Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Köln. Dieser Satz ist für mich das Stichwort um meinen Sitzplatz im Zug von Düsseldorf kommend zu verlassen um mich ans Fenster zu stellen. Denn nun kann es nur noch wenige Augenblicke dauern bis die kurze Fahrt von Düsseldorf nach Köln ihren einzigen Höhepunkt findet. Die Fahrt über die Hohenzollernbrücke ist so ziemlich das einzige was sich auf dieser Fahrt dem Fahrgast bietet, und geboten wird mir hier eine unheimlich tolle Aussicht. Im Hintergrund lässt sich der Dom zu Köln erspähen und während man mit lautem geknatter über die alte Brücke fährt kann man einen Blick auf den Rhein werfe, der einem nun zu Füßen liegt.
Der Zug überquert diese Brücke sehr langsam und besonders in der Dämmerung, wenn der Dom schon in sein grünliches Licht gehüllt ist, bietet sich dem Fahrgast eine Aussicht die man so nicht alle Tage bekommt.
Die Hohenzollernbrücke ist lebendiges Zeugnis einer Kultur, die vor vielen Jahren in Köln Einzug gehalten hatte, und ihre Spuren hinterließ. Von 1907 bis 1911 erbaut ist sie heute die meistbefahrene Zugbrücke Europas, denn sind hier nicht nur ein oder zwei Gleise, sondern insgesamt sechs Gleise, wenn man die in der Neuzeit entstandenen Gleise nebst Überbau für den S-Bahn Verkehr mitzählt. Doch leider ist von der alten Brücke in ihrer ursprünglichen Form nichts mehr erhalten geblieben, da sie in den Wirren des zweiten Weltkrieges am 06.März 1945 gesprengt wurde. Die Hauptverbindung für den Schienenverkehr war zerstört und Köln somit schwer getroffen. Ein eindrucksvolles Bild der zerstörten Hohenzollernbrücke findet man auf der Seite : http://www.dbmuseum.de/bahn/bau/jpg/brueck_d.htm
Doch gaben die Kölner ihre Brücke nicht so einfach verloren, sondern errichteten sie in 8 Jahren Bauzeit von 1951-1959 wieder neu, und nach ihrer Erweiterung von 1985 bis 1991 erstrahlt sie heute in neuem Glanz, wobei Glanz bitte nicht wörtlich zu nehmen ist. Eigentlich sieht die Hohenzollernbrücke sogar etwas schmuddelig aus, was aber auch zum Teil durch ihre Konstruktion aus Stahl bedingt ist. Ihre Bögen aus Metall haben im Laufe der Jahrzehnte viel ihrer Farbe verloren, aber dennoch ist diese Brücke ein imposantes Bauwerk, auf das die Kölner mächtig stolz sind.
Bewacht, wenn man es dann so nennen darf, wird die Hohenzollernbrücke zu Köln von Reiterdenkmälern, die sich an beiden Seiten der Brücke befinden. In luftiger Höhe werden hier die einstigen Machthaber in Reiterstandbildern verewigt. Zu sehen sind hier die Herren Kaiser Wilhelm der erste, sowie Friedrich Wilhelm der vierte auf Deutzer Seite, sowie Kaiser Wilhelm der zweite und Friedrich der dritte auf Seiten des Doms. Mächtig alt sind diese Reiterdenkmäler, und scheinbar haben einige Leute keinerlei Respekt vor diesen Bauwerken, da sie im Sommer trotz Verboten immer wieder für Kletterübungen im Stile Freeclimbing missbraucht werden. Zwar schreitet die Polizei regelmäßig ein und erteilt Platzverweise, doch dauert es nicht lange und schon klettert wieder einer auf dem Denkmal rum.
Was die Hohenzollernbrücke dann aber für jeden Besucher Kölns interessant macht ist, dass man sie auch zu Fuß überqueren kann. Neben den Gleisen die durch Zäune abgesichert
sind, kann man sich von der Seite des Doms auf den Weg machen um die über 400 Meter lange Brücke zu überqueren. Hier erlebt man dann auch ein ganz besonders Feeling, denn die Vibrationen der vorbeifahrenden Züge überträgt sich unweigerlich auf den Bereich, auf dem man spazieren geht.
Unterhalb fließt der Rhein, und je nach Jahreszeit ist der so weit nicht entfernt, wenn Köln nämlich mal wieder mit einem Hochwasser zu kämpfen hat. Es ist ein langer Weg von der Domseite bis hin nach Köln Deutz, wo die Brücke in unmittelbarer Nähe des Hyatt Hotels endet. Hier schlenderte auch Michael Jackson einst, schwer bewacht von seinen Leibwächtern ein paar Meter über die Brücke, da er wenn er in Köln ist, im Hyatt zu residieren pflegt. Doch auch ohne Michael Jackson gibt es hier besonders im Sommer immer eine Menge zu sehen. Während die einen gespannt auf die Züge schauen, die da nur wenige Meter neben einem vorbeifahren, richten andere lieber einen Blick auf den Rhein, auf dem auch immer eine Menge los ist. Neben den vielen Ausflugsdampfern der KD, einer Schiffahrtsgesellschaft in Köln, sind es dann vor allen Dingen die vielen Frachter die sich ihren Weg durch das Flussbett bahnen. Sonntags ist es hier dann auch mächtig voll, und zu sehen bekommt man immer etwas besonderes. Da kann es dann auch schon einmal sein, dass man auf einen Künstler trifft, der sich mitten auf der Hohenzollernbrücke seine Staffelei aufgebaut hat und die Umgebung malt. Einige mutige versuche sich auch als Angler, was zwar verboten ist, aber gemacht wird es trotzdem.
Ein dunkles Kapitel der Hohenzollernbrücke sind dann auch die Selbstmörder, für die diese Brücke ein idealer Platz zu sein scheint ihrem Leben ein Ende zu setzen und sich in die dunklen Fluten des Rheins zu stürzen. Genaue Zahlen sind mir nicht bekannt, aber es sind jährlich immer ein paar Menschenleben zu beklagen.
Hat man die Brücke dann schließlich überquert befindet man sich auf der Schäl Sick, auch Köln Deutz genannt. Von hier aus ist es dann nur ein Katzensprung zur Messe, oder der mittlerweile weit über die Grenzen Kölns hinaus bekannten Kölnarena.
Der Rückweg auf der anderen Seite ist dann auch nicht viel uninteressanter, vielleicht sogar noch etwas beeindruckender, da man sich dem Dom langsam aber sicher nähert, und der Anblick dieses Bauwerkes dann doch ganz gewaltig ist. Angst dass die Brücke instabil wäre braucht man nicht zu haben. Sicher im Flussbett des Rheins verankert gilt die Hohenzollernbrücke als eine der sichersten Brücken Europas. Autos haben hier natürlich nichts zu suchen, was dann den Vorteil hat, dass man den Spaziergang in aller Ruhe genießen kann.
Mit der Dunkelheit kommt dann aber leider auch die Angst. Und obwohl ich selten Angst habe war es mir nicht ganz geheuer, als ich vor ungefähr zwei Jahren nachts alleine aus dem Hyatt kam und zum Hauptbahnhof wollte. So ganz alleine auf der Brücke war nicht das Problem, doch treiben sich hier nachts nicht nur unbedingt seriöse Leute, sondern auch Gestalten herum, für die die Hohenzollernbrücke ein idealer Platz ist um ihren dunklen Geschäften nachzugehen.
Die Dunkelheit macht das ganze dann noch eine Spur extremer, und ehrlich gesagt würde ich es mich als Frau nicht wagen diese Brücke nachts alleine zu überqueren.
Für einen Spaziergang am Sonntag ist diese Brücke aber wie geschaffen und auch Kinder haben hier eine Menge zu sehen. Auf dem Rückweg endet man dann am Kölner Hauptbahnhof. Und wenn man dann schon einmal dort ist, kann man sich auch direkt weiter in Richtung Domplatte begeben. Einem Pool von Künstlern, Gauklern und Musikern.
Gezählt habe ich es nicht wie oft ich die Hohenzollernbrücke schon überquert habe, doch kann ich mich daran erinnern dass ich als Kind einmal mit meinen Großeltern dort war, als gerade ein Ausflugsschiff an Rheinufer versank und die Leute das Szenario von der Brücke aus beobachteten. Muss irgendwann Mitte der 70er Jahre gewesen sein. Nun bekommt man nicht täglich hier ein versinkendes Schiff zu sehen, aber auch so ist die Überquerung eine lohnenswerte Sache, die man einmal gemacht haben sollte.
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Allgemeine Informationen Hohenzollernbrücke
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