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Zakopane
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Zakopane Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

olaiaga

Die kleinsten Gebirge Europas, die mein Herz raubten

ein Testbericht von 2002-12-08 10:34:30 vom 08.12.2002
Empfehlung: ja
Die von der Fläche gesehen, kleinsten Gebirge Europas, sind nach langer Pause zu meinem heutigen Thema geworden. Diese Berge sind für mich zu einer wilden Leidenschaft, Liebe und einem Zufluchtsort geworden. Ich werde in meinem vierten Beitrag über die schönsten Ecken Polens versuchen, euch das Objekt meiner Sehnsüchte, die polnische Tatra ein wenig vorzustellen, vielleicht gelingt es mir einige von euch dazu zu überreden mal hin zu fahren.

Jeder wird sich jetzt sicherlich denken, was für ein kranker Titel, hört sich doch irgendwie behindert an......ist es überhaupt noch Deutsch? Ich weiß es nicht, ich habe einfach versucht mit den 50 Buchstaben, die mir zur Verfügung stehen, ein Gefühl zu beschreiben, welches mich vor zwanzig Jahren endlos packte, als ich das erste Mal, als ein sieben jähriges Mädchen, vor den Toren der polnischen Tatras, in Zakopane stand. Der erste Blick auf die weltweit einmalige Landschaft, riss förmlich mein Herz raus. Mein Herz ruht jetzt auf einem der zahlreichen Gipfel namens Kasprowy Wierch, es wartet dort täglich auf mich und wenn ich es nicht wenigstens ein Mal im Jahr besuche, spüre ich, wie mein Körper langsam und schmerzvoll austrocknet, ein Urlaub in den Tatras ist dann die letzte Medizin.


Die Tatras allgemein:


Die Tatras befinden sich im Süden Polens, die höchsten Gipfeln bilden eine natürliche Grenze zwischen Polen und der Slowakei, wobei nur knapp ein Viertel der Gebirge in Polen liegt. Die Gesamtfläche der Tatras beträgt 785 Quadratkilometer davon 175 gehört Polen. Der höchste Berg heißt Gerlach (2654m) und liegt in der Slowakei, der Höchste polnische Gipfel (Rysy) bringt immerhin noch satte 2499m, einige von euch werden jetzt wohl sagen dass sind ja Hügel im Vergleich zu den Alpen...Quatsch die Natur und die Höhenunterschiede sind auf alle Fälle mit den Alpen gleich zu setzen. Die Gasamtfläche der Tatras steht unter strengstem Naturschutz, die Landschaft, die Tier und Pflanzenwelt sind einmalig in ganz Europa. Der bekannteste Berg heißt „Giewont“ deren Felsenformationen an einem schlafenden Ritter erinnern.

An der polnischen Seite gibt es mehrere Wanderstrecken, die eine Gesamtlänge von 260 Kilometer bitten. Von spazier Strecken bis zu sehr schwierigen Kletterpattyen ist alles vorhanden, die Mutigen, die über 1800m klettern wollen, sollten auf Schuhwerk achten. Ganzjährig stehen den Wanderer 8 Herberge zur Verfügung, die Übernachtung, Essen und Trinken anbitten, eine große Hilfe für Alpinisten, die nicht jeden Tag in die bewohnte Gegend zurückkehren wollen.
Außerdem gibt es ca. 150km Skipisten, die leider im Winter von Sportbegeisterten überfühlt sind (zum Wintersport empfehle ich eher die Slowakische Seite). Durch die Vielfalt der Angebote herrscht in den Tatras das ganze Jahr über Hochgedränge, ca. 4 Millionen Touristen besuchen jährlich die Region, wobei der Sommer und Winter (Neujahr) die Höhepunkte sind. Die meisten Touristen übernachten in einem bildhübschen und nahgelegenen Städtchen Zakopane, welches als Winterhauptstadt Polens gilt. Viele von euch haben schon sicherlich von dem Ort durch Skispringen gehört, dieses Städtchen hat allerdings viel mehr zu bitten, darüber aber später.

Die Anreise aus Deutschland gestaltet sich etwas schwierig. Alle Möglichkeiten außer Schifffahrt *ggg* sind vorhanden, man muss aber etwas mehr Zeit einplanen. Am schnellsten kommt man mit dem Flugzeug hin, (der Flug von Frankfurt/M nach Krakau dauert ca. 1,5 Std. und kostet ca. 300€, von Krakau aus sind es nur noch 120 km) mit dem Auto ca. 12Std. Fahrt (egal ob über Krakau oder Zilina in der Slowakei) und ca. 1100 km. (alle Angaben vom Frankfurt/M aus), die Bahn würde ich keinem empfehlen, es dauert ca. 18 Std. und ist die teuerste Lösung.

Die schönsten Wanderungen:

Mein persönlicher Favorit ist wie schon erwähnt der Gipfel Kasprowy Wierch (1987m), für Faulenzer steht das ganze Jahr über, eine Seilbahn zur Verfügung (sie wird allerdings meisten im Oktober gewartet). Von Zakopane (820m) muss man ca. 2,5 km laufen bis zu der Station Kuznice von dort sind es nur 20 min Fahrt. Ich würde es aber keinem empfehlen, wir wollen schließlich auch etwas für unseren Körper tun, deswegen laufen wir mal zu Fuß hoch. Von Kuznice aus geht es mit dem gelben Pfad weiter. Da wir den National Park (Tatrzanski Park Narodowy TPN) betreten, müssen wir erst mal Eintritt bezahlen 2zl (0,50€) nach ca. 1,5 Std. Spatziergang kommen wir zu einer Herberge die Murowaniec heißt, von hier geht es ca. 1,5 Std. mit dem blauen Pfad weiter auf den Gipfel hoch, ab hier wird es ansträngend, jeder Tropfen Schweiß wird allerdings mit herrlichem Blick auf die hohen Tatras belohnt. Oben auf dem Gipfel gibt es ein kleines Restaurant, wo man sich mit Schluck heißen Tee mit Zitrone stärken kann, hier hat man eine geniale Sicht auf die ganzen Tatras, sowohl den Polnischen als auch auf den Slowakischen Teil. Leute die mit Wanderung Erfahrung haben sollen die Richtung Swidnica und Granaty jetzt annehmen, es ist ein sehr schwerer Pfad der nur im Sommer zu empfehlen ist, da ständig Rutschgefahr besteht. Die weniger erfahrenen sollten dann der Grenze entlang laufen und die Richtung Czerwone Wierchy anschlagen, begleitend von einzigartigen Felsenformationen und mageren Pflanzenwelt erreicht man innerhalb von 3 Std. Giewont. Auf dem Gipfel steht ein riesiger, eiserner Kreuz, welches im Wappen vom Zakopane wieder zu erkennen ist. Von hier aus kann man das Städtchen beobachten, einfach klasse. Jetzt geht es zurück, denn mittlerweile sind wir gute 8 Stunden unterwegs, nach 2,5 Std. mit dem schwarzen Pfad treffen wir am einem Bergkloster an (die Architektur des Gebäudes ist nicht zu kopieren) jetzt sind es nur noch 30 min Marsch, bis wir wieder in Kuznice gelangen.

Müde, erschöpft und super durchtrainiert, setzen wir und in eine Pferdekutsche und lassen uns nach Zakopane fahren.

Dies war meine Lieblingsroute, die allerdings nur für Leute mit starken Beinen zu bewältigen ist. Man soll ziemlich Früh starten (7:00) denn die Wanderung dauert ca. 10-12 Std. Ich garantiere für unvergessliche Momente.

Die Alpinisten sollen folgende Gipfel ins Visier nehmen:
Granaty
Rysy
Swidnica
Kozi Wierch

Keine sorgen es gibt auch genug Strecken für Touristen, die sich nicht verausgaben möchten, hier schlage ich folgende 4-5 Std. Spaziergänge:
Dolina Koscieliska (30 min Busfahrt von Zakopane entfernt)
Dolina Malej Laki
Dolina Bialego
Dolina Strazyska (von hier aus kann man eine kürzere Variante der Wanderung zum Giewont nehmen)

Für Leute, die den Tatrabesuch als ein Kurortbesuch betrachten und für 1-2 Std. einfach mal im Wald spazieren möchten, eignen sich folgende Strecken:

Sciezka pod Reglami
Gubalowka (eine tolle Aussicht auf die Tatras aus einem Hügel der auf der anderen Seite von Zakopane liegt)

An dieser stelle möchte ich noch Morskie Oko erwähnen, es handelt sich hier um einen bildhübschen Bergsee, welcher ca. 14 km vom Zakopane zu finden ist, eine kurze Busfahrt und dann ein 7km langer Spaziergang führen uns zu dem See in dem riesige Karpfen leben. Von hier aus kann man den höchsten Berg Polens Rysy bewundern (Vorsicht im Frühjahr und Herbst ist in der Gegend der Braunbär unterwegs, eine Begegnung mit ihm kann unangenehm enden, meistens auf einem Baum hi, hi)


Zakopane:


Mein lieblings Ort in dem es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten gibt, angefangen von ganz billigen Privatpensionen (ca. 15€ pro Zimmer) bis zu Luxushotels mit einem Swimmingpool (100€ pro Zimmer) ist alles ausreichend vertreten. Ich übernachte immer bei einem Bekannten aus Rüsselsheim (ein Deutscher polnischer Abstammung), der eine gemütliche Pension „Belmont“ in der Zamojski Strasse führt, die Preise liegen bei ihm um die 20€ pro Zimmer (wirklich zu empfehlen). Die Hauptstrasse der Ortschaft heißt Krupowki, es ist der Zentralpunkt, wo sich alles abspielt, sämtliche Geschäfte, Pub’s , Cafes, Restaurants sind hier zu finden. Für klein Geld kann man typisch polnische Küche genießen und abends bei der tollen (das meine ich ernst) Volksmusik, ein paar Getränke in sich schütteln gg. Mein Favorit ist ein Restaurant namens„Chlopskie Jadlo“(beim Hotel Giewont), dieses Lokal ist wie eine Bauernhütte eingerichtet, an den Wänden hängt altes Werkzeug, die Salatecke sieht wie ein urige Holzofen aus, und die Tische sind aus rohem Holz. Das Essen schmeckt lecker und gleich nach der getätigten Bestellung bekommt man gratis selbstgebackenes Brot mit Schmalz uhmmmm!! Für Disco-Fans ist auch gesorgt ich zähle allerdings nicht zu denen, deswegen keine Angaben dazu. Überall sieht man die Goralen (so nennen sich die Einheimischen), die immer super gut drauf sind und ein Dialekt sprechen, den sogar die Polen kaum verstehen können. Die Architektur ist umwerfend, die meisten Häuser sind aus Holz mit vielen Holzschnitzereien geschmückt, das muss man gesehen haben, wie in einem Märchen. Die Stadt ist absolut sicher, obwohl man spät abends ein paar Schatten sehen kann, die wohl mit dem Bierchen etwas übertrieben haben. Überall verbreitet sich ein fantastisches Urlaubsgefühl.

Fazit:

Die polnischen Tatras ist zweifelsohne die schönste Gegend Polens, es ist eine Ecke, die total westlich orientiert ist und trotzdem weltweit einzigartig geblieben ist. Ein Urlaub hier, ist die Erfüllung alle Wünsche, man kann Sport treiben, Wanderungen unternehmen, abends sich austoben und unvergessliche Eindrücke sammeln. Ich garantiere romantische Momente, einen tollen Fitnesstraining und pass auf eures Herz auf, ich habe meines schon verloren. Die Berge machen einem klar, wie klein und machtlos wir Menschen gegenüber der gewaltigen Natur sind.

Ich wünsch euch viel Spaß in der Tatra, vielleicht trifft man sich auf den Wanderwegen „Czesc und Siema“

08.12.02 olaiaga

P.S. Alle Fehler die ihr findet, sollen gesammelt und in den Tatras zerstreut werden, aber Vorsicht, Müll in den Bergen weg zu werfen ist strengst verboten, es kann teuer werden!!

P.P.S Ich habe gerade gemerkt, dass es mein dreizehnter Beitrag ist, also weg mit den Vorurteilen, kräftig kommentieren und bewerten ist angesagt (auch wenn eure Bewertung negativ ausfallen sollte)
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