Platz 125 in der Kategorie "Reiseziele Hamburg". Typ: Restaurant / Ein gehobenes 1-Sterne-Gourmet-Restaurant in Hamburg mit internationaler Küche. ...mehr
Tafelhaus Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
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Tafeln à la Gourmet
ein Testbericht von tollertyp08152004-10-20 06:22:21vom 20.10.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Gourmetfreunde kommen auf ihre Kosten, schöner Elbblick, nette Atmosphäre...Nachteile/Kritik: Personal, zu eng gestellte Tische, für Rollstuhlfahrer nicht geeignet
„Die Genialität des Kochens besteht darin, das Wesen des Produktes nicht zu verändern, sondern nur zu vervollkommnen." Das ist ein Motto von Christian Rach, dem Geschäftsführer des Restaurants „Tafelhaus“ in Hamburg am Hafen und ich bin der Meinung, es ist ihm perfekt gelungen.
Das Tafelhaus ist inzwischen sicherlich eines der am schönsten gelegenen Restaurants Hamburgs! Es lohnt sich vor Besuch des Restaurants einen Blick auf die Elbe zu werfen, bei eintretender Dämmerung die Atmosphäre zu genießen und den beleuchteten Schiffen, Dampfern, Schleppern, Barkassen, Frachtern usw. zuzuschauen. Das Ganze strahlt eine so anheimelnde Ruhe aus, dass man das Gefühl bekommt, man sei im Urlaub und die vorüberfahrenden Schiffe seien „schallgedämpft“ ;))
Einen Blick hinüber zur Köhlbrandbrücke kann man auch wagen, denn nichts versperrt einem die Sicht.
Das Wetter am gestrigen Abend war wunderschön. Den ganzen Tag schien die Sonne und man konnte noch gegen 19.00 Uhr bei letzten Sonnenstrahlen einen Aperitif im Freien in einem der vielen Elbcafés genießen.
So eingestimmt betraten wir nun das „Tafelhaus“. Wie für jedes „Feinschmecker-Restaurant“ gilt auch für das Tafelhaus, dass man für so einen Besuch über das nötige „Kleingeld“ verfügen sollte ;)
... doch zunächst zur Geschichte:
Der Geschäftsführer Christian Rach gründete vor 15 Jahren das Tafelhaus zunächst im Bahrenfelder Industriegebiet am Holstenkamp 71. Am 5.3.2004 zog er dann mit seiner Crew ins „neue Tafelhaus“ nach Neumühlen um, ans „Tor zur Welt“, dem Hamburger Hafen. Es handelt sich mittlerweile um eins der 9 besten Restaurants Hamburgs (1 Stern).
Bevor man das Restaurant betritt, erblickt man den „Palast aus Beton und Glas“ von der Straße aus und muss zunächst ein paar Stufen überwinden, um dann die neue Location von Innen zu erblicken. Der rundum traumhafte Elbblick durch „Glaswände“ verzaubert und stimmt einen positiv.
Ein recht gewandter Oberkellner begrüßte uns, führte uns zur Rezeption, wo mit flinken Blicken des ca. 6-köpfigen Personals der von uns bestellte Tisch ermittelt wurde. Wir hatten in unserer schriftlichen Reservierung ausdrücklich darum gebeten, nicht mitten im Raum, sondern lieber etwas abseits platziert zu werden.
Nun wurden wir zu unserem reservierten Tisch begleitet, der sich mitten im Raum und daher so gar nicht abseits, geschweige denn unserer Reservierung entsprechend, befand! Wir baten den Oberkellner uns einen anderen Tisch zuzuweisen, was auch schnell geschah.
Das Ambiente war locker und dennoch gediegen. Die Stühle sind bequem und drehbar, so dass man immer wieder den schönen Ausblick nach allen Seiten genießen kann.
Obwohl es ein Donnerstag war, füllte sich die Location nach und nach bis auf den letzten Platz, aber die Geräuschkulisse wirkte sich trotz der großzügigen Räumlichkeiten nicht störend auf die Akustik aus. Um 19.00 Uhr öffnet das Restaurant seine „Pforten“, wir waren um 19.30 Uhr da und gegen 20.00 Uhr war kaum ein Tisch mehr frei und das, obwohl ca. 60 Personen in diesen Räumen Platz finden. Für Gesellschaften bis zu 100 Personen sind die Räumlichkeiten ebenfalls geeignet. Die Architektur des Raumes ist in einer „L-Form“ gehalten, mit indirektem, gedimmtem Licht und modernen Leuchtern ausgestattet und die nichtverglasten Wände sind holzvertäfelt oder bestehen aus blankem Granit. Rosenholz und nette Blumenarrangements
schmücken dezent Wände, Tische und Ecken.
Die Räume waren allerdings mangelhaft klimatisiert, es war zu warm und stickig.
Die 2er/4er Tische sind meiner Meinung nach zu eng gestellt, ein angenehmer Abstand zum nächsten Tisch wurde nicht eingehalten. Teilweise hat man den „Nachbarn“ unmittelbar mit dem Rücken zum Tisch sitzen. Die Größe der Tische wurde knapp gehalten, die Tischdekoration ist einfach mangels Platzangebot, weiße Leinentischdecken, kein Blumensträußchen, keine Kerze, kein Platzteller. Lediglich Besteck, Leinenservietten und Gläser für die diversen Weinsorten.
Apropos Weinsorten, die Weinkarte umfasst ca. 60 Seiten und wie ich später erfuhr ca. 550 Positionen. Das Angebot erschlug mich fast. Unsere Tischkellnerin war auch nicht in der Lage uns einen Wein zu empfehlen und wies uns lediglich auf das, ohnehin in der Karte befindliche, Wochenangebot hin, ½ Flasche Riesling für € 31,-.
Einen Sommelier gab es nicht.
Der Geschäftsführer war an diesem Abend auch nicht zugegen.
Am Tisch Platz genommen, konnten wir aus verschiedenen Aperitifs auswählen, wie z.B. Kir Royal, Champagner, einen trockenen Weißwein usw. Da wir keine Empfehlung oder Karte vom Kellner erhielten, sondern nur den Hinweis „was Ihr Herz begehrt“, entschieden wir uns für Champagner, der uns in fertig gefüllten Gläsern an den Tisch gebracht wurde. Nur unser Gaumen konnte nun die Marke ermitteln, was uns nur dahingehend gelang, dass wir ihn für keinen guten Champagner hielten, da er uns nicht schmeckte.
Mit dem Aperitif wurden uns die Speisekarten und ein Melonensüppchen im Likörglas überreicht, das uns als Willkommensgruß sehr gut mundete, appetitanregend und erfrischend wirkte.
Wir wählten kein Menü aus, sondern bestellten à la carte, wie folgt:
Gebratener Langustenschwanz auf dreierlei Art € 27
Carpaccio vom Ochsenfilet mit iranischem Osietra - Kaviar € 25
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Geschmorte Taube mit Dörrobst und 5 exotischen Gewürzen € 28
geschmorte Kalbsbäckchen mit Lauchtarte und Steinpilzen € 28
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Mokkamousse mit eingelegten Blaubeeren für 2 Personen, pro Person € 12
Nach unserer Bestellung wurde recht flink der bestellte Riesling serviert und in unsere Gläser eingefüllt. Dazu wurde frischgebackenes Brot mit gesalzener Butter und zweierlei Dips (Avocado-/Sourcreme) gereicht.
Als sogenannten „Gaumenkitzler“ überreichte uns der Koch persönlich ein Steinbeißerkräpfchen auf Zwiebelmarmelade, was unseren Appetit steigern und auf die Menüfolgen einstimmen sollte - mit Erfolg!
Kurz darauf folgte der 1. Gang unserer Bestellung:
Gebratener Langustenschwanz auf dreierlei Art und Carpaccio vom Ochsenfilet mit iranischem Osietra-Kaviar. Beides schmeckte nicht nur hervorragend, sondern wurde künstlerisch und liebevoll auf den Tellern dekoriert. Ein Lob an den hervorragenden Koch, der zu Recht mit 1 Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Ich persönlich ziehe den Beluga-Kaviar dem Osietra vor, weil er noch milder ist, aber das ist ja mal wieder reine Geschmackssache ;)
Leider war unsere Kellnerin etwas unversiert und unaufmerksam und schenkte die Gläser nicht nach :(
Zum 2. Gang wurde uns ebenfalls nur das Angebot der Woche empfohlen, ein sehr schwerer südafrikanischer Rotwein (Shiraz), der zur Geschmacksintensivierung noch in Barriquefässern gelagert wurde, für € 30 die halbe Flasche. Der Wein passte überhaupt nicht zum Essen und war eine absolute Fehlempfehlung des sich - allem Anschein nach - in der Ausbildung befindlichen Personals. Wir bereuten unsere Wahl, zumal der Geschmack des feines Hauptganges durch diesen Wein im wahrsten Sinne des Wortes „erschlagen“ wurde.
Die geschmorte Taube wurde goldbraun und im Ganzen, umrahmt von Dörrobst und an einer feinen Soße, vor mir serviert. Dazu reichte man Couscous. Ein wahrer Genuss *schwärm*.
Das Täubchen war äußerst zart und zerfiel fast auf der Zunge. Die Beilagen vervollkommneten den Geschmack noch. Ein Schälchen mit lauwarmem Wasser und 2 Zitronenscheiben wurde vorher an den Tisch gebracht, damit ich mir nach dem Genuss die Hände reinigen konnte.
Auch das geschmorte Kalbsbäckchen wurde nicht nur liebevoll in der Küche mit seinen raffinierten Beilagen auf dem Teller angerichtet, sondern war ein Hochgenuss der Extraklasse, mal ganz abgesehen von der Zartheit des Fleisches, das sicherlich vorher mariniert wurde. Auch hier rundeten die Beilagen das Bild und den Geschmack ab.
Es folgte nach einer kleinen Pause der 3. und letzte Gang:
Mokkamousse mit eingelegten Blaubeeren. Eine feine Abrundung dieses tadellosen Essens.
Danach bestellten wir noch 2 Espressi, um das Ganze zum Abschluss zu bringen. Die Espressi wurden mit „Petit Four“ serviert, eine durchaus gängige Nettigkeit solcher Häuser.
Trotz der bekanntlich kleinen Portionen waren wir angenehm satt und rundum zufrieden, was die Küche anbelangte.
Last but not least:
Die sanitären Anlagen. Fast hätte ich sie nicht gefunden, wenn mich nicht die Dame von der Rezeption abgefangen hätte. Wie hätte ich auch darauf kommen können, dass ich dem Schild „Garderobe“ folgen soll? Auch hier, wie so oft in Deutschland, wird aus dem Verbleib der Toiletten ein Geheimnis gemacht. Nunja, eine um die Ecke führende Treppe hinuntersteigend, stand ich nun vor einer Holztür ohne Türgriff und ohne Beschilderung. Nachdem ich sie aufgestoßen hatte, befand ich mich in einem Gang mit zwei Türen, auf denen einfache Plastikaufkleber "einen Mann" und "eine Frau" zeigten. Nun endlich den richtigen Eingang gefunden, stand ich wieder vor Holztüren, die mich an Campingplatztoilettentüren erinnerten. Nachdem ich den Raum betreten hatte, war ich dann aber doch angenehm überrascht, denn mit in dem Toilettenraum befand sich das Waschbecken. Wo hat man das schon? Das empfand ich als sehr positiv. Es war sauber und gepflegt und roch nicht unangenehm, im Gegenteil. Auch die bereitliegenden Stoffhandtücher, die man nach dem Gebrauch in einen bereitstehenden Eimer entsorgen konnte, fand ich sehr hygienisch, aber ebenfalls Baseline für Restaurants dieser Klasse.
Das Menü dieser Woche und dazu gehörende Preise:
Thunfisch im Pfeffermantel und kleine Gamba mit Curry
oder
Kürbissuppe mit gebratenen Jacobsmuscheln
*
Kabeljau auf Spinat und weißer Tomatenbutter mit Pansooti
oder
Lamm-/Bohneneintopf mit Pflaumenkuchen
*
geschmorte Kalbsbäckchen mit Lauchtarte und Steinpilzen
*
Schokoladenravioli mit karamellisiertem Pfirsichspieß und Tamarillosorbet
oder
frische Feige mit Ziegencamembert gratiniert
Salat mit geröstetem Brot, mariniertem Gemüse und gebratenem Wolfsbarsch € 17
Champignons mit wilden Gambas gefüllt auf Mango- Gurkensalat € 19
Gebratener Langustenschwanz auf dreierlei Art
€ 27
Bauernterrine mit Feigenmarmelade und kleinem Brötchen € 18
Geräucherte Wachtel mit Linsen, gehobelter Gänseleber und altem Balsamico € 19
Carpaccio vom Ochsenfilet mit iranischem
Osietra - Kaviar € 25
Matelote vom Zander mit Graupenrisotto und
Rotwein € 29
Steinbuttschnitte mit Roter Bete, Meerrettich
und Kerbel € 32
Seeteufel im Speckmantel mit Strauchtomaten
und Champagner-Senfsauce
2 Personen(30 min)pro Person € 31
Geschmorte Taube mit Dörrobst und 5 exotischen Gewürzen € 28
Gegrilltes Kalbskotelette mit Kartoffelknödel und Pfifferlingen € 29
Rinderfilet auf Heu im Salzteig gegart
ab 2 Personen(35 min)pro Person € 31
Ananascarpaccio mit karamellisiertem Rumparfait
€ 11
Pflaumendatschi mit "crème liquide" und Armagnaceis € 12
Mokkamousse mit eingelegten Blaubeeren
für 2 Personen, pro Person € 12
Fazit:
Ein - in vielen Städte-Guides mit 1-Stern ausgezeichnetes - Gourmet-Restaurant mit bester Lage in Hamburg und trotzdem fällt meine Kritik nicht ganz so positiv aus. Die Weinkarte ist zu umfangreich und erschlägt einen schier. Der Service lässt zu wünschen übrig, wirkt unsicher, teils unbeholfen und unaufmerksam, wie oben beschrieben. Außerdem scheint er, zumindest, was unseren Tisch betraf, aus Azubis zu bestehen.
Die Rechnung war auch mangelhaft. Uns wurde ein Wasser für € 7,- in Rechnung gestellt, das wir weder bestellt noch erhalten haben. Die Kellnerin reagierte etwas unhöflich auf unsere Reklamation und schob den Fehler ihrer Kollegin zu, entschuldigte sich dann jedoch. Der Preis wurde nicht ausgebucht, sondern nur handschriftlich verbessert.
Das großzügige Trinkgeld wurde ohne ein Wort des Dankes hingenommen.
Die Speisen sind erwartungsgemäß köstlich, liebevoll zubereitet und fast kunstvoll auf den Tellern angerichtet worden.
Die Lage könnte nicht besser und schöner sein.
Da für mich zu einem guten Essen auch ein guter Wein mit guter Beratung (Sommelier), der richtige Tisch und aufmerksames und gut geschultes Personal gehört, kann ich die volle Punktzahl nicht halten und vergebe deshalb nur 3 Sterne.
Auch ein wichtiges Thema ist, wie erreicht ein Rollstuhlfahrer das Restaurant? Die Toiletten sollten ebenerdig oder mit einem Fahrstuhl zu erreichen sein.
Die Anschrift:
Tafelhaus
Neumühlen 17
22763 Hamburg