Das Oderbruch ist eigentlich bekannt durch das Gemüse. Die Landwirtschaft ist auch heute noch ein wichtiger Faktor in unserem Leben hier. Aber es gibt auch andere sehenswerte Dinge in unserer Umgebung. So haben wir zum Beispiel auch ein Stück Geschichte geschrieben. Ich möchte nur an die Schlacht auf den Seelower Höhen 1945 erinnern. Aber schon weit früher spielte sich bei uns im Oderbruch einiges entscheidendes ab.
In Küstrin (heutiges Kostrzyn in Polen) gab es schon vor dem ersten Weltkrieg eine Festung, welche aus taktischen Gründen durch einen Fort-Gürtel, bestehend aus vier Festungen, geschützt wurde. Die Standorte der Forts waren Gorgast, Zorndorf, Säpzig und Tschernow. Das Fort Gorgast ist das am besten erhaltene.
Erbaut wurde das Fort Gorgast zwischen 1883 und 1889. Es sollte das westliche Ufer der Oder kontrollieren sowie einen Rückzugsraum für Truppen bieten. Das Fort wurde auf Ackerland aus Sichtziegeln erbaut und ist von einem Wassergraben umgeben. Die Form des Forts erinnert aus der Luft gesehen sehr an einen Schmetterling. Das Fort war ausgelegt für eine Besatzung von bis zu 310 Mann (200 bis 300 Infanteristen und 60 ) und besteht aus eingeschossigen Sichtziegelbauten.
Die Geschichte und Funktionsweise des Bauwerkes lässt sich bis heute nur lückenhaft rekonstruieren, denn es fehlt an Archivmaterial. Auch Zeitzeugen aufzutreiben, ist ein schwieriges Unterfangen. Aus Überlieferungen weiß man heute, dass das Fort den 1. Weltkrieg unbeschadet, den 2. Weltkrieg mit einigen Wunden überlebte. Das Fort wurde von der Roten Armee besetzt, die Teile des Forts nach 1945 durch Sprengung zerstörte Zu DDR-Zeiten war dann die NVA im Fort untergebracht. Die ostdeutsche Armee nutzte das Fort zum größten Teil als Munitionslager. Das Personal wurde zum Schweigen verpflichtet. Viele schweigen noch heute. Das NVA veränderte auch einige Fassaden des Forts. So wurden die Fenster des zweiten und dritten Walls entfernt und durch große Blechtore ersetzt. Dadurch konnten die Kasematten mit LKW´s befahren werden. Die Bahnlinie Polen-Berlin hatte ein Nebengleis, welches direkt zum Fort führte. Die LKW´s brachten die gelieferte Munition von der Außenwelt ungesehen in das Lager. Nach der deutschen Wiedervereinigung ging das Fort in den Besitz der Gemeinde Gorgast über, die sich zusammen mit einem Förderverein um den Erhalt und Wiederaufbau bemüht.
Wie muss man sich das Fort vorstellen?
Wer sich dem Wassergraben und dem darin aufgeschütteten Straßendamm nähert, betritt den ehemaligen ''Waffenplatz". Dies ist der einzige Zugang zum Fort. Der Platz und der Anfahrtsweg sind von Schiessscharten umgeben. Das Blockhaus, das noch heute, wenn auch nicht vollständig, zu sehen ist, stand früher in der südlichen Ecke.
Hinter dem Wassergraben führte der einzige Eingang zur Schanze durch einen schmalen Korridor des Torhauses. Ein Gitter, zwei massive Tore und eine Fallbrücke sicherten ihn ab.
Wenn man den ersten Hof des Werkes betritt, sieht man sofort den mächtigen Kasernenblock, in dem die Besatzung untergebracht war. Neben Schlafräumen gab es eine Küche, Waschräume, Stauraum für die verschiedensten Vorräte, und einen tiefen artesischen Brunnen, der bis heute noch funktionsfähig ist.
Der Eingang in der Mitte der Kaserne führt in einen langen Flur (die sogenannte ''Kapitalpoterne''), der von einer starken Erddecke
bedeckt ist. Im vorderen Teil befanden neben den Unterkünften ursprünglich auch technische Einrichtungen wie Werkstätten, Magazine und Aufzüge. Im linken Flügel befand sich der Pulverraum, der wiederum in mehrere voneinander getrennte Räume unterteilt war. In den separaten Kammern wurde die mit Schwarzpulver gefüllte Munition und ein Handvorrat an Fertigmunition aufbewahrt. Eine spezielle Lüftungsanlage sorgte für das nötige Klima. Gleichbleibende Temperatur und Luftfeuchtigkeit waren sehr wichtig. Auch wenn diese Lüftungsanlage heute leider nicht mehr richtig funktioniert, ist die Temperatur in den Kasematten Sommer wie Winter gleichbleibend bei etwa 11 °C. Die Luftfeuchtigkeit ist aber inzwischen sehr hoch, auch ein stetiges Lüften hilft nicht wirklich. Die Lüftungsschächte sind durch Kriegseinwirkungen und natürlichen Verfall größtenteils verschüttet und verhindern dadurch die Luftzirkulation.
Von der Frontkaserne führten drei Poternen zu den Unterständen in den vorderen Bereich des Forts auf der Ebene des Infanteriewalls. Neben den Garagen für die Schnellfeuerkanonen gab es hier auch mehrere Unterkünfte für Schützen, sowie auch Latrinen (diese sind noch heute zu sehen, wenn auch nicht mehr funktionsfähig), die sich am Ende der Außenflügel befanden. Die Unterstände dienten den Besatzungen beider Bastionen als Zuflucht. Die Poterne auf der Werksachse führte in einen versenkten Unterstand, durch dessen seitliche Ausgänge die beiden benachbarten Fronten des Infanteriewalls schnell besetzt werden konnten.
Auf der Werksachse befand sich ein großes Treppenhaus, in dem sich auch ein Bereitschaftsraum befand. Außer diesem gab es an den Flanken des Artilleriewalls zwei einfache Unterstände, die zur Lagerung des Handvorrats an Munition gedient haben . Leider wurden diese Anlagen von der Roten Armee gesprengt und sind bis heute noch nicht freigelegt worden.
Durch den Verein "Fort Gorgast e.V." wird die historische Bausubstanz langsam wieder hergestellt. Ein schwieriges Unterfangen, denn es gibt keinerlei Aufzeichnungen darüber. Zum Glück ist das Fort Zorndorf an den im Fort Gorgast zerstörten Stellen noch relativ gut erhalten und bietet Anschauung.
Wann kann man das Fort besichtigen?
Öffnungszeiten ganzjährig
Montag bis Freitag : 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Von April bis Oktober zusätzlich Sonnabend und Sonntag : 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr
Führungen sind nach Voranmeldung unter 033472 - 51632 möglich.
Eintrittspreise
Besichtigung der historischen Anlage :
Erwachsene 2,00 Euro
Kinder 1,00 Euro
Rentner 1,50 Euro
Gruppen ab 20 Personen 1,50 Euro
Führungen durch die historische Anlage :
Erwachsene 3,00 Euro
Kinder 1,50 Euro
Rentner 2,50 Euro
Gruppen ab 20 Personen 2,50 Euro
Welche Veranstaltungen finden statt?
Ende April findet im Fort Gorgast jährlich ein Militärhistorisches Treffen statt, welches mehr und mehr ein Magnet für Zuschauer wird. Die langen Kerls in ihren stattlichen Uniformen imponieren schon sehr und erinnern an vergangene Zeiten. Kanonenschüsse und Kampfdarstellungen gehören dazu.
Im Juli ist das Fort Ziel für sangeslustige Gruppen, die die fantastische Akustik im Hof des Forts nutzen wollen. Die Musik ist nicht jedermanns Geschmack, wird aber von den umliegenden Dörfern akzeptiert.
Im Advent findet jährlich in den Kasematten ein gemütlicher Weihnachtsmarkt statt. Die Atmosphäre ist ohne Gleichen. Die für den Winter angenehme Temperatur in den Kasematten lockt jährlich Hunderte Besucher. Neben Glühwein, Fischsuppe und Waffeln können viele weihnachtliche Sachen erstanden werden. Eine Kasematte wird zum Kinosaal und verzaubert die kleinen Gäste mit Märchenfilmen. Der in dem ersten Wall untergebrachte örtliche Modellsportverein präsentiert seine neuesten Modelle.
Über das Jahr verteilt finden immer wieder viele interessante Veranstaltungen statt. Die Termine kann man der Internetseite des Vereins www.fort-gorgast.de entnehmen.
Der große Vorplatz des Forts wird regelmäßig für Konzerte und Kinderfeste genutzt. Das Fort selbst wird dabei allerdings nicht genutzt. Am Kindertag war erst wieder ein riesiges Kinderfest mit Hopseburg, Karussell und vielen, vielen Spielen dort. Meine Kinder waren begeistert.
Wie findet man das Fort Gorgast?
Mit der Bahn von Berlin-Lichtenberg Richtung Küstrin Kietz.
In Gorgast aussteigen und dann ca. 10 Minuten Fußweg bis ins Fort Gorgast.
Mit dem Auto aus Berlin auf der B1 in Richtung Küstrin Kietz. An der
Ampelkreuzung in Manschnow nach links abbiegen, dann nach 250 Metern wieder links abbiegen. Es ist dort gut ausgeschildert.
Aus Richtung Frankfurt/Odre fahren sie auf der B 112 entlang in Richtung Manschnow. An der Ampelkreuzung in Manschnow geradeaus. Nach 250 Metern links abbiegen.
Aus Richtung Bad Freienwalde auf der B 167 bis Seelow fahren, dann in Seelow an der Ampelkreuzung links abbiegen auf die B1 in Richtung Küstrin Kietz. An der Ampelkreuzung in Manschnow nach links abbiegen, dann nach 250 Metern wieder links abbiegen.
Ich hoffe, ich habe euch nun ein wenig neugierig gemacht. Nicht nur Geschichts-Interessierte werden Gefallen an der gut erhaltenen Festung finden. Von mir gibt's auf jeden Fall 5 Sterne und eine Empfehlung für den nächsten Ausflug. Für kleinere Kinder ist das Fort zwar nicht sehr interessant, größere wissbegierige Kinder kommen allerdings voll auf ihre Kosten.