Autofahren in Frankreich Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Bon Voyage!
ein Testbericht von LosGatos2005-08-13 11:57:40vom 13.08.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Weitgehend entspanntes Fahren...Nachteile/Kritik: Hohe Strafen bei Verkehrsdelikten
Wer in Frankreich Urlaub macht, ist meist mit dem Auto unterwegs, es sei denn, man ist in der Stadt der Liebe und auf der Suche nach dieser. Denn dort ist ein Auto schließlich eher hinderlich in Anbetracht des hohen Verkehrsaufkommens und der schwierigen Parkplatzsituation in Paris.
Auf unserem Weg in die Bretagne mussten auch wir kürzlich Frankreich von Osten nach Westen durchqueren. Wenn auch die Verkehrsregeln in unserem westlichen Nachbarland im wesentlichen die gleichen sind wie bei uns und auch keine ungewohnten Erschwernisse wie Linksfahren zu bewältigen sind, so hat jedes Land dennoch ein paar Eigenheiten.
In Frankreich gibt es auch auf Autobahnen ein Tempolimit. Schneller als 130km/h darf nirgendwo und niemals gefahren werden, bei Regen sogar nur 110km/h. Es ist allerdings die Frage, ob die französischen Autobahnen für den Urlauber überhaupt in Betracht kommen, schließlich sind sie meist gebührenpflichtig. Somit haben wir uns auf der Hinfahrt entschieden, ausschließlich mautfreie Straßen zu benutzen. Auf einigen Autobahnen, nämlich dort, wo es keine Alternativen gibt, sind auch diese gebührenfrei. Hat man Straßennutzungsgebühren zu zahlen, wird man durch den Zusatz "Péage" auf Wegweisern darauf hingewiesen. Dann hat man rechtzeitig Gelegenheit, auf eine parallel verlaufende Landstraße auszuweichen. Hier darf man oft auch bis zu 110km/h (wenn zweispurig, sonst 90km/h) fahren. Der Nachteil, soweit man das überhaupt als solchen sehen will, liegt nur darin, dass man viele Ortschaften durchfahren muss, die natürlich die Reisegeschwindigkeit reduzieren. Aber im Urlaub sollte man ja etwas mehr Zeit mitbringen. Und schließlich will man ja auch während der Fahrt einige Eindrücke vom Land erhalten. In Ortschaften ist meist wie bei uns Tempo 50 oder oft auch Tempo 30 erlaubt. Viele künstliche Bodenwellen ("schlafende Polizisten") sorgen dafür, dass man sich auch daran hält. Außerdem sind in Frankreich noch viel mehr als in Deutschland Radargeräte installiert. Ich spreche hier ausdrücklich nicht von Radarfallen, denn der Autofahrer wird meist durch eine vorher angebrachte Hinweistafel gewarnt, dass er damit rechnen muss, geblitzt zu werden, wenn er zu schnell fährt.
Diese Maßnahmen führen dazu, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen meist strengstens befolgt werden. Die Franzosen fahren i. a. sehr bedächtig und weniger hektisch. Sicher gibt es da wie überall auch Ausnahmen. Verkehrsrowdies gibt es natürlich auch in Frankreich, und besonders in Großstädten, und da vor allem in Paris, gelten ganz andere Verhaltensweisen. Diese Gelassenheit mag zum einen in der Mentalität der Franzosen liegen, die sich auch nichts dabei denken, mitten auf der Fahrbahn nach dem Weg zu fragen und den nachfolgenden Verkehr dabei minutenlang warten zu lassen, was auch selten Unwillen auslöst. Zum andern ist das strikte Einhalten der Verkehrsregeln aber sicher auch Folge der vergleichsweise drakonischen Strafen bei Verfehlungen.
Wer nur 20km/h zu schnell fährt, dem drohen gleich 90€ Strafe. Kurz vor Verlassen des Landes haben auch wir einmal eine Radaranlage ausgelöst, weil LosGatos' Freundin die entsprechende Warnung übersehen hatte und deshalb das Limit von 110km/h vielleicht um 10km/h überschritten hatte. Wären wir angehalten worden, hätten wir an Ort und Stelle zahlen müssen. Wer sich dort weigert, muss damit rechnen, Auto und/oder Führerschein beschlagnahmt zu bekommen. Da aber keine Sofortkasse
stattfand, müssen wir auch nicht mehr damit rechnen, nachträglich zur Kasse gebeten zu werden. Denn im Gegensatz zu Österreich gibt es zwischen Deutschland und Frankreich noch keine bilateralen Vereinbarungen, Bußgelder auch über Landesgrenzen hinweg einzutreiben. Und da seit dem Schengener Abkommen auch die Grenzkontrollen zwischen Deutschland und Frankreich der Vergangenheit angehören, entfällt auch die Möglichkeit, beim nächsten Besuch des Landes den Zutritt zu verweigern, falls noch eine Rechnung offen sein sollte.
Auch für andere gängige Verkehrsdelikte wie bei Rot über die Ampel oder Überholen im Überholverbot geht nichts unter 90€. Alkohol am Steuer kostet gleich 750€, die Promillegrenze liegt bei 0,5. Fahranfänger (in den ersten zwei Jahren) müssen in Frankreich noch 10-20km/h langsamer fahren, als das Tempolimit für die jeweilige Straße hergibt. Man erkennt sie am Buchstaben A auf der Heckscheibe.
Da wir auf der Rückfahrt eine zusätzliche Übernachtung vermeiden wollten, haben wir uns entschieden, teilweise von den gebührenpflichtigen französischen Autobahnen Gebrauch zu machen. Bei der Auffahrt muss man ein Ticket ziehen, am Ende, manchmal auch auf Teilstrecken, bezahlen, was bar oder per Kreditkarte möglich ist. Außerdem gibt es auch elektronische Kontrollsysteme mit automatischer Erfassung für Vielfahrer. Für 150 km haben wir um die 10€ bezahlt.
Lagen Benzinpreise schon in den 70ern in Frankreich auf internationalem Rekord-Niveau, hat Deutschland hier durch ständige Steuererhöhungen längst aufgeholt. Heute liegen die Preisunterschiede allenfalls im Bereich überregionaler Preisdifferenzen in Deutschland. Es gibt bleifreies Benzin ("sans plomb") mit Oktanzahlen 95 und 98 sowie Diesel ("gasoil"). An Tankstellen in Frankreich kann i.d.R. auch überall mit den gängigen Kreditkarten bezahlt werden.
Was das Parken angeht, habe ich weder übermäßig hohe Gebühren ausmachen können noch die Notwendigkeit, überall überhaupt welche bezahlen zu müssen. Zwar ist in den Innenstädten das Kurzparken häufig mit dem Kauf eines Parkscheins verbunden, doch gibt es meist auch Parkplätze, wo das Auto kostenlos abgestellt werden kann.
In den Städten wird der Fernverkehr meist mit dem Wegweiser "Toutes Directions" (Alle Richtungen) bzw. , falls einzelne Ziele explizit ausgewiesen sind, mit "Autres Directions" (Andere Richtungen) bedient. Auch wenn man Großstädte dabei meist am Rand umfahren kann, muss man dabei oft bis zu 20 mal einen Kreisverkehr durchkreuzen. Das ist zwar etwas nervig. Aber man stelle sich einfach vor, anstelle jedes Kreisverkehrs würde man auf eine rote Ampel treffen. Das wäre mit Sicherheit noch nerviger. Die Regeln im Kreisverkehr sind dieselben wie in Deutschland. Dennoch wird man vor dem Einfahren meist zweimal (auf französisch) zusätzlich zu den bekannten Verkehrszeichen darauf hingewiesen, dass man bei der Einfahrt in den Kreisverkehr keine Vorfahrt hat.
Eine Besonderheit in Frankreich sind 3spurige Straßen als Landstraßen, bei denen die mittlere Fahrspur von Fahrzeugen beider Fahrtrichtungen genutzt werden kann. Hier ist also allerhöchste Vorsicht geboten. Beim Fahren auf der Autobahn habe ich festgestellt, dass das Rechtsfahrgebot in Frankreich fast pedantisch genau befolgt wird, etwa in der Art, wie es in Deutschland eher vom Typ "Oberlehrer" praktiziert wird. D.h. auch wenn abzusehen ist, dass nach 200m schon der nächste Laster überholt werden muss, wird trotzdem nach rechts eingeschert. Das hängt sicher damit zusammen, dass Geschwindigkeitsbeschränkungen (s.o.) auch während eins Überholvorgangs hier sehr ernst genommen werden. Und wenn ein Überholvorgang stattfindet, wird er meist nicht bereits 100-200m vor dem zu überholenden Fahrzeug eingeleitet, sondern der Franzose neigt dazu, bis auf 10m-15m an einen Lastwagen heranzufahren und dann erst auszuscheren. Eine andere Marotte vieler Franzosen ist, dass sie ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Blinker zu haben scheinen. Sie betätigen ihn nicht gerne, und wenn, dann schalten sie ihn bis zur nächsten Benutzung womöglich nicht wieder ab.
Wie bereits erwähnt, gibt es neben den gängigen Verkehrszeichen auch sehr viele verbale Hinweisschilder, was den der französischen Sprache nicht mächtigen Besucher nicht nur nicht weiterhilft, sondern möglicherweise gar verwirrt. So gibt es sehr häufig den Hinweis "Carrefour". Hier handelt es sich in den seltensten Fällen um einen Wegweiser zu einer Filiale der großen französischen Supermarkt-Kette, sondern einfach um den Hinweis auf eine Kreuzung (="carrefour"). In dem Zusammenhang fällt mir ein, dass einst französische Bekannte von mir sich bei einem Besuch in Deutschland darüber gewundert hatten, dass, egal, wo man sich auf der Autobahn befindet, überall ein Wegweiser nach "Ohsfart" stehen würde.
Wer in Frankreich unterwegs ist, wird zwar gelegentlich auch an einem Carrefour-Supermarkt vorbeikommen, der Deutsche kann sich jedoch richtig heimisch fühlen, denn fast jede Ortschaft in Frankreich hat einen "Lidl". Diese bei vielen Deutschen trotz der fehlenden sozialen Kompetenz beliebte ALDI-Konkurrenz ist in Frankreich in der Tat noch stärker vertreten als bei uns. Zwar bin ich auch im Ausland immer auf der Suche nach Feinkost-Spezialitäten, doch leider konnte mir mein Wörterbuch beim Begriff "Kornnatter" nicht weiterhelfen, sodass ich von einem Besuch bei Lidl in Frankreich Abstand genommen habe. Andererseits wäre es im Lande der Schnecken- und Gänsestopfleberesser ja durchaus denkbar gewesen, endlich auf die langersehnte Spezialität zu treffen.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, das Autofahren in Frankreich ist, abgesehen von Großstädten, sehr viel entspannter als bei uns. Somit wird man auch nicht zu Verkehrsdelikten verleitet, die einen teuer zu stehen kommen können. Bon voyage!
Copyright LosGatos
Erstveröffentlichung 28.7.2005
Veröffentlicht außer bei Ciao derzeit nur noch bei Yopi
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topfmops, 06.10.2005
auch das hoffentlich nur vorübergehende - chaos hier hält mich nicht davon ab, weiterzulesen, zu bewerten und zu kommentieren: SH
Börsenfeger, 31.07.2005
.. dann muumlsste ich nicht so oft Nachts arbeiten!
Gruszlig
Boumlrsenfeger
BaBy1987, 03.08.2005
brauchen wir fuumlr einige auch! doch..das find ich gar nicht so verkehrt! naja ich braumluchte sowieso erstmal fuumlhrerschein lg Pia