Todesstrafe in den USA Testbericht

No-product-image
ab 6,29
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Wasserballer

Ein heikles Thema

Pro:

nichts

Kontra:

alles

Empfehlung:

Nein

Ich habe vor kurzem ein gutes Buch über die Todesstrafe von John Grisham gelesen und will euch zunächst mal über den Inhalt des Buches und dann etwas zu meiner Meinung der Todesstrafe erzählen.

Zum Buch:

Autor: John Grisham
Titel: Die Kammer
Erscheinugsjahr der deutschen Ausgabe: 1995


Der junge Anwalt Adam Hall, der sein Studium gerade erst absolviert hat und in einer führenden Anwaltsfirma in Chicago vor einer Traumkarriere steht, setzt plötzlich wegen eines Falles, der eigentlich schon aussichtslos verloren ist, alles aufs Spiel.
Der im Hochsicherheitstrakt gefangene Sam Cayhall wartet derweil auf seine Hinrichtung, als eben dieser junge Anwalt erscheint und ihm aus dem Todestrakt helfen will.
Doch Sam lehnt alle Hilfe ab, bis er herausfindet, dass Adam Hall sein Enkelsohn ist. Er stellt ihn deswegen als seinen Anwalt ein und nun beginnt ein aussichtsloser Kampf, der über Leben und Tod entscheidet.
Sam Cayhall sitzt trotz seines Geständnisses wegen Mordes an zwei jüdischen Kindern.

Rückblick:

1967 jagt Sam Cayhall zusammen mit einem Komplizen die Kanzlei eines jüdischen Anwaltes in die Luft.
Der Anschlag, der eigentlich nur zur Abschreckung der Juden dienen sollte, reißt unvorhergesehen zwei Kinder mit in den Tod.
Doch Sam Cayhall ist unschuldig, da er bei der Tat nicht aktiv mitwirkte, sondern nur Fahrer des Täters war.
Doch im Kukluxklan gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass man niemals einen Kumpanen verraten sollte.
So kommt es also, dass Sam Cayhall noch im selben Jahr wegen Mordes an zwei Kindern angeklagt wird.
Doch er wird, dank eines geschickten Anwaltes freigesprochen.
Zwölf Jahre später betreibt ein Staatsnwalt die erfolgreiche Wideraufnahme des Prozesses und Sam Cayhall wird, da er seinen Anwalt von damls nicht hat, für schuldig erklärt.
Seither sitzt er also im Todestrakt und wartet auf seine Hinrichtung.


Der junge Adam Hall beginnt nun mehr und mehr über die damaligen Taten seines Großvaters zu erfahren und es widerstrebt ihm Sam noch weiter zu verteidigen.
Doch er versucht weiterhin alles um die beschlossene Todesstrafe noch in letzter Minute zu verhindern.
Er macht Eingabe um Eingabe und lernt seinen Großvater immer näher kennen und merkt auch langsam, dass dies nicht mehr der rassistische Sam Cayhall von damals ist. Er fängt zwar nur langsam an seine Taten zu bereuen, doch als die Vollziehung schon kurz bevor steht, merkt man Zeichen der Reue und er entschuldigt sich bei allen Menschen für seine Untaten. So kommt es also, dass der eigentliche Täter weiter von Sam gedeckt wird und Sam Cayhall, trotz aller Bemühungen seines Enkelsohnes und Anwaltes, nun in die Gaskammer muss. Er gibt eine Stunde vor der Hinrichtung vor dem Geistlichen und seinem Anwalt Adam noch zu, dass er einen Komplizen hatte, und beteuert nocheinmal, dass er seine Straftaten zutiefst bereue.


Dies ist zwar nur eine Geschichte, doch wie ich finde von Grisham mehr als perfekt an den Leser gebracht und vor allem sehr real erzählt.

Doch nun meine Meinung zur Todesstrafe:

Die Todesstrafe ist ein Verbrechen, welches gegen das erste Menschenrecht - das Recht auf Leben - verstößt.
In 38 Bundesstaaten der USA gibt es die Todesstrafe, davon wird sie in sieben Bundesstaaten nicht mehr verhängt (New York, Connecticut, Kansas, New Hampshire, New Jersey, New Mexiko und Tennesee). Im Gegensatz dazu stehen nur elf Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde (Alaska, Hawaii, Iowa, Maine, Massachusettes, Michigan, Minnesota, Rhode Island, Vermont, West Virgina und Wisconsin).

Zwischen 1976 und 1999 gab es in den USA 598 Hinrichtungen, hier folgt eine Aufschlüsselung nach Jahren, und nach Bundesstaaten.

Statistiken beweisen, dass die Mordrate in den USA über die Jahre hinweg relativ stabil blieb, die Exekutionen aber jährlich ansteigen.
In mehreren amerikanischen Studien fand man heraus, dass es für einen Schwarzen wahrscheinlicher ist zum Tode verurteilt zu werden, als für einen Weissen, besonders dann, wenn es sich um Mord von einem Schwarzen an einem Weissen handelt.

Vielleicht das wichtigste Argument gegen die Todesstrafe ist, dass diese nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Ein zu lebenslanger Haft Verurteilter, kann bei Beweis seiner Unschuld freigelassen werden, aber was mit einem Hingerichteten? Seit 1971 wurden 85 Menschen aus den Todestrakten freigelassen, da ihre Unschuld bewiesen werden konnte.
Aus diesem Grund (weil das Risiko der Hinrichtung eines Unschuldigen zu groß ist) wurde auch erst kürzlich die Todesstrafe im Bundesstaat Illinois ausgesetzt.

Wilbert Lee und Freddie Pitts (beide verurteilt 1963 in Florida) wurden dem Doppelmord angeklagt und zu Tode verurteilt. 1975 wurden sie freigelassen, weil ein anderer Mann den Mord gestanden hatte.
Thomas Gladish, Richard Greer, Ronald Keine und Clarence Smith (1974 in New Mexico wegen Mord, Kidnapping, Sodomie und Vergewaltigung zum Tode verurteilt) wurden 1976 freigelassen, weil das Verbrechen von einem anderen Mann gestanden wurde und eine Zeitung Lügen des Hauptzeugen der Anklage aufdeckte

Kirk Bloodsworth, im Jahr 1984 in Maryland wegen der Vergewaltigung und des Mordes an einem jungen Mädchen zu Tode verurteilt wurde 1993 wieder freigelassen, da DNA Tests seine Unschuld beweisen.

1991 wurde der in Florida im Jahr 1988 zum Tode verurteilte Bradley P. Scott wegen mangelnden Beweisen wieder freigelassen.

Die Zahl der unschuldig zum Tode verurteilten wird nie festgestellt werden können, Gerichte interessieren sich nicht für Beweise, wenn der Angeklagte tot ist. Hier nur drei Beispiele von Hingerichteten, die eventuell unschuldig sein könnten.

David Spence wurde 1982 zum Tode verurteilt, da er angeblich drei Teenager ermordet hatte, die Exekution wurde im Jahr 1997 vollzogen. Ein Polizist und der leitende detective der Untersuchung glaubten nicht an die Schuld von Spence, es gab auch keine Beweise, das Spence in das Verbrechen involviert war. Spence wurde aufgrund der Aussagen von Häftlingen, denen für die Aussage Zugeständnisse gemacht wurden, zum Tode verurteilt.

Leo Jones wurde 1981 zum Tode verurteilt und 1998 hingerichtet. Er soll einen Polizisten ermordet haben und gestand nach vielen Stunden der Einvernahme die Tat. Später wiederrief er sein Geständnis, wurde aber trotzdem verurteilt. Einige Jahre danach wurde genau der Polizist, der die Einvernahme in Jones Fall leitete wegen Gewalt aus dem Polizeidienst entlassen, ein Kollege bezeichnete ihn als jemand, der Gewalt anwendete um Aussagen zu erzwingen.

Am 01.03.2000 wurde im Bundesstaat Texas Odell Barnes Jr. hingerichtet - viele Beweise sprechen für seine Unschuld!

Niemand kann genau sagen, wieviele Menschen derzeit unschuldig in der Todeszelle sitzen - aber schon ein unschuldig Hingerichteter ist zuviel!

Deshalb finde ich, dass die Todesstrafe unnötig, unsinnig und auch keine Abschreckung für kriminelle ist.
Außerdem kann man Morde nicht mit Morden vergelten, da es den Toten nicht wieder zum Leben erweckt.

20 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Carola

    28.02.2002, 00:03 Uhr von Carola
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse beitrag, den alle lesen sollten.

  • sdm-7of8

    27.02.2002, 22:48 Uhr von sdm-7of8
    Bewertung: sehr hilfreich

    hast du ganz toll gemacht...