Filmkritiken Testbericht

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Erfahrungsbericht von J683

*Sophie Scholl - Die letzten Tage*

Pro:

Schauspieler, frische Aufbereitung der Geschichte

Kontra:

zu wenig Filmmusik, immer wieder 3.Reich

Empfehlung:

Ja

Ich habe ihn gesehen, den neuen Film von Marc Rothemund, „Sophie Scholl – die letzten Tage“ bereits in der Vorpremiere. Der Regisseur wurde bei der Berlinale für die beste Regie ausgezeichnet. Die Hauptdarstellerin Julia Jentsch als beste Schauspielerin. Vielversprechend, dachte ich und damit lag ich vollkommen richtig.

Ein deutscher Film der uns ein Stück der deutschen Geschichte vor Augen führen will, nach ziemlich genau 62 Jahren. Die einen behaupten man müsse sie immer wieder ins Gedächtnis rufen, so dass sie nie vergessen geht. Die anderen meinen man sollte sie endlich ruhen lassen, weil wir für das was damals in unserem Land passiert ist, nicht verantwortlich sind.

Dieser Film aber zielt nicht darauf ab uns schuldig fühlen zu müssen. Dieser Film regt zum Mitfühlen an, mit den Menschen die sich nicht gegen diese Diktatur wehren konnten und wenn sie es taten, dafür büßen mussten! Mitgefühl, Entsetzten und Kopfschütteln ist das was für mich beim Zusehen der deutschen Geschichte, über 115 Minuten, stets präsent war.



DARSTELLER

Sophie Scholl - Julia Jentsch („Die fetten Jahre sind vorbei“)
Hans Scholl - Fabian Hinrichs („Schussangst“)
Robert Mohr - Alexander Held („Der Untergang“)
Christoph Probst - Florian Stetter
Richter Rolan Freisler - André Hennicke („Der alte Affe Angst“)
Zellengenossin Else Gebel - Johanna Gastdorf („Das Wunder von Bern“)


18. Februar 1943
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Hans Scholl (Fabian Hinrichs) will das sechste von den Mitgliedern der „Weißen Rose“ entworfene Flugblatt gegen die Nazi-Diktatur in der Universität in München auslegen. Seine Schwester Sophie (Julia Jentsch) will ihn dabei unterstützen. Die Zeit während der Vorlesung scheint ihnen als die geeignetste weil da keine Studenten auf dem Flur unterwegs sind. Und so hasten Hans und Sophie von Stockwerk zu Stockwerk und legen die Flugblätter stapelweise auf den Boden aus. Fast alle Flugblätter verteilt und schon auf dem Rückweg gehen sie noch mal zurück und legen auch das oberste Stockwerk, mit den gegen das Regime und den Krieg auflehnenden Schriften aus. Dann klingelt es zur Pause und es scheint schon so als könnten sie ungesehen davon kommen. „Bleiben Sie stehen. Sie da, bleiben Sie stehen!“ reißt einen jedoch nach ein paar Sekunden aus dieser Annahme heraus. Der Hausmeister hat sie bei ihrem Handeln beobachtet und die beiden werden verhaftet.

Jetzt beginnen die tagelangen Verhöre bei der Gestapo. Der Vernehmungsbeamte Robert Mohr (Alexander Held) soll der jenige sein der die Wahrheit aus der Widerstandskämpferin heraus kriegt.

Kühl und gefestigt beginnt das Verhör, mit Tatsachenaufnahme, bestimmten Erklärungen und Richtigstellungen seitens Sophies. Es wirkt als hätte sie sich ausgiebig auf diesen Fall vorbereitet und wäre durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Sie verteidigt sich schlagfertig und kämpft um Ihre Freiheit.

Sie scheint es geschafft zu haben. Sie scheint Robert Mohr davon überzeugt zu haben, dass sie unschuldig ist und sich wirklich nur einen Spaß erlaubte indem sie die Blätter von der Empore runter stieß. Doch wer die Geschichte kennt weiß es besser...


19. – 21. Februar 1943
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Erst als die Briefe, Briefmarken, diverse andere Flugblätter und schließlich das Geständnis ihres Bruders auf dem Tisch liegen, gesteht Sophie Scholl Ihr rebellierendes Verhalten. Stellt sich jedoch eisern vor die anderen Mitglieder der Weißen Rose. Selbst als sie von dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr „eine goldene Brücke“ gebaut bekommt mit der sie ihr Leben retten könnte, lehnt sie ab und steht selbstbewusst und überzeugt hinter dem was sie getan hat.

Robert Mohr und Sophie Scholl liefern sich Psycho Duelle mit ihren Aussagen und Ansichten von denen sie selbst überzeugt sind. In kurzen Augeblicken erhascht man Mitleid in den Augen des Beamten der Gestapo. Mitleid welches sich darin wieder spiegelt sie vor dem Tode retten zu wollen, sie wieder „auf den richtigen Weg“ bringen zu wollen. So will er Sophie als Mitläuferin hinstellen und die Strafe für sie mildern. Er hört sich an was sie zu sagen hat und womit sie Ihre Einstellung begründet. Diese Minuten und diese Erklärungen machen einem nochmals klar und deutlich warum Sophie, ihr Bruder und auch die anderen Anhänger der „Weißen Rose“ so gehandelt haben, wie sie es getan haben.


22. Februar 1943
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Am 22. Februar 1943 kommt es schließlich zur Verhandlung. Hans sowie Sophie Scholl und Christoph Probst (Florian Stetter) als Mittäter, sind des Hochverrats, der Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung angeklagt.

In der Verhandlung, welche nicht viel von der Filmzeit für sich beansprucht, werden die drei Angeklagten einzeln „angehört“. Angehört werden sie von dem Richter Roland Freisler (André Hennicke), der für diese Straftat extra aus Berlin nach München angereist ist, allerdings nicht wirklich. Kurz durchdringende Sätze wie der von Hans Scholl

>>„Hätten Sie und der Führer nicht Angst vor unserer Meinung, würden wir jetzt nicht hier stehen!“ <<

versucht der Richter durch brüllen von harten Beschimpfungen, scheinheiligen Parolen und seinen vermeintlichen Idealen zu übertönen und entkräften. Er versucht so die Kämpfer für Frieden und Freiheit zum schweigen zu bringen, doch die vertreten Ihre Idee standhaft bis zum Schluss. Und so scheint es als würden selbst die Staatsmänner, die eingefleischten Nazis, ein bisschen Wahrheit an den gesprochenen Worten der jungen Menschen finden.

Nach Sophie`s berühmten, letzten Worten zu Ihrer Verteidigung,

>>\"Ich würde alles genau noch einmal so machen, denn nicht ich, sondern Sie haben die falsche Weltanschauung.\"<<

liest der Richter das Urteil. Jenes Urteil, welches schon seit Beginn der Gerichtsverhandlung auf dem Richterpult lag!

>>Für schuldig befunden wegen des Hochverrats, der Feindbegünstigung und Wehrkraftzersetzung, was mit Vollstreckung bestraft wird! <<

Die Vollstreckung wird noch am selben Tag vollzogen, ca. 2 –3 Stunden nach dem gesprochenen Urteil. Was Ihnen noch bleibt sind ein paar Worte an die Hinterbliebenen und die Verabschiedung der Eltern. Vielleicht der bewegendste Moment des ganzen Films. Sophie trifft während sie zu ihren Eltern geführt wird auf ihren Bruder der sich so eben von seinen Eltern verabschiedet hat. Dann betritt Sophie den Raum und ihre Eltern stehen da, verstört und traurig, aber auch irgendwie stolz.

„Nun wirst du also gar nie mehr zur Tür hereinkommen\", waren mit die letzten Worte der Mutter an Sophie, bevor diese den Raum verlässt.

Immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen rauchen die drei Verurteilten ihre letzte Zigarette und strahlen eine Ruhe und Lebensmut aus den man wohl selten sieht. Dann wurden sie abgeführt, zuerst Sophie. Ohne mit der Wimper zu zucken, mit einem Lächeln im Gesicht gen Sonne. Und das waren auch ihre letzten Worte „Die Sonne scheint immer noch!“

Und als das Fallbeil gefallen ist, die Leinwand schwarz war und in dem Kinosaal voller Menschen eine mucks Mäuschen Stille herrschte ist mein Blick auf eine weißhaarige alte Dame gefallen, die ein paar Reihen vor mir saß. Ich habe mich gefragt wie sie damals zu dem Zeitgeschehen stand als sie vielleicht so alt war wie Sophie Scholl, und was sie wohl in diesem Moment dachte.



SCHAUSPIELER


Julia Jentsch als Sophie Scholl
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In der Titelrolle begeistert Julia Jentsch nach ihrer Hauptrolle in \"Die fetten Jahre sind vorbei\" wahrlich um ein weiteres mal. Schon in den ersten Szenen des Films kann man Sie ohne weiteres mit der wirklichen Sophie Scholl identifizieren. Sie hat sich sichtlich in Ihre Rolle rein gefunden, so weit das eben geht. Wenn man ihr zu sieht mit welcher Überzeugung sie diese Sätze über die Lippen bringt und ihren Blick beobachtet der immer mal wieder aus dem Fenster schweift, dann fühlt man sich um 62 Jahre zurück versetzt. Es ist so als hätte sie es damals ganz genau so gemacht, wie Sophie.

Alexander Held als Robert Mohr
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Nach zahlreichen Berichten die ich über die Geschwister Scholl gelesen habe und auch über den Vernehmungsbeamten Robert Mohr finde ich auch seine schauspielerische Leistung exzellent. Er verkörpert genau das was dieser Mann wohl war. Vom Nazi Regime überzeugt, jedoch trotzdem irgendwie menschlich. Er ist sichtlich beeindruckt von Sophies Charakterstärke, aber auch enttäuscht über ihren Entschluss lieber zu sterben als ein bisschen davon ab zu weichen. Dies bringt er dem Zuschauer bemerkenswert glaubhaft rüber.



HINTERGRÜNDE

Zwei Jahre lang haben Regisseur Marc Rothemund und Drehbuchautor Fred Breinersdörfer recherchiert, um die Geschichte so lebendig wie möglich werden zu lassen. Dadurch dass sie sich streng an die historischen Fakten halten überzeugen sie. Zum ersten mal konnten auch Verhörprotokolle ausgewertet werden, die für lange Zeit in DDR – Archiven lagen und so nicht zugänglich waren.

Auch Zeitzeugen wurden interviewt. Beispielsweise der Sohn von Robert Mohr der bekräftigte, dass seinem Vater die Charakterstärke von Sophie Scholl imponierte und auch erzählte dass sein Vater nach der Hinrichtung noch Kontakt zu den Eltern der Geschwister hatte. Auch der Neffe der Else Gebel, die ihre Zelle mit Sophie Scholl teilte, wurde interviewt und nur so konnten die Dialoge zwischen den beiden so original getreu wieder gegeben werden.



FAZIT

Dieser Film zeigt denen die keine Ahnung haben wer die Geschwister Scholl waren (und das soll es ja wirklich geben!?), wer sie waren und wofür sie gekämpft haben. Die anderen bekommen nochmals ausgiebig vor Augen geführt wie sich Menschen und das, was um sie herum passiert, ändern können und mit welchem Hass aber auch mit welcher Überzeugung Menschen erfüllt sein können.


Viel Spaß im Kino, falls ihr euch den Film angucken wollt! Ich kann ihn nur empfehlen und gebe deshalb volle 5 Sterne!

Internet: www.sophiescholl-derfilm.de
Da könnt ihr euch u.a. Trailer ansehen um einen besseren Eindruck vom Film zu bekommen.

Liebe Grüße

14 Bewertungen, 1 Kommentar

  • bienemaja1972

    27.02.2005, 18:27 Uhr von bienemaja1972
    Bewertung: sehr hilfreich

    kannte den film gar noch nicht :-)