Terracotta-Armee Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
beeindruckende Ausstellung
ein Testbericht von Grittilein2004-03-15 17:07:50vom 15.03.2004Empfehlung: ja
Vorteile: viel Infomaterial, geschichtliches über den ersten Kaiser von China...Nachteile/Kritik: teurer Eintritt
Vor einigen Wochen bin ich in den Genuss einer ganz besonderen Ausstellung gekommen: In Hamburg gab es eine Ausstellung über die legendäre Terracotta-Armee. Hierbei handelt es sich um originalgetreue Nachbildungen der ausgegrabenen Terracotta-Armee in China, die erst vor etwa 30 Jahren entdeckt worden sind. Für mich war diese Ausstellung ganz besonders interessant, denn so konnte ich mir diese Terracotta-Armee einmal aus der Nähe anschauen, ohne dass ich gleich nach China fahren musste.
Wie komm ich hin?
---------------------
In Hamburg ist diese Wanderausstellung am einfachsten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Am Bahnhof Dammtor kann man diese Zeltlandschaft, wo diese Ausstellung stattfindet, schon gut erkennen. Mit dem Auto dürfte es da schon schwieriger werden, denn es stehen eigentlich kaum Parkplätze zur Verfügung. Wir hatten hier nur das Glück, dass wir zufällig einen Parkplatz in der Rotenbaumchaussee gefunden hatten. Von hier aus sind es etwa 800 Meter noch bis zur Ausstellung und bei schönem Wetter war es sehr angenehm. Für auswärtige muss man nur die Bundesstrasse B5 folgen und man kommt hier direkt an der Ausstellung vorbei. Aber für Hamburger ist es dann doch am einfachsten, wenn man mit der S-Bahn bis Dammtor fährt und von hier aus muss man nur noch über die Hauptverkehrsstrasse gehen.
Die Öffnungszeiten
----------------------
In Hamburg gastiert diese Ausstellung vom 23. August bis 16. November 2003 jeweils von 10 Uhr bis 20 Uhr. In der kälteren Jahreszeit ist übrigens das Zelt auch beheizt, so dass man hier auch nicht zu frieren braucht.
Aber diese Wanderausstellung gastiert demnächst auch in anderen Städten. So sind folgende Ausstellungen schon geplant:
- Berlin, Januar bis Juni 2004
- Wien, Juni bis November 2004
- Graz, noch kein fester Termin
Zur Geschichte
-------------------
Wer sich für dieses Thema interessiert, möchte ich hier kurz erwähnen, wie es zu dieser Terracotta-Armee überhaupt gekommen ist.
Der erste chinesische Kaiser Shi Huang Di hat sich als Oberhaupt eines der sieben streitenden Reiche durchgesetzt und sich alle anderen Reiche einverleibt. Aus diesem Grunde geht er auch als erster Kaiser von China in die Geschichte ein. In China ist Shi Huang Di übrigens so berühmt, wie beispielsweise in Europa Napoleon. Dies zeigt, welch großen stellenwert der erste Kaiser von China auch heute noch hat. Aber es gibt auch Geschichten um diesen einstigen Helden, die nicht so schön sind. Shi Zuang Di wird bereits im Alter von 13 Jahren im Jahre 246 v. Chr, zum König gekürt, nachdem sein Vater verstorben ist. Er hat schon in jungen Jahren diejenigen beseitigt, die ihm bei der Alleinherrschaft gefährlich werden könnten. Shi Huang Di heißt übrigens übersetzt "König der Könige".
Die legendäre Tonarmee, die der erste Kaiser fertigen ließ, konnte er übrigens zu Lebzeiten nicht mehr vollendet begutachten, denn im Jahre 210 v. Chr. verstarb er 50jährig auf einer Inspektionsreise. Die Tonarmee liegt in der Provinzstadt Shaanxi, nahe dem Berg Li. Der erste Kaiser hatte diesen Ort gewählt, weil es hier ein großes Gold- und Jadevorkommen gibt. Die Bauarbeiten dauerten insgesamt über 38 Jahre und begannen bereits 246 v. Chr. An diesem sog. 8. Weltwunder haben teilweise bis zu 700.000 Arbeiter teilgenommen und ist eine Anlage unvorstellbaren Ausmaßes. Die Grabanlage mit der
Tonarmee verteilt sich insgesamt auf über 14.000 Quadratmeter. Zu sehen sind hier neben einer Tonarmee auch Pferde und Kutschenwagen. Leider sind inzwischen aber auch einige Teile zerstört worden, weil damals das erste Kaiserreich durch einen Aufstand der Bürger wieder zerschlagen wurde und ein Großteil dem Feuer zum Opfer fiel.
Erst 1974 wurde diese Tonarmee eher durch Zufall wiederentdeckt, als bei Bauarbeiten zu einem Brunnen plötzlich Terracotta-Figuren gefördert wurden. Dies führte damals zu einem weltweiten Aufsehen und inzwischen zählt diese Terracotta-Armee zum 8. Weltwunder.
Interessant war für mich zudem, dass bereits vor über 2000 Jahren die Chinesen mit einer Chromsalzlösung gearbeitet hatten, die die Tonfiguren vor dem Zerfall retten sollten.
Was ist in der Ausstellung zu sehen?
---------------------------------------
Natürlich handelt es sich bei den Tonfiguren nicht um die Originale aus China, aber diese Nachbildungen wurden in den Original-Öfen in Originalgröße gefertigt und das Endprodukt kann sich hier durchaus sehen lassen. Man bekommt als Besucher einen kurzen Überblick über die chinesische Geschichte und große Tafeln erläutern recht anschaulich, wie es zu dieser Tonarmee gekommen ist.
Was mich besonders faszinierte, dass ein großes Modell von vielleicht 20 Quadratmeter mit kleinen Ton-Figuren einen Überblick über die große Fläche der Tonarmee schaffen. Im dahinterliegenden Raum gibt es schließlich einen kleinen Auszug aus diesem Modell mit den originalgetreuen Terrakotta-Figuren. Denn die gesamte Anlage konnte man hier natürlich nicht nachbilden, denn sonst hätte man ja über 14.000 Quadratmeter Fläche haben müssen und diese sind in Hamburg sicherlich schwer zu finden.
Zum Abschluss der Ausstellung kann man sich übrigens noch eine kleine Dokumentation über den ersten Kaiser von China anschauen, wo dargestellt wird, wie es zu dieser Terrakotta-Armee gekommen ist und wie sie wiederentdeckt wurden. Der Film hat etwa eine Länge von 20 Minuten und wird hier ständig gezeigt.
Sehr anschaulich waren auch die Modelle der Öfen, mit denen die Figuren gebrannt werden. Auch sehr interessant fand ich, wie die Terrakotta-Figuren transportiert werden, denn bei dieser Wanderausstellung darf natürlich auch nichts kaputt gehen und da müssen die Figuren sehr gut verpackt werden.
Insgesamt habe ich für den Besuch dieser Ausstellung etwa 90 Minuten benötigt. Ich habe in der Ausstellung aber auch etwas länger verweilt, denn diese Ausstellung werde ich bestimmt so schnell nicht wiedersehen.
Die Preise
-------------
Jetzt komme ich leider zu einem Punkt, den viele sicherlich abschrecken werden: Die Preisliste. Der Eintrittspreis für diese Ausstellung beträgt nämlich 9,50 €. Aber diesen Preis finde ich allerdings in keinster Weise zu hoch angesetzt, denn man bekommt hier immerhin eine Ausstellung zu Gesicht, die man sonst nur in China sehen kann. Insgesamt sind hier immerhin 122 lebensgrosse Terrakotta-Figuren zu bewundern und dies sieht man nicht alle Tage. Bei diesen Figuren kann man z.B. Infanteristen, Bogenschützen und auch 8 originalgrosse Pferde bewundern. Zusätzlich kann man sich ja auch noch das Modell im Maßstab 1:10 ansehen, wo über 1000 Krieger zu sehen sind und kein Krieger sieht so aus, wie der andere.
Gruppen ab 20 Personen bekommen übrigens ein Sonderangebot von 8 Euro.
Meine Meinung
-----------------
Ich habe es nicht bereut, mir diese Ausstellung anzusehen und wer die Möglichkeit hat, sich diese Ausstellung noch anzusehen, sollte diese Gelegenheit auf jeden Fall nutzen. Mir hat sie besonders gut gefallen und sie wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Sie hat mir auch die Augen geöffnet und ich bewundere manchmal die Chinesen, die vor über 2000 Jahren dieses eindrucksvolles Kunstwerk produziert haben.
Wer also einmal wieder in Hamburg ist, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen. Mir hat sie sehr gut gefallen und ich kann sie wirklich weiterempfehlen.
...