Hamburger Kammerspiele
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Platz 177 in der Kategorie "Reiseziele Hamburg". Typ: Theater / ...mehr
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Hamburger Kammerspiele Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

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So ein Theater...

ein Testbericht von 2002-12-20 14:23:12 vom 20.12.2002
Empfehlung: ja
Wenn ich mal ins Theater gehe, dann darf es dort auch ruhig ein wenig muffig riechen, da dürfen die Sessel ausgeleiert und die Bühne knarzig sein. Eben "Theater pur". Aber alles hat seine Grenzen.

Vor ein paar Wochen zog es uns mal wieder in die Hamburger Kammerspiele. Hannelore Hoger gab in Begleitung eines jungen Pianisten (ihrem Liebhaber?) "Liebesschluchzen". Dabei handelt es sich um Texte und Lieder rund um die Liebe (ach...!). Dass die von mir geschätzte Frau Hoger das mit dem Singen lieber sein lassen sollte, bleibt an dieser Stelle mal unerwähnt...;-)

*** Was so gezeigt wird ***
Dennoch, in den Kammerspielen gibt es ab und zu echte "Perlen" der Musik- und/oder Schauspielkunst. Mein persönlicher Tipp wäre z.B. Gustav Peter Wöhler & Band, den man u.a. aus dem Film "Absolute Giganten" kennt und der nebenbei mit Freunden Musik macht...absolut großartige Stimme, absolut sympathischer Typ *schwärm*!

Der Publikumserfolg des Jahres 2002 war jedoch "Rose" von Martin Sherman, ein Ein-Personen-Stück mit der vielumjubelten Monika Bleibtreu.

*** Wie alles begann ***
Die Hamburger Kammerspiele erlebten übrigens einen ihrer ersten Höhepunkte als Ida Ehre ihre Theaterarbeit im Dezember 1945 in der Hartungsstraße begann.

Doch bereits 27 Jahre zuvor, am 30.08.1918, hatte der Schauspieler, Bühnenbildner und Regisseur Erich Ziegel das Theater mit einer "Frank-Wedekind-Woche" eröffnet, in den Räumen des ehemaligen "Neuen Theaters" am Besenbinderhof. Der Spielplan Ziegels konzentrierte sich auf die literarische Moderne, mit Erstaufführungen von Sternheim, Wedekind, Schnitzler, Jahnn, Barlach, Brecht und Toller.

1927 jedoch wurde das Theater am Besenbinderhof abgerissen und Erich Ziegel bezog mit seinem Ensemble vorübergehend das Haus "Kaisergalerie" an den Großen Bleichen, bis am 1. September 1932 ein Pachtvertrag mit dem Thalia Theater in Kraft trat, der den Kammerspielen zu einer größeren Spielstätte verhalf. Man hoffte so auf eine "glückliche und erfolgreiche Lösung der Hamburgischen Theaterprobleme".

Doch schon zwei Jahre später 1934 – kurz nach der Machtergreifung der Nazis, legte Erich Ziegel sein Amt nieder und verließ Hamburg "von Ekel von der braunen Pest geschüttelt".

Die Hamburger Kammerspiele blieben in der Folgezeit unter dem faschistischen Regime geschlossen, bis im Juni 1945, wie oben erwähnt, Ida Ehre in einer Eingabe an die Militärregierung bat, ihr das Theater an der Hartungsstraße zu überlassen, um dort "menschliche Probleme und Probleme der Welt vorzuführen, von denen wir zwölf Jahre nichts wissen durften."

Das Haus an der Hartungsstraße bestand aus zwei Gründervillen, die von 1938 bis 1941 Sitz des jüdischen Kulturbundes waren: einer Zwangsvereinigung der in Deutschland verbliebenen jüdischen Künstler. Der Kulturbund besaß einen Theatersaal (die heutige Hauptbühne) und einen Vortragssaal (das heutige Café Jerusalem). 1942 wurde das Haus zur Deportationsstelle, bevor es 1943-44 vom Thalia Theater bespielt wurde. 1944 zeigte die Ufa hier Filme und 1945 befand sich in dem Haus kurzzeitig der Offiziersclub Savoy.

Die Wiedereröffnung der Hamburger Kammerspiele stand in Hamburg für den künstlerischen Neuanfang. Mit den Erstaufführungen von Anouilh, Wilder und Frisch entwickelte Ida Ehre in den ersten Nachkriegsjahren die Idee eines "Theaters der Menschlichkeit und Toleranz" – gegen die Erfahrungen von Krieg und Faschismus.

Die Uraufführung von Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" bescherte ihr 1947 einen Riesenerfolg und bewies ihr sicheres Gespür für den Geist der Zeit. Bis zu ihrem Tode am 16. Februar 1989 führte Ida Ehre als Prinzipalin das Privattheater.

Zwischen 1990 und 1995 wurde das Haus in wechselnden Konzeptionen von Ursula Lingen, Stephan Barbarino und Gerd Schlesselmann geführt.

Im September 1995 eröffneten Ulrich Tukur und Ulrich Waller die neue Spielzeit mit einer Neuinszenierung von Borcherts "Draußen vor der Tür", einem Drama, das vor knapp 50 Jahren in diesem Hause seine Uraufführung erlebte. Eine Verbeugung vor der langen und wechselvollen Geschichte dieses kleinen, zähen und wundervollen Theaters.

*** Draußen vor der Tür ***
Im Frühjahr dieses Jahres sorgten Tukur und Waller für einen umfangreichen Umbau, zumindest an der Fassade des Thaters. Das Portal wurde ein wenig großzügiger geschnitten und mit Glas eingefasst. Linker Hand vom Eingang befindet sich nun ein angeschlossener Buch- und Posterladen, rechts ein neugeschaffenes Café mit asiatisch anmutendem Ambiente. Schlicht und schön.

Auch das alte Café Jerusalem, in das man unweigerlich eintritt, wenn man geradeaus durch den Eingang weitergeht, wurde umgebaut. Es wirkt jedoch ein wenig cool. Egal, immerhin ist es ein gelungener Kontrapunkt zum altehrwürdigen Theater.

*** Hereinspaziert! ***
Im Theaterraum selbst hielt man sich offenbar an die Devise *liebengrußanstefan* "Never Change A Running System" und installierte lediglich eine Klimaanlage, die fortan die Luft im Theaterraum kühlt und zerquirlt.

Leider reichte das Geld offenbar nicht für eine Investition in bequemere Bestuhlung. Ich bekomme jedes Mal nach ner halben Stunde schon Rückenschmerzen, was mir den Theaterbesuch meistens etwas verdirbt.

Auch die extrem engen Sitzreihen finde ich irgendwie beklemmend. Nicht nur, dass mich hin und wieder kleine Attacken hinsichtlich mangelhafter "Fluchtmöglichkeiten" packen. Nein, auch die Tuchfühlung mit meinem transpirierenden Nachbarn zur Linken und der extremparfümierten Dame zur Rechten tragen dann und wann zu extremer Unentspanntheit bei. Und wenn dann auch noch das Stück über gewisse Längen verfügt, na klasse...

Da tat es mir dann schon manches Mal um das Geld für die Eintrittskarte leid.

Und dann schnapp ich mir doch lieber die Fernbedienung und schau mir das nächste Yasmina-Reza-Stück gemütlich bei nem Glas Zinfandel auf 3sat an.

*** ...die Presse ist begeistert ***
Die Hamburger Morgenpost schrieb am 26.06.02: "Kammerspiele liegen wieder vorn
»Herausragend, unverwechselbar«: Pegasus-Preis ging erneut in die Hartungstraße.
Das goldene Pferd galoppiert zum zweiten Mal in die Hartungstraße. Der Pegasus Preis für Hamburger Privattheater geht in diesem Jahr wie schon 1999 an die Hamburger Kammerspiele. Das sind 35000 Euro für Ulrich Waller und sein Team – gestiftet von der ExxonMobil Organisation. Die siebenköpfige Jury zeichnet insbesondere „die programmatische Spurensuche jüdischer Vergangenheit“ in der Spielzeit 2001/2002 aus. Mit Inszenierungen wie „Die Jungs mit dem Tüddelband“ und „Die Lieder am Abgrund!“ habe das Theater den Grenzgang zwischen aufklärerischem Anspruch und niveauvoller Unterhaltung beschritten, heißt es in der Begründung. Diesen Balanceakt bewertete die Jury als „außerordentliche Risikobereitschaft“ und künstlerisch „einmalig, herausragend und unverwechselbar“. Auch an den erstklassigen Interpreten hatten die kritischen Theaterexperten ihre Freude – hervorgehoben werden Monica Bleibtreu in „Rose“ und Caroline Ebner in „Das Tagebuch der Anne Frank“. Waller kann also noch einmal eine Auszeichnung in seiner letzte Spielzeit an den Kammerspielen nehmen. Gratulation!"

*** Diva`s Meinung ***

O.K., ein Theater steht und fällt mit seinem Programm. Für mich persönlich sind jedoch auch Faktoren wie das Ambiente, der Service und...ja, auch der Sitzkomfort wichtig. Was nützt mir ein tolles Stück, wenn ich schon nach ner halben Stunde auf die Pause warte, nur um aufstehen, den Rücken grade zu biegen und Frischluft schnappen zu können. Für nen mittelguten Platz, z.B. in Reihe 10 zahle ich etwa 23 Euro, und das ist mir dann einfach zuviel.
...
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Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Allgemeine Informationen Hamburger Kammerspiele
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