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![]() Von Zeremonialhüten und Speikübelnein Testbericht von Haramis2003-03-13 22:58:58 vom 13.03.2003 Empfehlung: jaDas erste Mal waren wir mit der Uni dort, mein allererster Exkursionsschein *freu* Das zweite Mal war ich vor zwei Wochen mit einer Freundin dort, der ich so davon vorgeschwärmt hatte, daß sie es unbedingt auch mal sehen wollte, und das dritte Mal war letzten Freitag, da waren wir eigentlich in anderen Museen, hatten dann aber noch genug Zeit, der Staatssammlung einen kurzen Besuch abzustatten. Auf gut Deutsch: Die Archäologische Staatssammlung ist das einzige Museum, das ich praktisch wie meine eigene Westentasche kenne *g* ***** Daten ***** Zuerst mal wieder das Technische. Adresse: Archäologische Staatssammlung vormals Prähistorische Staatssammlung Lerchenfeldstraße 2 80538 München Tel. 089 2112-402 Fax 089 2112-4401 Öffnungszeiten: täglich außer Montag 9.00 Uhr bis 16.30 Uhr Eintrittspreise: Sonntag freier Eintritt Erwachsene: 2,50 Euro Ermäßigt: 1,50 Euro Studenten: 0,50 Euro Anmerkung: Wir zahlten ermäßigt (Studenten) 1 Euro. Ob sich die Preise generell geändert haben, oder ob's an der Luristan-Ausstellung liegt, die derzeit zu besichtigen ist, weiß ich leider nicht, stand auch nirgends. Anreise: U4/U5 bis Lehel (und dann noch ca. 5 Min. zu Fuß) S-Bahn 17 bis Nationalmuseum/Haus der Kunst (hält fast vor der Tür des Museums) Bus 53, ebenfalls bis Nationalmuseum/Haus der Kunst Internetadresse: http://www.archaeol ogie-bayern.de/ ******************** Was gibt's zu sehen? ******************** ***Dauerausstell ung*** Die Archäologische Staatssammlung ist ein Museum für Vor- und Frühgeschichte, also von der Steinzeit bis zum Beginn des Mittelalters. Früher war es mal die Prähistorische Staatssammlung, doch das hat man anscheinend ausgeweitet, denn jetzt gibt es u. a. auch römische Sachen zu sehen. Das Haus, in dem das Museum untergebracht ist, mutet von außen ziemlich häßlich an. Ein kantiger, brauner Kasten, der viel zu modern aussieht, als daß man etwas Prähistorisches darin vermuten könnte. Am Eingang gibt es eine große Drehtür, die aber meistens geschlossen ist, so daß man erstmal den Eindruck bekommt, daß das Museum gar nicht offen hätte. Entsprechend wenig ist denn auch los. Normalerweise sind nie mehr als 3-4 Besucher gleichzeitig drin, was natürlich auch daran liegen kann, daß wir unter der Woche dort waren. Vielleicht ist am Wochenende ja mehr los. Die Dauerausstellung ist in einem schönen Rundgang angeordnet, d.h. man braucht einfach nur von einem Raum zum anderen zu gehen und kommt am Ende wieder beim Ausgangspunkt an. Im Gegensatz zu anderen Museen, wie z. B. dem Völkerkundemuseum, braucht man hier keine zu Angst haben, daß einem etwas entgeht. Die Ausstellung ist chronologisch geordnet. Wir gingen das erstemal in die falsche Richtung, doch inzwischen weiß ich, daß man zuerst die Treppe hinaufgehen muß, um in den 1. Saal zu gelangen. Der ist etwas spärlich eingerichtet, aber wen wundert's? Aus der Steinzeit ist eben nicht viel übrig geblieben. Ein Steinchen hier, eine durchbohrte Muschel da, und das war's dann auch schon fast. Aber nur fast, denn da war ja noch... Patrizia, die vor einer der Vitrinen plötzlich einen Lachanfall bekam. Als ich mich wunderte, was da so lustig ist, zeigte sie auf ein kleines Männchen, das eine Schüssel vor sich hielt und meinte: "Schau mal, der hat einen Speikübel!" *g* Ach ja, Museen können so inspirierend sein... Beeindruckend ist auch ein Raum, in dem lauter Keramiken sind, und zwar buchstäblich bis unter die Decke gestapelt. Die obersten Sachen kann man kaum richtig anschauen, da bräuchte man glatt eine Leiter dafür. Mich persönlich faszinieren eine Menge einzelner Ausstellungsstücke, z. B. das kleine Arzneikästchen mit den vielen Fächern, oder das Mini-Sieb, das man angeblich für Kräuter verwendet hat, oder... Puh, es gibt so vieles, über das ich schreiben könnte. Ein Besuchermagnet ist sicher das Gold in Form von seltsamen Gegenständen wie etwa einem Kultbaum, den Regenbogenschüsselchen (Münzen) oder dem mysteriösen Goldkegel, der in einem Film auch als "Hut des Magiers" bezeichnet worden ist. Naja, das Ding war mit Sicherheit alles andere als ein Hut, aber blöderweise hat niemand eine Ahnung, was es sonst gewesen sein könnte, also schreibt man eben irgend etwas hin, damit sich die Besucher nicht völlig alleingelassen vorkommen. Von diesen Goldkegeln hat man inzwischen schon mehrere gefunden. Wer sie sich mal genauer anschauen will, dem sei diese Seite hier empfohlen: http://www.derhain.de/GoldeneHuete/F undstueckeGesamtuebersichtBilderVortragFolie1.html Falls jemand eine Idee hat, was diese Kegel gewesen sein könnten, dann teilt es mir doch bitte mit, ich freu mich über jede Anregung ;-) Ein weiteres "Prunkstück" ist wohl auch die Moorleiche. Eine Frau mit kunstvoll geflochtenem Zopf, die vor ca. 300-400 Jahren im Moor gestorben ist. Hier muß ich sagen, scheiden sich die Geister. Ich halte es ja für ziemlich geschmacklos, eine Leiche im Schaukasten auszustellen. Wenigstens war man im Museum so rücksichtsvoll und hat die Leiche so plaziert, daß man sie von hinten sieht. Ich glaube, ich hätte heute noch Alpträume, hätte ich ihr ins Gesicht blicken müssen. ***Sonderausstellung: Luristan*** Derzeit gibt es eine Sonderausstellung über die Luristan-Bronzen zu sehen, also Bronzeartefakte aus dem Iran. Diese Figuren, Werkzeuge und Schmuckstücke stammen ausnahmslos aus Gräbern und gelangten wohl weniger durch fachmännische Ausgrabungen als eher durch Raubgrabungen in die Museen. Die sog. Standarten sind die häufigsten Vertreter der Luristan-Bronzen. Sie zeigen meist den "Herrn der Tiere", der mit beiden Händen ein wildes Tier "am Kragen packt". Dieses Motiv kennt man u. a. auch von den Kelten, und genau weiß keiner, was es denn eigentlich darstellen soll. Ist es ein Herrscher, der zeigen will, daß er mächtiger ist als die anderen? Oder handelt es sich um eine unbekannte Gottheit? Ich halte ja letzteres für wahrscheinlicher, da die Darstellung von vielen Völkern übernommen wurde und immer gleich aussieht. Wofür diese Standarten gut waren, weiß man übrigens auch nicht. Der Menge nach dürften sie aber in vielen, wenn nicht sogar in allen Gräbern vorhanden gewesen sein, hatten also aller Wahrscheinlichkeit nach eine rituelle Funktion. Die Sonderausstellung besteht im Ganzen aus zwei Räumen, die zu einem guten Teil mit diesen Standarten gefüllt ist, der Rest ist Schmuck, Werkzeug oder auch Pferdegeschirr. Witzig finde ich vor allem die kleinen Hahn-Figuren, die man in der Vitrine so schön von oben runterbaumeln läßt. ******************** Allgemeine Eindrücke ******************** Das Museum an sich ist ein wenig düster, aber - was man von außen gar nicht vermutet - ziemlich groß und geräumig. Wenn man sich Zeit läßt, kann man gute zwei Stunden darin verbringen, ohne daß es langweilig wird. Ein wenig irritiert war ich vom Personal. Während beim ersten Besuch ein älterer Herr so laut geschnarcht hat, daß man ihn drei Räume weiter noch gehört hat, war beim zweiten Mal einer da (vielleicht sogar derselbe, hab ihn mir nicht so genau angesehen), der seinen Alkohol hinter einem der Steine versteckt hat. Ich hoffe jetzt einfach mal, daß das nicht zum Museums-Alltag gehört *g* Ich habe mich in der Staatssammlung sofort heimisch gefühlt. Auch habe ich festgestellt, daß die Ausstellung zu Diskussionen anregt, denn sie hat uns so einige heiteren Minuten beschert. Während manche durchs Museum gingen, als ob sie bei Ikea wären und das eine oder andere bereits auf ihrem geistigen Bestellschein notierten (Originalzitat: "Der Kronleuchter würde gut in meine Wohnung passen!"), sinnierten andere darüber, ob der Goldkegel vielleicht nicht auf dem Kopf sondern "woanders" getragen worden ist... Genau wie beim Ägyptischen Museum muß ich allerdings auch hier wieder die mangelnde Beschriftung kritisieren. Zwar ist es in der Staatssammlung nicht ganz so schlimm, aber besonders klug wird man aus den wenigen Informationen auch nicht. ***** FAZIT ***** Nicht nur für Archäologen kann ich die Archäologische Staatssammlung uneingeschränkt empfehlen. Wer sich schon einmal archäologische Bücher angesehen hat, der hat mit Sicherheit schon das eine oder andere Artefakt zu Gesicht bekommen, das in natura in der Staatssammlung zu bewundern ist, sei es der Goldkegel von Ezelsdorf, die Regenbogenschüsselchen von Großbissendorf oder der Haufen mit Spangenbarren, der fast in jedem Buch über die Bronzezeit abgebildet ist. Die Sammlung ist chronologisch aufgebaut, so daß man sehr schön nachvollziehen kann, wie sich die Menschheit von der Steinzeit an entwickelt hat. Ich liebe die Staatssammlung und würde am liebsten dort einziehen. Ok, vielleicht muß man wirklich ein Faible für so alte Sachen haben, um sich dort wie zuhause zu fühlen, aber auch für weniger Interessierte bietet die Sammlung einfach eine Menge Kultur und auch Allgemeinwissen. Man sollte es einfach mal gesehen haben. Danke für's Lesen, Eure Haramis ... |
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Allgemeine Informationen Archäologische Staatssammlung
gelistet seit: 10.09.2003
Bewertung durch unsere Mitglieder
| Allgemeine Informationen Typ: Museum Kategorie: Kultur |
















