglichen mit der Weltpremieren-Aufnahme die einzig komplette Gesamtaufnahme der Show). Natürlich hat die Sache einen Haken: wirklich gute Schauspieler können meist nicht besonders gut singen - da ist Glenn Close leider keine Ausnahme. Trotz Gesangsunterricht beim Komponisten persönlich bleibt ihre stimmliche Leistung hinter reinen Musicaldarstellerinnen zurück. Ironischerweise wird dem Hörer schnell klar, warum Norma Desmond den Sprung zum Tonfilm nicht geschafft hat und das von ihr geplante Comeback ein Stummfilm sein soll...
Wer das Video zu Andrew Lloyd Webbers 50. Geburtstag sein eigen nennt, kann sich aber von der schier unglaublichen Bühnenpräsenz von Glenn Close überzeugen, so daß ihre Wahl für die amerikanische Version durchaus gerechtfertigt erscheint - in einer möglichen Video- oder Kinofassung wäre sie meiner Meinung nach auch sicherlich die erste Wahl.

Alan Campbell ist ein zielstrebiger Joe Gillis, der zu wissen scheint, worauf er sich bei seinem Einzug in die Villa am Sunset Boulevard eingelassen hat. Gleichgültigkeit ist zynischer Berechnung gewichen, obwohl seine Rechnung am Ende nicht aufgeht. Bei ihm halten sich schauspielerische Perfektion und sichere Gesangstimme, die jedoch einen Kick zu "klassisch" wirkt, die Waage. Manchmal fehlt ihm der nötige "drive", was dazu führt, daß dem lieben Joe bei den Konfrontationen mit Betty und Norma zu früh die Puste ausgeht.
Judy Kuhn überzeugt stimmlich in ihrer Rolle, die sie aber emanzipierter und wesentlich erwachsener angelegt hat.
George Hearn beherrscht als treuer Diener nicht vollkommen die höheren Töne seiner Partitur, erinnert in seinem Orgelspiel aber doch sehr ans Phantom der Oper.

Diese Version besitzt im Vergleich zur Weltpremiere einen neuen Song. Die Ensemblenummer "Every Movie´s A Circus" sollte im ersten Akt die Stimmung nach den ersten Szenen in der düsteren Villa heben und für etwas mehr "Action" auf der Bühne sorgen. Dadurch wurde die "Girl Meets Boy"-Sequenz in ihrem Aufbau verändert (mir gefällt die frühere Fassung besser). Und auch die Finalszene wurde in ihrer Dramatik durch ein gewaltiges Gewitter weiter gesteigert.
Auch hier liegt ein bebildertes Libretto als Booklet der Doppel-CD bei.

Fazit: Die schauspielerisch beste (aber gesanglich enttäuschende) Komplettaufnahme der Show mit allen Dialogszenen, eher als spannendes Hörspiel geeignet.


3. KANADA:

Original Cast CD mit Diahnan Carrol, Rex Smith, Walter Charles, Anita Louise Combe
Highlights der kanadischen Premiere
Musik: Andrew Lloyd Webber
Texte: Don Black, Christopher Hampton
73 min, 20 sec
Really Useful Records 1995

Die kanadische Version des Billy Wilder-Stoffes weist eine interessante Besonderheit auf, denn hier wird die Rolle der Norma Desmond erstmals von einer schwarzen Schauspielerin verkörpert. Bekannt wurde Diahann Carroll durch den "Denver-Clan", in dem sie die Halbschwester von Blake Carrington, eine Nachtclubsängerin, spielte. Sie überrascht den Hörer mit einer ungewohnt gefühlvollen Interpretation ihrer Musicalsongs mit einer sanften Zartheit in der Stimme. Dank dieser Rollenauslegung wird diese Highlights-Einspielung zu einer besonders gefälligen Aufnahme. Obwohl hier erstmals bei der Autoverfolgungsjagd die Reifen quietschen und platzen, fehlt es manchmal an der nötigen Dramatik, die aber durch das Fehlen der wichtigen Dialogpassagen auch nicht wirklich aufkommen kann.

Anderseits ist es Rex Smith als Joe Gillis zu verdanken, daß seine emotionsgeladene Trennung von Betty Schaeffer mit der Reprise des Titelsongs in der Finalsequenz zu der gelungensten Einspielung dieser Szene wird. Anita Louise Combe gibt ihre Betty wieder mit der erfrischenden jugendlichen Unschuld, die diesem Part entspricht und auch Walter Charles als Max überzeugt mit der nötigen Bandbreite in der Stimme.

Fazit: Die akustisch gefälligste Highlights-Einspielung mit einer besonderen (Stimm-)Färbung der Hauptdarstellerin.


4. DEUTSCHLAND:

Original Cast CD mit Helen Schneider, Uwe Kröger, Norbert Lamla, Barbara Wallner
Highlights der der deutschen Premiere
Musik: Andrew Lloyd Webber
Texte: Don Black, Christopher Hampton (deutsch von Michael Kunze)
77 min, 58 sec
Really Useful Records 1996

Die deutsche Originalaufnahme von Andrew Lloyd Webber´s "Sunset Boulevard" als Highlights-Einspielung weist eine erfreulich intelligente deutsche Übersetzung von Michael Kunze auf (daß dies nicht zwingend der Fall sein muß, bewies die holprig unstimmige Übertragung von "Miss Saigon"). Hier wurde nicht einfach blind wortwörtlich das englische Original übersetzt, sondern künstlerisch ansprechend die deutsche Version kreiert (so wurden als "New Ways To Dream" die "Träume aus Licht"). Mit vielen kleinen Spezialeffekten wurde die Handlungsdramatik noch weiter gesteigert: verstärktes Reifenquietschen, grollende Gewitter und erstmals auch das Eintauchen des erschossenen Joe´s ins Schwimmbecken. Und auch das durch einige Zusatzmusiker verstärkte Rhein-Main-Theaterorchester spielt angemessen kraftvoll auf.

Die deutsche Norma wird von der Amerikanerin Helen Schneider gespielt und gesungen. Leider gibt es auch bei dieser Künstlerin die typischen Akzent-Sprachprobleme (Stella schafft es ja selten, Erstbesetzungen mit deutschen Darstellern zu besetzen). Als ich im Dezember 1995 das Stück in Niedernhausen auf der Bühne sah, hatte ich das große Vergnügen, die exzellente Vertretung durch Sue Mathys zu erleben. Natürlich ist Helen Schneider nicht wirklich schlecht, trotzdem gibt es sicherlich einige Hörer, die sich mit ihrer rauchigen Stimme nicht auf Anhieb anfreunden können.
Als Joe Gillis verkörpert Publikumsliebling Uwe Kröger die männliche Hauptrolle. Dem Erstbesetzungs-Jäger ist die Rolle des schleimig-zynischen Gigolo auf den Leib geschrieben und er macht im Gegensatz zur krassen Fehlbesetzung als Biest in Disney´s "Die Schöne und das Biest" eine gute Figur.
Eigentlicher Höhepunkt in der Aufnahme ist jedoch Norbert Lamla als Max von Mayerling, den er durch alle Höhen und Tiefen der Partitur eindrucksvoll verkörpert. Seine Interpretation des Butlers sprach sich schnell bis ans andere Ende der Welt herum, so daß er bei der australischen Premiere des Stückes als erster Deutscher in einer ausländischen Produktion erneut diese Rolle übernehmen durfte.
Barbara Wallner fällt als Betty Schaefer nicht unangenehm auf.

Im beigefügten, bebilderten Booklet sind neben dem Libretto der Highlights auch alle weiteren Dialoge und Songs aus der Show aufgeführt, wodurch sich dem Leser die komplette Handlung erschließt.

Fazit: Bis auf die akzentlastige Hauptdarstellerin eine durchaus gelungene Produktion in sehr guter deutscher Übersetzung.
...
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Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Praetorianerin
Praetorianerin, 14.04.2002
oha ich will auch mal in nen musical, aber fehlt geld und sowas..hm. von daher war dein bericht schon klasse
suppengirl
suppengirl, 14.04.2002
Helen Schneider gibts noch? Lange nichts von ihr gehoumlrt! Gruumlszligle, Suppi
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