Mein Mittlerster war am Anfang des Jahres in einer reinen Kinderkur. Da er ein ADS-Kind mit Hyperaktivität ist, und auch einige Handicaps hat, mussten wir natürlich ein spezielles Kurheim finden, welches auf solche Kinder spezialisiert ist. Durch die sozial-pädagogische Familienhilfe hörte ich von der Kinderkurklinik Bad Sassendorf. Vor 4 Jahren war ich mit meinen Kindern in Bad Sassendorf in einer Mutter & Kind-Kur, und konnte mich auch noch vage an diese Kurklinik erinnern, denn dieses Kurheim war nur wenige Meter vom Mutter & Kind Kurheim entfernt, direkt am Kurpark.
Ich rief also Ende letzten Jahres in Bad Sassendorf an, und ließ mir Unterlagen dieses Kinderkurheimes zuschicken.
Es ist ein spezielles Kinderkurheim für Kinder mit sozialen Integrationsstörungen (die unser Sohn auch hat) und für hyperaktive Kinder. Nachdem ich dann im Kurantrag dieses Kurheim eingetragen hatte, und den Antrag bewilligt bekommen hatte, kamen auch gleich die Kuraufnahmepapiere. Wir mussten einen etwas längeren Fragebogen ausfüllen, bezüglich unseres Sohnes und bekamen auch noch weitere Infos, die wichtig waren. Als alles ausgefüllt und abgeschickt war, hieß es nur noch warten, wie lange es nun dauert, bis wir einen Aufnahmetermin bekommen. Doch diesen bekamen wir recht schnell, und Ende Januar kam unser Sohn dann zur Kur. Vorher hatte ich noch einige Besorgungen zu machen, und in jedes Wäschestück musste der Name eingenäht werden (puh, das war vielleicht eine Arbeit).
Bepackt mit einem großen Koffer mit Klamotten, einer Reisetasche voll Schuhwerk und einer Tasche voll Spielzeug und anderen Kleinkrams, sowie seinen Schulunterlagen fuhren wir dann Richtung Bad Sassendorf zur Kurklinik.
Wir waren wesentlich früher dort, als erwartet, und begaben uns dann direkt zur Anmeldung, die auch ziemlich schnell vonstatten ging. Nach der weiteren Anmeldung in der Kurklinikschule (Schule an der Rosenau) hatten wir dann etwas Zeit, um uns dort ein wenig umzuschauen. Das Kinderkurklinkgelände besteht aus einem Hauptgebäude, in welchen die Verwaltung untergebracht ist und auch die größeren Kinder/Jugendlichen. Eine Sporthalle ist dort auch im Gebäude. Dann gibt es noch die eigene Schule, die aus zwei Gebäuden besteht. Das eine schließt am Hauptgebäude an, und das andere ist gegenüber. Unser Sohn kam in das kleinere Schulgebäude gegenüber dem Hauptgebäude. Die Lehrerin war sehr nett, und erklärte uns grob, wie der Schulablauf in der Kurzeit sein wird. Unser Sohn hatte täglich 3 Schulstunden (Mathematik, Sprache und Sachkunde) dort. Weitere Fächer werden nicht unterrichtet, und solche Sachen wie Religion, Musik und Sport fließen in die Gruppenarbeit und Therapiearbeit mit ein.
Ein Spielplatz, ein Fußballplatz und andere Freizeitmöglichkeiten, wie Tischtennis und ähnliches waren auf dem Kurgelände vorhanden.
Dann gab es noch das Wohngebäude für die Kinder bis (ich glaube 12/13 Jahre). In diesem Gebäude war auch unser Sohn untergebracht. Es war unterteilt in verschiedene Stationen und Gruppen. Unser Sohn war auf Station 3 untergebracht. Station 3 befindet sich im Erdgeschoss des Gebäudes. Die Zimmer waren immer Zweibettzimmer, und unser Sohn hatte somit jemanden mit dem er das Zimmer teilen musste. Doch das klappte recht gut. Es gab einen großen Vorraum(Spielraum) vor den Zimmern, welcher den Kindern die
Möglichkeit gab, sich auch bei schlechtem Wetter zu bewegen und zu beschäftigen. Ein schöner großer Speisesaal war auch dort, der auch als Versammlungssaal diente. Im Keller gab es dann noch verschiedene Freizeitaktivitätsmöglichkeiten.
Die Erzieherinnen, welche die Aufnahme unseres Sohnes dort machten, erklärten uns, was so im einzelnen dort mit den Kindern unternommen wurde. Sie nahmen unseren Sohn auch herzlich auf.
Dann gibt es auf dem Kurgelände noch einen Reitstall mit einem Esel und einigen Pferden, die zur Therapie dienten, denn ALLE Kinder machen während ihrer Kur dort eine Reittherapie mit. Hier lernen die Kinder mit den Tieren umzugehen, sie zu pflegen und auch reiten. Das Reiten dient therapeutisch zur Herstellung des inneren Gleichgewichtes des Kindes, denn wenn sie auf den Tieren reiten, dann geht die Ruhe der Tiere auf die, doch manchmal sehr unruhigen, Kinder über, und sie werden selber auch ruhig. Ausserdem müssen sich die Kinder konzentrieren, ruhig zu sitzen, damit sie nicht runter fallen.
Therapien hatte unser Sohn dort auch. Er hatte diese Reittherapie, eine Motopädie (Psychomotorik), eine Sprachtherapie (Logopädie) und auch das wöchentliche Schwimmen zählte mit zum Therapieprogramm.
Unser Sohn war 4 Wochen in der Kur. Dort wurde er auch in der Hinsicht therapiert, das er sich besser in Gruppen integrieren kann, und das war wirklich erfolgreich. Vor der Kur war unser Sohn immer ein Außenseiter, wollte nie großartig mit anderen Kindern was unternehmen, oder spielen. Durch die Kur lernte er, das er nicht alleine mit seinen Problemen dasteht, das es viele Kinder gibt, die eine ähnliche Störung haben wie er, und er fand einen Freund, mit dem er sehr viel unternahm in der Freizeit. Auch mit anderen Kindern spielte er, und er lernte, sich auch mal unterzuordnen in der Gruppenarbeit.
Seit unser Sohn aus der Kur zurück ist, klappt es mit ihm besser in der Schule. Er hat mittlerweile sogar einen Freund, mit dem er auch nachmittags zusammen spielt (hatte er sonst NIE), und mit dem er sogar zusammen Hausaufgaben macht. Auch in den Schulpausen ist er nun aktiver, und spielt auch mit anderen Kindern. Im Sportunterricht macht er in der Teamarbeit mit, er hat also eine Menge aus der Kur für sich selber gelernt und mitgebracht.
Als wir unseren Sohn nach 2 Wochen das erste mal besucht hatten, merkten wir selber schon eine positive Veränderung an ihm. Er war zwar sehr aufgeregt, dass wir ihn endlich besuchen konnten, doch er versuchte sich dabei so zu kontrollieren, das er nicht regelrecht ausflippte.
Er erzählte uns viel über das, was er dort schon alles gemacht hatte. Und er erzählte uns auch, das er einiges über die Bibel wusste. Das erstaunte uns dann doch, denn unsere bisherigen Versuche, mit ihm über den Glauben zu reden, waren immer kläglich gescheitert. Mit einem Mal unterhielt er sich mit seiner Schwester über Bibelgeschichten und ähnliches. Es war für uns natürlich eine gute Wende in seinem Denken, und das obwohl diese Klinik keine kirchliche Klinik ist. Das kam alles durch die Gruppenarbeit.
Dann wollten wir ihm etwas Geld so nebenbei geben, und er meinte gleich, das er das abgeben müsste, denn Taschengeld bekamen die Kinder immer dienstags ausgezahlt, und dann durften sie nachmittags in der Stadt einkaufen. Er wollte das Geld nicht einfach nur so behalten, sondern beharrte darauf, es abzugeben. Früher hätte er das Geld sofort eingesackt.
Auch eine von uns gekaufte Tüte Salzstangen wollte er zwischendurch nicht essen, sondern er meinte, er gibt die ab, und lässt sie sich einteilen. Donnerwetter, dachten wir da, was für eine positive Einstellung. Früher hätte er gleich gierig angefangen alles aufzufuttern.
Als es dann am Nachmittag zurück zur Kurklinik ging, weil es dauerhaft am regnen war, fing unser Sohn an zu weinen, weil er nicht wollte, das wir schon wieder nach Hause fahren. Glaubt mir, es fiel uns schwer, einfach nachher zu fahren und ihn weinend da stehen zu lassen. Die Erzieherinnen kümmerten sich zwar gleich lieb um ihn, doch es hat uns das Herz zerrissen.
Aber zwei Tage später war dort ja Karneval, und da haben die Kinder wohl toll gefeiert. Wir hatten unserem Sohn zwar ein Kostüm gekauft, doch in der Kur hatten die Kinder eigene Kostüme gebastelt, und auch unser Sohn hatte ein Kostüm gebastelt. Aus einem blauen Müllsack hatte er sich ein Aquariumkostüm gebastelt. Er hatte sich selbstgebastelte Fische und Seesterne und Pflanzen auf den Sack geklebt, dann wurden Öffnungen für Kopf und Arme gemacht, und schon hatte er ein Kostüm, welches auch fein säuberlich im Schrank schlummert, falls er es im nächsten Jahr wieder tragen möchte, ansonsten ist es ja auch eine schöne Erinnerung.
Zweimal in der Woche durften wir mit unserem Sohn am Abend telefonieren. Er klang immer fröhlich und plapperte immer drauf los, was er alles erlebt hat. Aber nach unserem Besuch hatte er natürlich auch Heimweh. Er erzählte uns dann immer, wenn er Heimweh hat, dann nimmt ihn eine Betreuerin in die Arme, kuschelt mit ihm, ließt ihm was vor, oder erzählt ihm eine Geschichte und gibt ihm Heimwehtee(ein Früchtetee).
Auch wenn wir mit den Betreuerinnen sprachen, gaben sie über alles, was wir wissen wollten bereitwillig Auskunft. Was mich persönlich gestört hat, war, das die Ärztin sich telefonisch in den 4 Wochen nur 1 x bei mir gemeldet hat. Ich selber habe ein Paar mal versucht sie zu erreichen, doch immer ohne Erfolg. Da sollten die noch dran arbeiten, das die Ärzte der Klinik regeren Kontakt mit den Eltern pflegen.
Alles in Allem kann ich einen Kuraufenthalt für Kinder dort trotzdem sehr empfehlen. Unser Sohn hat viel gutes für sich dort gelernt, was ich ja oben oftmals mit eingefügt habe. Diese Kurklinik ist wirklich sehr gut, und auch unser Sohn hat gesagt, er würde gern noch einmal dorthin fahren in ein paar Jahren. Die Gebäude sind zwar schon alt, doch werden sie immer in Schuss gehalten. Die Betreuer sind alle sehr nett und beantworten die Fragen der Eltern gerne, und die Schule ist auch sehr gut, unser Sohn hat nichts versäumt, und gleich wieder den Anschluss hier gehabt.
Wer mehr über die Klinik wissen möchte, der kann auch unter: http://www.kinderkurklinik.de nachschauen. Denn die Kinderkurklinik hat mittlerweile auch eine eigene Internetpräsenz.
Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meinen Beitrag zu Lesen, zu Bewerten und zu Kommentieren.
Gluehsternchen, 03.08.2002
Hey, ich hab nen Bekannten der dort arbeitet...witzig jetzt nen bericht uumlber die Klinik zu lesen! Gruszlig Gluehsternchen
LaMagra, 21.05.2002
sehr sehr viele Infos. und wieder kommt mir der Bericht bekannt vor : ist ja kein Verbrechen :
Universum, 04.06.2002
Ja doch, ich werde Dir mal vertrauen. Maedbjda