Ile d'Oléron
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Ile d'Oléron Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

w.gruentjens

Atlantikperle mit Austern

ein Testbericht von 2003-05-06 12:23:08 vom 06.05.2003
Empfehlung: ja
Wind, Sonne, Strände, Dorfstraßen mit Malven, frische Austern und Krustentiere, Sehenswürdigkeiten, Fischerhäfen, viele Vogelarten, Charme - das und vieles mehr findet man an der Atlantikküste Frankreichs. Wer eine gute Mischung aus dem Charakter der dänischen Nordseeküste und der französischen Mittelmeerküste sucht, der wird hier fündig. Und eine der Perlen der Atlantikküste ist die Oléron.

Sie liegt mitten an der Atlantikküste zwischen der Nordwestspitze und der spanischen Grenze.

Wir haben gerade zum dritten Mal unseren Urlaub auf der Ile d'Oléron verbracht, und es wird nicht der letzte Urlaub dort sein, denn wir lieben das Meer, besonders den Atlantik, und wir können ihn mit dem Auto in etwa 12 Stunden erreichen, so dass unser Katertier, das nicht allein gelassen werden kann, mitfahren kann. Dort bewohnt er dann in der Ferienwohnung das Bad - keine große Umstellung, denn auch zu Hause wohnt unser Kater Balthasar im Bad.

Die Ile d'Öléron ist mit dem Festland durch eine Brücke verbunden und ist etwa 30 km lang und im Schnitt 6 km breit - also ist es fast egal, wo man wohnt, man kann alles erreichen, wenn man 30 Minuten fährt. Und es lohnt sich, die verschiedenen Gegenden und Orte zu besuchen. Sie hat viele Sandstrände, die meisten mild, aber der Grande Plage ist wild und unser Liebling. Es gibt schöne Fischerdörfer, viel Tourismus, Wander- und Radfahrmöglichkeiten und die Marais, in denen man Vögel beobachten kann. Und - diese Perle des Atlantik produziert fast alle Austern Frankreichs.


WETTER UND INSELLAGE

Der Hauptvorteil der Insellage liegt darin, dass es hier ca. 14 Prozent mehr Sonnenstunden gibt als auf dem Festland - oft genug erleben wir es, dass wir in der Sonne sitzen und, wenn wir uns zum Festland drehen, eine geschlossene Wolkendecke betrachten können. So hatten wir auch jetzt 13 herrliche Tage, davon 10 reine Sonnentage, während es auf dem Festland schlechtes Wetter war. Wenn man Wert auf gutes Wetter legt, so scheint es mir nach unseren bisherigen Erfahrungen geraten, den Urlaub in die zweite Julihälfte oder evtl. sogar später zu legen, davor ist das Wetter erfahrungsgemäß durchwachsener.

Ein weiterer Vorteil der Insel liegt darin, dass sie Strände der verschiedensten Lage, Art und Gefährlichkeit hat. Ist der Wind an den westlichen Stränden zu stark, so setzt man sich wieder ins Auto und ist nach 10 Minuten an einem Strand, an dem es sich gut aushalten lässt. Ich gehe noch unten im Absatz "Strände" darauf ein.


AUSTERN UND KRUSTENTIERE

Eine große Attraktion der Insel besteht darin, dass dort Austernzucht, Muschelzucht, Fischfang, Fang von Crevetten, Langustinen und Hummern vorherrschen. An fast allen Straßen - auch Durchgangsstraßen - und auf allen Märkten kann man sich hier mit frischen Austern, Muscheln und Krustentieren bis hin zu Hummern versorgen und damit die Siesta, die bei starker Sonneneinstrahlung angebracht ist, mit dem Zubereiten und Verzehren von Köstlichkeiten verbringen.

Wer es versäumt hat, sich rechtzeitig einzudecken, und noch am Abend kochen will, der sollte allerdings darauf gefasst sein, dass die eine oder andere Stelle schon geschlossen ist. In Boyardville aber kann man auf dem Markt bis 19 Uhr frische Seetiere erstehen, und zwar günstiger als an den meisten anderen Stellen.


EINKAUFSMÖGLICHKEITEN

Nach der Ankunft empfiehlt sich ein Grundeinkauf in einem preisgünstigen Laden, insbesondere im LIDL in Saint-Pierre oder im Intermarché in Dolus. Für die kleinen Einkäufe danach ist am besten der Marché U in Le Grand-Village-Plage geeignet, weil er günstige Preise mit guter Qualität verbindet.

Frisches Meergetier kann man in allen Supermärkten, auf allen Märkten und an den häufig anzutreffenden Verkaufsständen von Fischern selbst kaufen. 12 Austern kosten etwa 2 €, 1 kg Muscheln etwas mehr, Langustinen ca. 12 € im Kilo, gekochte Crevetten allerdings 20 €.

Wer bis in den Abend hinein bummeln und shoppen will, der kann dies in fast allen Hafenstädten tun - in La Cotinière und Boyardville ist dies besonders zu empfehlen. Wer lieber normale Geschäfte der gehobenen Klasse hat, ohne dass der Touristenrummel im Vordergrund steht, der sollte ins Zentrum von Saint-Pierre gehen - aber da schließt alles um 19 Uhr. In dieser Stadt findet sich auch alles, was eher städtisch als touristisch ist, also auch Banken und Versicherungen und der Hypermarché LeClerc.

Wer bereit ist, etwas Arbeit für eine besondere Delikatesse zu investieren, der kann bei Ebbe nach den gelb-grauen Muscheln im Meeresboden graben und sie in einem Eimer oder einer Flasche mit Meerwasser sammeln. Sie werden wie Miesmuscheln zubereitet.


EIN TYPISCHER TAG

Nach dem Petit déjeuner, das bei uns aus einer Tasse Kaffe (am besten: Pur Arabica) besteht, fahren meine Frau und ich zum nächsten Bäcker in La Cotinière. In der Zeit können sich die Kinder waschen und anziehen. Neben dem Bäcker ist noch ein Geldautomat, ein Zigarettenladen, ein Büchergeschäft, ein Geschäft mit indischen Blüschen, und so ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder (Dominik, 20, und Patricia, 16), meist tatsächlich fertig sind, wenn wir wieder zurückkommen. Dann gibt es auch das déjeuner, nämlich...

Baguette mit Mousse de fois, anschließend Mascarpone mit Gelee,,,, und der Rest des Haushalts wird erledigt. Dann geht es erst einmal an unseren Lieblingsstrand. Erst einmal bedeutet: Es kann sein, dass es dort zu windig ist, dann muss ein anderer Strand her - an der Süd- oder Ostseite. Wenn wir genug Sonneneinstrahlung haben, gehen wir zurück zum Auto, es wird eingekauft, was noch fehlt, und dann wird zu Hause gekocht. Zum diner gibt es Artischocken und Krustentiere, danach Fisch oder Lamm mit Salaten.

Am frühen Abend fahren wir dann noch einmal an einen Strand, oder, wenn das Wetter dafür zu schlecht ist, besuchen wir einen Ort, eine Sehenswürdigkeit wie den Leuchtturm - Phare de Chassiron - oder beobachten in den Marais (eine Landschaft mit vielen Meerestümpeln) die dort lebenden Vögel, vor allem verschiedene Reiherarten. Dann kommt zum Souper noch einmal das Baguette mit Salami, Käsesorten und Frischkäse auf den Tisch.

Bei schlechterem Wetter gehen wir später - erst ca. 12 Uhr - an den Strand und nehmen dafür noch Fressalien in der Kühltasche mit, oder wir essen auch mal am Strand in der Bar de l'Océan. Dann - bei bedecktem Himmel - kann man den Strandbesuch natürlich auch ausdehnen, ohne die Haut zu verletzen.


BEI SCHÖNEM WETTER: STRÄNDE

Unser absoluter Lieblingsstrand ist der Grande Plage nördlich von Saint-Trojan. Er ist gefährlich, weil es hohe Wellen, Strömungen und Priele (Baines) gibt - auf dem i müsste ein Trema stehen, aber er ist traumhaft schön. Dort liegt auch ein Wrack eines Schiffes, das dem Strand einmal zu nahe gekommen ist. Wer diesen Strand besucht, sollte sich vorher - oder am Strand selbst - ein kleines Surfbrett kaufen oder mieten, denn das ist doch eine zusätzliche Sicherheit. Es empfiehlt sich auch, am Strand 100 m nach links zu gehen und seine Bade- und Surfversuche möglichst vor der Aufsicht zu machen. An diesem Strand kann man auch bei Ebbe baden - es ist immer schön, gefährlich und erlebnisreich, aber schwimmen kann man hier nicht. Wer tiefer als bis Hüfthöhe ins Meer geht, lebt gefährlich, es sei denn, er würde die Surfschule am Eingang des Strandes besuchen und sich mit einer richtigen Ausrüstung und einem Lehrer in die Wellen stürzen.

Uns reicht es aber, auf unseren kleinen Surfbrettern auf den Wellen - im Liegen - zu reiten. Und wenn wir es schaffen, gleichzeitig eine schöne Welle zu erwischen und wenn wir dann auf ihr gemeinsam bis an den Strand gespült werden, dann gehört das schon zu den glücklicheren Momenten im Leben.

Geht man diesen Strand ein paar hundert Meter weiter, so kommt ein Abschnitt für Naturisten - sic!, denn die weibliche Form ist dort nur selten zu sehen. Geht man noch ein paar km weiter, so gelangt man an einen Abschnitt, der etwas ruhiger ist und deshalb einen guten Kompromiss zwischen wild und halbwild darstellt. Dieser ist aber nur durch fleißiges Laufen oder durch die Benutzung des Petit Train (kleines Zuges) von St. Trojan aus zu erreichen. Dieser Zug führt stündlich.

Wenn es am Grande Plage zu windig ist, fahren wir 10 Minuten zum Plage de Gatseau in Saint-Trojan. Dies ist ein sehr schöner, nach Südosten gelegener Strand, der allerdings zum Schwimmen nur bei Flut taugt. Surfen ist hier nicht möglich, weil es keine Wellen gibt. Dafür liegt auf ihm die Bar de l'Océan, in der man gut und preisgünstig essen und trinken kann, ohne den Strand verlassen zu müssen.

Wer das Risiko von zu viel Wind erst gar nicht eingehen will, dem empfehle ich den schönsten Strand der Insel, an dem es allerdings keine hohen Wellen gibt. Dies ist der Strand, den man erreicht, wenn man in Boyardville nicht am offiziellen Strand parkt, sondern der Küste entlang weiter nach Norden fährt, bis es nicht mehr weiter geht. An diesem Strand kann man immer schwimmen, auch bei Ebbe. Allerdings gibt es hier keinen Imbiss.

Die anderen Strände sind eher zur Erholung gedacht, denn dort ist Schwimmen nur bei Flut möglich - aber man kann sich ja auf die Gezeiten einrichten.


BEI SCHLECHTEM WETTER

Auch das gibt es natürlich: Das Wetter ist so schlecht, dass es nicht einmal für eine Strandwanderung reicht. Wer Hafenstädte liebt, sollte jetzt Boyardville, St. Cotiniere und St. Denis sowie Le Chateau besuchen. Auch eine Fahrt in die Marais - Fernglas mitnehmen - oder ein Besuch der verschiedenen Zoos, vor allem Parc des Marais, ist sinnvoll. Weniger zu empfehlen ist das Aquarium in La Cotinière - da ist es schon besser, die recht weite Fahrt nach La Rochelle zu machen und dort Stadt und Aquarium (vorbildlich!) zu besuchen. Auch eine Besichtigung der spätromanischen Kirche in St. Georges ist sinnvoll.


BEI MITTLEREM WETTER

Wenn es nur bewölkt ist, ohne windig oder regnerisch zu sein, dann kann man sich meist auch am Strand aufhalten - oft sogar besser als bei glühender Hitze. Dann lohnt es sich aber auch, den Leuchtturm (Phare) von Chassiron und seine schöne Umgebung zu besichtigen. Sehr schön ist auch ein Besuch des Parc Ostréoculture, in dem man die Austernzucht kennen lernt und mit Planwagen umhergefahren wird. Für Kinder ist auch ein Besuch der Salines bei Le grand Village schön - mit Kanufahrt und Eselreiten. Interessant, aber teuer, ist eine Schiffsfahrt von Boyardville zum Fort Boyard und zur Ile d'Aix (23 €).


ABENDS


Wer abends nicht nur essen und trinken wil, der fahre am besten nach St. Trojan, denn dort gibt es noch ein Kino, in dem um 21 Uhr ein jugendfreier Film und um 23 Uhr ein Film ab 16 oder 18 gezeigt wird - die Filme wechseln übrigens täglich. Direkt daneben ist auch eine Diskothek. Auch in St. Pierre kann man in einem Nachtcafé und einer Bar die halbe Nacht verbringen.


PREISE

Unsere Ferienwohnung (4 Pers., Waschmaschine, Spülmaschine und Heizung) hat einschließlich Nebenkosten - in Deutschland bei Wolters gebucht - mit Reiserücktrittsversicherung 750 € pro Woche gekostet - das ist ein wenig mehr als die Hälfte des Preises an der Cote d'Azur. Das einfachste Essen (Moules Frites) kostet zwischen 7 und 12 €, Menues gibt es von 10 bis 60 €, Cola ist teuer, teurer als Tischwein (Pichet). Insgesamt sind die Preise mit Nordseepreisen vergleichbar. Krustentiere sind etwas teurer als tief gefrorene, dafür aber frisch und lebend, außer Crevetten, die sind gekocht.


FAZIT

Eine Insel, die mit dem Auto erreichbar ist, mit der Wildheit der Nordsee, mit dem Charme Südfrankreichs, mit eher gutem Wetter, und mit frischem Meergetier. Die Stände sind vielfältig - von wild und gefährlich bis sanft und kinderlieb, und alles ist in wenigen Minuten zu erreichen. Auch die Nachbarinsel - Ile de Ré - ist sehr zu empfehlen, vor allem dann, wenn man die Möglichkeit haben will, schnell mal nach La Rochelle zu fahren.
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