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Erfahrungsbericht von Rioja

Prädikat "besonders wertvoll" - Das Narrenschiff

Pro:

Erzieherisch wertvoll!

Kontra:

Für Menschen, die immer alles ganz ernst nehmen, nicht geeignet.

Empfehlung:

Nein

O.K. diese Inszenierung ist nicht für \"ganz Deutschland\" interessant, sondern mehr so im Einzugsgebiet Niedersachsen und nördliches Nordrhein-Westfalen.

Den Bericht, den ich damals über die Darstellung schrieb, könnt ihr nun lesen. Anmerkungen persönlicher Art gebe ich darunter!


Viele Alternativen bezüglich des Befindens lässt einem die Inszenierung des \"Narrenschiffes\" nicht: entweder man liebte sie oder man hasste sie. Das Schiff zu lieben ist leicht, es zu hassen ist schwer (in den Augen des offenen Betrachters).

Man sah in den Reihen konstatierte Gesichtszüge bei einem Ausspruch wie etwa: \"Ich wollte Sie mal fragen, ob man im Laufen kacken kann?\" Mal ehrlich, wen hat diese Frage nicht schon einmal beschäftigt?

Turbulent ging es am Dienstag Abend schon vor Beginn der Vorstellung vor der ....................... zu. Das Publikum holte sich zunächst eine Bordkarte für das Schiff und stellte sich zu den anderen Schaulustigen, die sich von allerlei Narretei an der Nase herumführen ließen. Ein genialer Einstieg in das, was folgen sollte.

Die \"Theaterwerkstatt Bethel\" zeigte dem \"normalen\" Volk unter der Regie der freien Theaterregisseurin Kai Büchner und Matthias Gräßlin, wer denn die Narren sind. Schwerstbehinderte, Musiker, Tänzer und andere Performer hielten auf der in der Mitte als Schiff installierten Bühne dem rundherum sitzenden Publikum einen Spiegel vor das Gesicht.

\"Narren, Närrinnen und Behinderte, wir begrüßen Sie an Bord\" als Willkommen und \"genießen Sie unser Exotik-, Erotik- und Neurotikprogramm\".

Die Aufführung basiert auf dem von Sebastian Brant 1494 erstmals veröffentlichen Buch \"Das Narrenschiff\". \"Einst hab ich\'s Narrenschiff gedichtet, mit großer Mühe aufgerichtet, mit Toren es so voll geladen - man braucht nicht anders sie zu baden\" - eine kleine Passage aus der Schrift. Wundervoll eintönig rezitiert Volker Hellwig die Texte des Dichters. Durch seine schleppende Art, sie zu interpretieren gewinnt die Faszination und man muss sich entscheiden, wo man seinen Blick hinlenkt. Denn, passieren tut ständig irgendetwas auf dem Schiff.

Katastrophen ohne Ende: Flutwellen, Schwangerschaft ohne Vater, Feuer und allerlei, was dem Normalbürger zuwider ist. \"Oh, ihr süßen Dirnchen, lasst hüpfen die Äpfel und Birnchen. Hebt eure Röcke, für all die geilen Böcke!\" Wer jetzt die Halle verließ, verpasste eindeutig die Bestätigung für die Glanzleistung am Ende der ganzen Darbietung: Die stehenden Ovationen, die den Künstlern gegeben wurden, als alles nach zwei Stunden, die einem wie eine irrsinnig schnelle Reise vorkamen, vorbei war. \"Viele Ziele werden angestrebt, es ist darauf zu achten, dass man sie erlebt!\" Narr? Wer ist Narr und wer nicht? Man sollte vielleicht ein Buch aus dem Jahr 1494 zu Rate ziehen und sich eine Antwort daraus suchen.

Meine eigene persönliche Meinung:
*****************************

Ich habe mich sauwohl gefühlt. Viele andere offensichtlich nicht, denn die Aufführung findet fast ausschließlich mit, von und um \"behinderte\" Menschen statt. Und die sind unberechenbar - oft!! Aber gerade die Improvisation der Darsteller (ca. 80 % sind geistig behindert) bringt Leben, bringt Lachen und Nachdenken in das Stück.

\"Verrückt\" genug ist es ja von Haus aus schon, aber dennoch lassen einen die kleinen Begebenheiten und Situationen jede Zeit und jede Vernunft vergessen. Ich habe seinerzeit in der ersten Reihe gesessen und wurde oft in das Geschehen mit einbezogen. Besonders angetan von mir war eine Frau (mongoloid), sie warf mir immer wieder Kusshändchen zu und verpasste es auch nicht, mir immer freundlich die Hand zu reichen, um mich zu begrüßen.

Das war überhaupt nicht \"unangenehm\" und ich glaube, auch ein wichtiger Schritt in Richtung \"Integration\"!!!!!!

Sollte irgendjemand einen Hinweis auf dieses Stück erhalten, dann geht hin. Wunderschönes Bühnenbild (ein vollständig installiertes Schiff mit allem drum und dran), eine wirklich \"verrückte\" Geschichte und viel zu Lachen und zum Nachdenken sind unbezahlbar.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 23:27:36 mit dem Titel K wie Kabarett - Erwin Grosche

Und noch ein Highlight unserer Deutschkultur: Der Mann ist klasse, harmlos auf den ersten Blick, biestig auf den zweiten und beim dritten Blick bleibt einem die Spucke weg!

Artikel (wirklich von mir - falls noch mehr Zweifler dort draußen unterwegs sind ... lach):
Drollig, wie der Mann da so steht: Schüchterner runder Blick, die Hände akkurat an der mit Flokatistreifen besetzten Hosennaht, der Rücken steif durchgedrückt und die Lippen beim Sprechen immer leicht geschürzt. Stottern als Stilmittel perfekt eingesetzt, so dass man ihm lauthals lachend alles abnimmt.

Ernst Grosche gewinnt das Publikum von der ersten Sekunde an, als er die Bühne am Freitagabend in der Sumpfblume betritt. Lachen muss man schon, bevor er in seiner Rolle als \"Herr Helsinki\" überhaupt ein Wort sagt. Urkomisch kommt er mit seiner Teddyjacke rüber, mit dem geliebten Hut, der wie Omas Kaffeewärmer aussieht und den Bierflaschen, die auch Teddy tragen.

Er gleicht mit seiner Staffage seine fehlende Präsenz aus, beschwert sich, das nicht einmal das Echo ihm antwortet.

\"Als Mensch zu hässlich - als Schwein zu kleine Ohren\".

So etwas kann schon Mitleid erregen, aber was macht es schon, dass er auf Fotos immer Scheiße aussieht, wenn er so wunderbar tiefsinnige Dinge sagt wie etwa: Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, soll man nicht den Kopf hängen lassen (vor allem nicht in Venedig)!

In seinem Programm \"Herr Helsinki will nicht Hauptstadt werden\" beleuchtet er Abenteurer - \"Sagen Sie mal, ein Abenteurer, der ständig überlebt, macht der nicht was falsch?\" oder betet für die spülende Menschheit.

\"Den Spülenden behütet Gott, kein Feind stört ihn bei der Arbeit, kein Mörder trocknet ab.\"

Er sucht sich seine Abenteuer im alltäglichen Leben, beleuchtet an sich langweilige Vorgänge und haucht ihnen so einen eigenwilligen Charakter ein. An seinen sogenannten \"Günther-Tagen\" ist ihm sowieso alles egal (Sagen Sie ruhig Günther zu mir, dass macht heute auch nichts mehr), wartet geduldig darauf, dass es mal aufwärts geht und sinniert darüber, dass die Beziehung zu seiner Frau so erotisch ist, dass sie auch eine Brieffreundschaft hätten führen können.

Biestig wird er, wenn er über das Schaffen von Rüdiger Nehberg berichtet. Weiß der Himmel, was der Mann ihm getan hat, möglicherweise stört es ihn nur, dass der zwar Maden in Südamerika isst, aber die deutschen Mücken verschmäht.

Seine finnischen Szenen voller Anmut und Lebensfreude entbehren jeder Logik, aber \"man muss nicht alles verstehen, so lange es Spaß macht\". Und das er Kondome mit Verfallsdatum als unglaublichen Leistungsdruck empfindet, nimmt man ihm sowieso ab. Der Mann aus Paderborn hat was, was genau, kann man nicht sagen. Die Doppeldeutigkeit seiner Worte ist so präzise, dass das Zwerchfell auf das Äußerste gespannt ist und die Bitte nach Zugaben reißt beim Publikum nur schwerlich ab.

Fazit:
*****

Grosche ist auf der Bühne prickelnder als zu den Zeiten, wenn er sich auf manchen Bühnen der Fernehprogramm-Macher austobt. Eine Gelegenheit zum Live-Einblick sollte auf keinen Fall verpasst werden!


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-27 23:56:09 mit dem Titel Nur für Kinder: Das Fleckenfischchen

Welches leidgeprüfte Elternteil schlägt sich nicht mit den lieben Kleinen rum, wenn es um Reinlichkeit geht. Ich habe damals für meine Kinder ein kleines Gedicht geschrieben. Nicht auf Papier, sondern direkt auf die Wand (in unserer Altbauwohnung war das nicht so tragisch und meine Schrift ist erträglich).

Nicht nur die Kinder fanden das gut, sondern auch die Erwachsenen, die man dann häufiger lachen hörte, wenn sie die Kloschüssel in Benutzung hatten.

Darum möchte ich diesen wertvollen Bestandteil der Erziehung niemanden vorenthalten:

Das Fleckenfischchen

Es war einmal ein blauer Fisch,
der hatte kein Benehmen bei Tisch.
Er kleckerte hier, er kleckerte dort -
bald schickte ihn der Grüne fort.

Der kleine Blaue ärgerte sich ganz fürchterlich,
und fragte: \"Was haben die bloß gegen mich?\"
Beleidigt schwamm er im Wasser,
kam nach oben und wurde blasser.

An der Oberfläche schien ganz hell die Sonne,
für das Fischchen die reinste Wonne.
Da kam ein roter Fisch vorbei und wollt ihn necken:
\"Was hast du auf deinem Bauch für Flecken?\"

Dem blauen Fisch war´s schrecklich peinlich,
er erkannte, er war tatsächlich nicht sehr reinlich.
Nun begann er sich zu schruppen,
hatte nach ´ner Stunde blitzsaubre Schuppen.

Um die Zeit sinnvoll zu nutzen,
fing er an, seine Zähne zu putzen.
Das macht nicht nur einen strahlenden Mund,
nein, es ist auch sehr gesund!

So sauber und so rein,
schwamm er stolz zu seinen Freunden heim.

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