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Platz 93 in der Kategorie "Webseiten - W". Internetauftritt der thüringischen Stadt Weida, einst Wiege des Vogtlandes. Berühmteste Sehenswürdigkeit ist die Osterburg mit dem älstesten noch erhaltenen ...mehr
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Namibia

Weida - Wiege des Vogtlands

ein Testbericht von 2004-05-26 11:19:40 vom 26.05.2004
Empfehlung: ja
Vorteile: Reizende historische Kleinstadt inmitten einer tollen Landschaft...
Nachteile/Kritik: eben eine Kleinstadt
Auch wenn ich jetzt schon seit zwei Jahren in Namibia lebe, freue ich mich doch immer wieder über Neuigkeiten aus meiner Heimatstadt Weida. Und mit diesem Bericht möchte ich Euch dieses historische Kleinod ein wenig näher bringen. Hierbei werde ich mich sowohl auf die Internetseite www.weida.de, als auch auf meine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen beziehen.

*** Die Stadt ***

Die Stadt Weida liegt zwischen Gera und Greiz im Bundesland Thüringen. Zu erreichen ist Weida über die B92 und die B175. Mit seinen knapp 8.800 Einwohnern (Stand 2003) erstreckt sich das Städtchen über eine Gesamtfläche von ca. 13 qkm. In Weida fliessen zwei Flüsse zusammen: die Auma und die Weida. Das Wasser der Weida bildete lange Zeit die Grundlage für die Lederindustrie der Stadt.

*** Geschichte ***

Weida wurde erstmalig 1122 erwähnt und erhielt im Jahre 1209 die Stadtrechte. Gegründet wurde die Stadt von Vogt Erkenbert dem Zweiten. Bereits 1163 begann sein Bruder, Vogt Heinrich der Erste, mit dem Bau der Osterburg - dem Wahrzeichen Weidas. Diese wurde 1193 fertiggestellt und trug damals noch den Namen "Das feste Haus zu Weida". Die Vögte erweiterten ihren Einflussbereich über Borna, Gera, Plauen, den böhmischen Eger und nach Oberfranken und begründeten damit das nach ihnen benannte Vogtland. Das erklärt, warum man überall in Weida grosse Tafeln findet, auf denen steht: Weida - die Wiege des Vogtlandes". Im Laufe der Zeit verloren die Vögte allerdings diesen Einfluss wieder und Weida wurde ständig "weitergereicht".

Um 1427 geht die Stadt an den Markgrafen von Meissen über.

1588 gehört Weida im Rahmen des Neustädter Kreises zum Kurfürstentum Sachsen.

Ab 1652 gehört Weida zum Herzogtum Sachsen-Naumburg-Zeitz.

1815 gehört die Stadt zum Königreich Preussen.

Bereits 1816 Abtritt an das Grossherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.

1945 wird Weida der sowjetischen Besatzungszone und damit Thüringen zugeteilt.

Dieser geschichtliche Abriss ist natürlich nur eine Kurzversion. Weida spielte u. a. eine Rolle im dreissigjährigen Krieg. Ein Reiterregiment des Generals Wallenstein eroberte die Stadt am 9. August 1633, plünderte sie und steckten sie und die Burg in Brand.

1643 wird die Stadt von schwedischen Truppen heimgesucht. Ein Ratsherr von Weida ersucht um einen Waffenstillstand. Daraufhin erhält er einen Schutzbrief und sogar Geld zum Wiederaufbau der Stadtkirche und der Lateinschule. Die Menschen waren so dankbar, dass sie eine Eiche pflanzten. Dieser noch immer vorhandene Baum wird deshalb auch liebevoll Schwedeneiche genannt. Als Kind bin ich oft zusammen mit meiner Schulklasse zur Schwedeneiche gelaufen. Wir waren 22 Kinder und obwohl wir uns sehr anstrengten, schafften wir es nicht, die Eiche zu umfassen.

Um den Waffenstillstand rankt sich eine Legende: Die Schweden belagerten die Stadt und die Menschen litten unter grossem Hunger. Also versammelte der Ratsherr alle Kinder Weidas um sich und ging mit ihnen zusammen zum Anführer der Schweden. Die Kinder brachten das Gesuch um Waffenstillstand vor und rührten damit an das Herz des Anführers. Daraufhin zog er sofort seine Truppen ab und sorgte dafür, dass wieder Lebensmittel in die Stadt gebracht wurden.

Weida war ab 1720 ein Zentrum der Textilindustrie. Es wurden vor allem Tücher gefärbt. In diesem Jahr wurde die erste "Königlich-churfürstlich-sächsische Schönfärberey und Fabrique" gegründet. Auch hier spielte das Wasser der Weida eine grosse Rolle.

*** Das Wahrzeichen - die Osterburg ***

Wie bereits erwähnt, war diese Burg der Regierungssitz der Vögte. Sie wurde auf einem strategisch günstigen Bergsporn errichtet. Lange Zeit diente sie auch als Gefängnis und als Schatzkammer. Der charakteristische Bergfried wird auch als "Turm ohne Dach" bezeichnet. Er besteht aus drei Etagen und obenauf thront eine achteckige Spitze. Alle Etagen sind Kränze mit Zinnen. Der Turm ist 54 Meter hoch und seine Mauern sind 5,70 Meter dick. Besucher können auf den unteren beiden Kränzen den wunderschönen Ausblick über die Stadt geniessen. Der dritte Kranz ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Bis 1917 lebten die Türmer in der dafür vorgesehenen Türmerstube. Von hier aus alarmierten sie die Bevölkerung bei Bränden oder trugen die letzten Neuigkeiten zu den Menschen.

Im Jahre 1670 wurde eine Wendeltreppe eingebaut, die aus einem einzigen Eichenstamm gefertigt wurde. Auch hierzu gibt es die entsprechende Legende (so, wie ich sie gehört habe):

Ein junger Handwerker wollte eine Magd heiraten. Wie es das Gesetz vorsah, stand dem Herrn das Recht der ersten Nacht zu. Der Handwerker konnte sich damit jedoch nicht abfinden und bat den Vogt um eine Ausnahme. Dieser überlegte kurz und machte dem Bräutigam ein Angebot: Wenn Du mir binnen eines Jahres eine Wendeltreppe baust, nur aus einem Stamm und ganz ohne Eisennägel, dann will ich auf mein Recht verzichten. Also zog der junge Mann los und suchte sich die grösste Eiche aus, die er finden konnte. Er fällte sie, bearbeitete sie und ersann Methoden, wie er ohne Eisennägel auskommen konnte. Nach einem Jahr war die Arbeit getan. Die Treppe war fertig. Er liess sie seinem Herren bringen. Dieser begutachtete das Werk und staunte. Er liess die Treppe sofort in den Bergfried einbauen und gestattete die Hochzeit der Brautleute. Aber wie es damals so war, hielt er sich nicht an die Abmachung und nahm sich das Recht der ersten Nacht. Die beiden jungen Leute waren darüber so verbittert, dass sie sich engumschlungen vom Bergfried in den Tod stürzten.

Die besagte Wendeltreppe gab es aber tatsächlich. Und weil sie so schön war, veranlasste August Goethe (ein Sohn des berühmten welchen), die Verlegung dieser Treppe auf Geheiss des Grossherzogs Karl-August in die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek nach Weimar. Und weg war sie.

Viele unserer Familien- und Schulausflüge führten uns auf die Osterburg. Im Bergfried befand sich am Grund der Kerker. Die Menschen wurden aus einer Höhe von fast 5 Metern hinuntergestossen. Es war kalt, feucht und dunkel und als Kind bekommt man wirklich Angst. Vor allem, wenn man einige Minuten vorher noch die Folterkammer nebenan besichtigen musste. Von der Streckbank bis zur Daumenschraube war so ziemlich jedes perverse Werkzeug vorhanden.

Heute beherbergt die Osterburg ein Museum, es finden oft Ausstellungen berühmter und weniger berühmter Künstler statt und natürlich gibt es auch ein Restaurant dort. Hier wird das Essen nach alter Ritterart serviert und logischerweise auch verspeist. Sogar heiraten kann man auf der Osterburg. Vom Schlossgarten aus hat man einen tollen Blick über die Stadt und die Trauung wird zum Erlebnis.

Heiraten kann man aber selbstverständlich auch im Standesamt, welches sich im Renaissance-Rathaus auf dem Stadtmarkt befindet. Dieses Gebäude wurde 1587 erbaut. Heute befinden sich dort neben dem Standesamt (von dem meine Mutter übrigens die Chefin ist *gg*) die gesamte Stadtverwaltung, die Bibliothek und das Stadtarchiv.

*** Weitere Sehenswürdigkeiten ***

Naja, da hätten wir zuerst mal den Oschütztal-Viadukt. Dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst wurde 1884 von einem gewissen Ingenieur Krüger gebaut, der u. a. am Blauen Wunder in Dresden mitgewirkt hat. Der Viadukt ist 28 Meter hoch und 185 Meter lang und war bis 1983 für den Eisenbahnverkehr in Betrieb.

Weiterhin hätten wir noch die Predigtkanzel zu bieten (unter den Einheimischen liebevoll Pestkanzel genannt). Hier befand sich einmal der Friedhof der Stadt, heute steht dort eine Schule (für mich irgendwie makaber).

Die älteste Kirche der Stadt ist die Widenkirche. Leider ist sie nur noch als Ruine zu bewundern. Der Glockenturm wurde zwar renoviert, vom Schiff im Gotik-Stil sind jedoch nur noch die Mauern vorhanden. Das Dach fehlt ganz.

Zum Schluss wäre da noch der Eisenhammer. Umgeben von einer wunderschönen Landschaft wurden hier einstmals Ambosse und Hämmer hergestellt. Die Schmiede war sogar bis 1921 in Betrieb.

*** Freizeit ***

Nur wenige Meter vom Eisenhammer entfernt befindet sich die Aumatalsperre. 1935 ursprünglich als Hochwasserschutz und zur Stromerzeugung erbaut, dient sie heute als Naherholungsgebiet. Man findet einen Campingplatz, einen Wanderweg um die Talsperre herum und wenn man Lust hat, kann man mit einem Ruderboot über das Wasser zuckeln. In der Mitte befindet sich eine Insel. Diese ist jedoch für Besucher gesperrt, da dort Reiher nisten und die Insel somit unter Naturschutz steht.

Im letzten Jahr wurde das Bürgerhaus wiedereröffnet. Seit seiner Erbauung im Jahre 1928 beherbergte es das städtische Kino. Nach der Wende verfiel das Haus zunehmend und die Einwohner fanden sich schon mit dem Gedanken ab, dass das Gebäude abgerissen werden würde. Jetzt erstrahlt es allerdings in neuem Glanz und bietet heute Veranstaltungen jeglicher Art an.

Selbstverständlich hat Weida auch ein Freibad! Es befindet sich am Stadtrand Richtung Hermsdorfer Kreuz. Und wenn man schon mal dort ist, kann man sich auch beim Bowling, beim Minigolf, beim Kegeln, im Inlinerpark oder im Wildgehege amüsieren.

Damit erschöpfen sich leider schon die Freizeitangebote der Stadt. Naja, wer Lust auf mehr hat, der fährt eben ins 12 km entfernte Gera. Ist ja nur ein Katzensprung.

*** Sonstiges ***

Weida war bis zur Wende Dreh- und Angelpunkt der Lederindustrie der ehemaligen DDR. Hier wurden die feinsten Leder (u. a. für diverse berühmte Italiener) gegerbt. In der örtlichen Schuhfabrik wurden viele dieser Leder gleich weiterverarbeitet.

Nach der Wende verloren die Lederwerke an Einfluss und der Betrieb wurde aufgegeben. Einzelne Werkstätten blieben allerdings in Betrieb und so findet man zum Beispiel einen Hersteller für Hundekauknochen in den alten Hallen. Naja, alles hat mal ein Ende.

Auch die Schuhfabrik schloss ihre Tore nach der Wende. Heute steht das Gebäude mit eingeschlagenen Fenstern zwischen einer Menge Unkraut und harrt der Dinge, die da kommen.

*** Fazit ***

Klar, ich als alte Weidsche hänge natürlich an meiner Heimatstadt, obwohl ich weiss, dass es ausser den historischen Sehenswürdigkeiten nicht viel zu sehen gibt. Als mein Vater mich hier in Namibia besucht hat, drückte ich ihm erstmal einen Aquarellblock und Farben in die Hand (er ist ein richtiger Künstler!!!) und er musste mir ein Bild von der Osterburg malen. So ein bisschen Heimatgefühl im fernen Afrika kann ja nicht schaden. Er malte die Burg aus dem Kopf und ich sage Euch: jedes Kind in Weida kann das. Es ist eben unser Wahrzeichen.

Wer also an alten Burgen oder Schlössern interessiert ist, sollte sich auf jeden Fall auf den Weg nach Weida machen. Der Bergfried ist einer der ältesten und besterhaltendsten in Europa. Es lohnt sich also!

Und damit möchte ich nochmals auf die Seite www.weida.de hinweisen, an der ich mich für diesen Bericht orientiert habe. Sie ist übersichtlich, nicht zu überladen, dafür aber vollgestopft mit historischem Wissen. Nebenbei findet man noch Infos zur Bibliothek, zur Feuerwehr oder zum Jugendparlament. Guckt einfach mal rein!
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Informationen zu weida.de

Technische Daten und Produkteigenschaften
Internetauftritt der thüringischen Stadt Weida, einst Wiege des Vogtlandes. Berühmteste Sehenswürdigkeit ist die Osterburg mit dem älstesten noch erhaltenen Bergfried Europas. Viel Historie, heute eher langweilige Kleinstadt.
Allgemeine Informationen weida.de
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