Kurort Hindelang
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Platz 1 in der Kategorie "Bad Hindelang". Typ: Kurort / ...mehr
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Kurort Hindelang Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Gemeinwesen

Schön gelegen - und maßgeschneidert für die Geldbeutel gutsituierter älterer Herrschaften

ein Testbericht von 2007-09-24 16:38:28 vom 24.09.2007
Empfehlung: nein
Vorteile: - landschaftlicher Liebreiz - schöne Ausblicke - rauschende Gebirgsbäche - satte, grüne Almwiesen - sanftmütig dreinblickende Kühe - teils recht gemütliche Alpenwirtschaften, in denen es vor Ort hergestellten Käse zu kaufen gibt ...
Nachteile/Kritik: - die örtliche Gastronomie ist ... - teuer - vergleichsweise selten geöffnet - eher auf anspruchslose Rentner eingestellt als auf junge Familien oder hungrige Wanderer - zu einem großen Teil in der Hand von Gastwirten, die eher Betriebswirte sind.
Hindelang ist ein Kurort; und& nbsp;seit einigen Jahren darf sich das Örtchen sogar ganz&nb sp;mondän „Bad“ nennen. Darin kommt ein wesentliches Merkmal  ;der Gemeinde im Allgäu besser denn je zum Ausdruck: Ba d Hindelang ist ein beschaulic hes Fleckchen – zum Toben  ;sucht sich das pralle Leben&n bsp;andere Plätzchen.



Einem typischen Ballermann-Touristen erschiene die Aussicht auf einen Aufenthalt in Hindelang wahrscheinlich ähnlich verlockend wie die auf ein All Inclusive-Wochenende Guantanamo. Die 5000-Seelen-Gemeinde Hindelang ist Lichtjahre entfernt nicht nur von der berühmt-berüchtigten Schinkenstraße, sondern von jeder Amüsiermeile der Welt. Die einzige Abwechslung, auf die vergnügungssüchtige Städter hoffen dürfen sind Kurkonzerte im nahe gelegenen Bad Oberdorfer Schanzpark, volkstümliche Klänge von der Ostrachtaler Saitenmusik und vielleicht noch ein Gastspiel der Original Don Kosaken im Kurhaus von Hindelang. Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben sind der Almabtrieb im Herbst, die Kirchweih, die hier „Pfarrkirbe“ heißt und sich jährlich im Sommer rund ums Hindelanger Gotteshaus abspielt, und das alljährlich veranstaltete Waldfest, das eine Art Open Air-Festival der Volksmusik ist.

Wer bereits hier die Augen verdreht und wer bei Zithermusik das große Zittern bekommt, darf die Lektüre getrost abbrechen: Spektakulärer wird’s, zumindest mit Blick auf Animation und Amüsement, nicht werden. Selbst das örtliche Kino ist, obschon irgendwann in den 90er Jahren einer Renovierung unterzogen, eine rührend altmodische Veranstaltung. Ich habe es selbst schon erlebt, dass ein Film nicht gezeigt wurde, weil … tja, weil sich einfach nicht genügend viele Zuschauer eingefunden hatten. Lange Jahre stand im Foyer des Lichtspielhauses eine „Space Invaders“-Konsole, deren Bildschirm in einen Holztisch eingelassen war, so dass man bequem im Sitzen spielen konnte. Und bevor der Hauptfilm gezeigt wurde, bekam das geneigte Publikum eine Dia-Schau zu sehen, die eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des örtlichen Handels vor Augen führte. Zu meinen absoluten Favoriten zählten zwei launige Karikaturen, die einen Wurzelsepp am Schlagzeug sowie eine aus vollem Hals schmetternde Opernsängerin zeigten, und an denen der selige Trickfilmer Curt Linda gewiss seine Freude gehabt hätte. Neben den gehörig 60er Jahre-Charme versprühenden Figürchen stand jeweils die gleiche Zeile zu lesen, die sich mir unvergesslich eingeprägt hat: „Sie hörten soeben die neusten Hits aus der Funk- und Fonoabteilung des Elektrizitätswerkes Hindelang“. Ich glaube, um die besagten neuesten Hits zu Gehör zu bringen, nahm der Filmvorführer dann jedes Mal einen alten Plattenspieler in Betrieb und ließ eine Takte hübscher Alpenländler-Musik anklingen. Ein einziges Mal vergriff der Mann sich und statt Ländlermelodie schallte kurz, ganz kurz „Going to a Go-Go“ von den Stones durch den Saal. Das war damals zwar auch nicht mehr ganz taufrisch, stammte aber immerhin aus dem gleichen Jahrzehnt.

Wir halten fest: Um die neuesten Hits zu hören oder sich taufrische Filmkopien anzusehen, reist mensch mit Gewissheit nicht nach Hindelang (wer alte Heimatfilme nach Ludwig Ganghofer wie „Der Jäger von Fall“ schon immer mal auf großer Leinwand sehen wollte, kann aber durchaus Glück haben).

Es ist die landschaftlich reizvolle Lage, die Hindelang zum attraktiven Urlaubsziel macht. Inmitten saftiger, grüner Auwiesen, liegt Hindelang eingebettet in ein Tal, das auf seiner ganzen Länge stets breit genug ist, um die umliegenden Gipfel nicht allzu steil aufragen zu lassen. Zugegeben: Keiner der Hausberge bringt es auch nur auf 2000 Meter, aber wen es auf Hirschberg, Imberger Horn, Iseler oder einen der anderen nahe gelegenen Gipfel zieht, sollte trotzdem gut zu Fuß sein. Steigeisen und Seil braucht zwar niemand mitzunehmen, aber festes Schuhwerk ist auch auf den gut ausgebauten Wanderwegen Pflicht, und gerade bei schlechtem Wetter können die steilen Anstiege zu den Gipfeln schon recht beschwerlich werden. Regnen tut es in dieser Gegend übrigens oft, gern und teils erstaunlich ausdauernd – wenn die Wolken einmal tief im Talkessel hängen, machen sie es sich dort gern gemütlich. Wer gern in der Zeitung blättert oder sich in ein Buch vertieft, ist an verregneten Ferientagen in Foyer und Lesezimmer des in den 80er Jahren erbauten Kurhauses gut aufgehoben, rastlosere Naturen können aber auch in der Ebene einiges unternehmen. Die Starzlach-Klamm bei Sonthofen ist ca. 8 km entfernt, und wer nicht zu Fuß gehen mag, kann den Bus Richtung Sonthofen nehmen. A propos Bus: Ein örtlicher Reiseveranstalter bietet verschiedene Tagestouren mit dem Bus an – im Programm sind nicht nur Ausflüge zu den Königsschlössern bei Füssen (jawoll, Neuschwanstein, Königin der Kitschpostkartenmotive, ist nicht fern), sondern sogar Exkursionen bis nach Venedig. Motorradfahrer finden in Deutschlands kurvenreichster Passstraße ein wahres El Dorado: Die Jochstraße, die in rund 20 Serpentinen 200 Höhenmeter überwindet, führt zunächst in die Gemeindeteile Oberjoch und Unterjoch, wer der Straße dann weiter folgt, quert die Grenze, landet in einem Zipfel Österreichs und darf sich im Tiroler Örtchen Schattwald mit Marillenschnaps, Mozartkugeln und Inländer Rum proviantieren oder sich hier, am Beginn des Tannheimer Tals, einfach in den schönen Biergarten des Alpengasthofs „Zur Post“ setzen. Weiter hinten im Tal lockt der Haldensee, der bei gutem Wetter in tiefem Blau erstrahlt und zur Partie im gemieteten Ruderboot lädt.

Wer die Kirchturmspitze von Hindelang partout nicht aus den Augen verlieren möchte, kann entlang des Flüsschens Ostrach auf bequemen, breiten Wegen lange Spaziergänge unternehmen – zum Beispiel ins Café „Ostrachwellen“ im nahe gelegenen Ortsteil Bruck oder, der Talstraße weiter folgend, ins angrenzende Örtchen Hinterstein. Hier hat wer übrigens ein Kutschenmuseum eingerichtet, dessen Besuch mir zwar mehrfach wärmstens ans Herz gelegt wurde, das ich aber stets schnöde ignoriert habe.

Wer nach soviel Ausflügen drunten im Tal endlich wieder Höhenluft schnuppern will, darf bequem in der Kabinenbahn gen Imberger Horn gondeln, die vor einigen Jahren den guten alten Sessellift abgelöst hat, oder mit dem Bus bis Oberjoch fahren und von dort aus den Iseler besteigen (oder befahren, denn auch hier gibt’s einen Lift) – die Tagestouren, die sich unternehmen lassen, sind zahlreich, und dank verschiedener Schwierigkeitsgrade lassen sich Touren planen, die allen Ansprüchen und Erfahrungen von Bergvagabunden verschiedener Altersstufen gerecht werden. Die gesamte Umgebung ist förmlich gespickt mit mehr oder weniger urwüchsigen Alpen, die, zumindest während der Sommermonate, auch bewirtschaftet sind und in denen sich der müde Wandersmann mit Käsebrot, Buttermilch und anderen Erzeugnissen aus eigener Herstellung stärken kann. Wer den kräftigen Käse nicht vor Ort kaufen möchte, findet im Ortsteil Bad Oberdorf übrigens ein kleines Lädchen für Molkerei-Erzeugnisse, in dem sich das Gewünschte auch ohne kräftezehrenden Marsch erwerben lässt.

Die landschaftlichen Reize sind vielfältig, und sie sind ein Pfund, mit dem die Gemeinde prächtig wuchert – womit wir auch schon beim ganz großen Wermutstropfen von Hindelang wären: Man lässt sich hier zwar alles gut bezahlen, setzt aber en gros leider allzu berechnend auf die Gepflogenheiten einer in die Jahre gekommenen, vergleichsweise pflegeleichten und auch anspruchslosen Klientel. Das findet seinen Niederschlag nicht nur in Preisen, die es in sich haben und die gut situierte Menschlein im Rentenalter anstandloser zahlen können als etwa junge Familien, sondern auch in den Öffnungszeiten der örtlichen Gastronomie: Die Zeitfenster, in denen Mittagsküche, Kaffee und warme Abendmahlzeiten angeboten werden, sind einfach allzu sehr auf Leutchen zugeschnitten, die entweder wirklich mit den Hühnern zu Bett gehen – oder die die Küche ab 17.00 mit keinen größeren Wünschen mehr behelligen als einem weiteren Schöppchen Wein oder einem Bier. Offensichtlich ist man reichlich verwöhnt und sieht keinen Grund dazu, seinen Gästen unbedingt mehr als das Notwendige zu bieten – was umso ärgerlicher ist, zumal die Wirtsleute ein Quasi-Kartell bilden, in dem Ruhetage und Öffnungszeiten fein aufeinander abgestimmt sind: Solange niemand anderes in Gehweite sein Lokal öffnet, hat auch die mieseste Kaschemme plötzlich ein Monopol. Wer solche Art der Geschäftstüchtigkeit der Einwohner nicht schätzt (die übrigens stets und in der Regel sehr entrüstet weit von sich weisen, Schwaben zu sein oder auch nur etwas mit den Schwaben gemeinsam zu haben), ist gut beraten, Vorkehr zu treffen: In Hindelang selbst gibt’s einen Supermarkt sowie einen Laden der „SPAR“-Kette, in Bad Oberdorf ist die werte Kundschaft auf einen kleinen Tante-Emma-Laden zurückgeworfen, dessen Inhaber zwar durchaus charmant ist, in seiner Preisgestaltung aber ebenso weit vom Discount-Konzept entfernt ist wie der nächste ALDI-Markt von Hindelang entfernt ist – wer wirklich günstig einkaufen möchte, muss sich schon Richtung Sonthofen orientieren. Dessen Bahnhof bietet dann übrigens auch den nächsten Anschluss an Netz der Deutschen Bahn – und damit ist, ohne dass ich Sonthofen Unrecht tun möchte, das Wichtigste über das reichlich trist wirkende, zu groß geratene Straßendorf wahrscheinlich schon gesagt.



R e s ü m e e

(Bad) Hindelang im Allgäu ist vor allem eines: landschaftlich reizvoll gelegen. Bad Hindelang ist hingegen nicht wirklich preiswert – dazu klaffen die Preise der örtlichen Hotellerie sowie Gastronomie und das im Gegenzug Gebotene einfach zu weit auseinander. Wer eine überaus ruhige, beschauliche Woche zwischen Kuhgeläut, grünen Wiesen und rauschenden Gebirgsbächen verbringen möchte, sollte aber ruhig die Prospekte des örtlichen Fremdenverkehrsvereins anfordern. Meines Erachtens empfiehlt es sich aber in jedem Fall, mit eigenem Pkw anzureisen – so ist man unabhängig von den Taktzeiten des örtlichen Personennahverkehrs, mit denen verwöhnte Städter ggf. ihre Probleme haben. Gerade bei schlechtem Wetter, das hier auch in den Sommermonaten keine Seltenheit ist, ist es gut, wenn man die Möglichkeit hat, die weitere Umgebung bequem im eigenen Pkw zu erkunden.
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Bewertung Testbericht:sehr hilfreich
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Kommentare
Tut_Ench_Amun
Tut_Ench_Amun, 27.09.2007
LG
Wegeno
Wegeno, 01.10.2007
...::: Gruß Werner :::...
luxusklasse1
luxusklasse1, 24.09.2007
sh
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Informationen zu Kurort Hindelang

 
Allgemeine Informationen Kurort Hindelang
gelistet seit: 24.03.2004
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Allgemeine Informationen
Typ: Kurort 
Kategorie: Erholung 
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