Kurort Kötzting
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Platz 1 in der Kategorie "Kötzting". Typ: Kurort / ...mehr
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Kurort Kötzting Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

schraddel

Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für ein Pferd!

ein Testbericht von 2002-03-18 22:00:55 vom 18.03.2002
Empfehlung: ja
1 Pferd + 1 Apfel = 1 Pferdeapfel.

Na gut, so einfach kann man es sich nicht machen. - Also nochmal:

Jedes Jahr zu Pfingsten stinkt die Stadt Kötzting zum Himmel.

Nein. So geht's auch nicht.

Dritter Versuch:

Eigentlich ist die Stadt Kötzting eine ganz normale bayerische Kleinstadt, idyllisch am Fluss Regen inmitten des Bayerischen Waldes gelegen, rund 7.000 Einwohner, drei Kirchen (zwei davon katholisch), vier Schulen (eine davon ein Gymnasium), ein Krankenhaus, Reha-Klinik, Seniorenheim, Kurpark und seit neuester Zeit ein Spielcasino.

Zu mittelmäßiger Berühmtheit hat es diese Stadt dadurch gebracht, dass sie die erste deutsche Klinik für Traditionelle Chinesische Medizin beherbergt, worüber sogar der "Spiegel" einmal berichtete, und dass es dort ein Mitglied der Naturgesetzpartei (die nach den Lehren Maharishi Mahesh Yogis durch Transzendentale Meditation den Weltfrieden herbeiführen will) einmal bis in den Stadtrat gebracht hat, worüber ebenfalls der "Spiegel" berichtete.

Der Rest ist Schweigen... - Nein, an den "Hamlet" hat sich die örtliche Laien-Theatertruppe noch nicht gewagt, aber immerhin an Goethes "Faust", den sie erfolgreich ins Bairische übertragen und aufgeführt haben.

Und seit die letzte Disco in der Stadt auf Drängen der Anwohner geschlossen wurde, ist es im und um den Ort so still, wie es die grünen Schilder, die überall stehen, gebieten: "Kurort! Bitte langsam fahren und auf Ruhe achten!"

Nur dem Fluss Regen, der hier wie schon immer der Donau entgegen plätschert, konnte noch keiner das Maul verbieten - und den Pfingstreitern, von denen in diesem Bericht die Rede sein soll.

Der Pfingstritt zählt zu den ältesten Volksbrauchtümern Deutschlands. Mehr darf man nicht sagen, da die in der Nähe befindliche deutsch-tschechische Grenzstadt Furth im Wald es inzwischen "amtlich" hat, dass der dortige Drachenstich zumindest das älteste Volksschauspiel ist. Im letzten DM-Jahr wurde das sogar auf einer Briefmarke festgehalten.

Der Pfingstritt also ist eine Reiterwallfahrt zu Pferde, die alljährlich am Pfingstmontag zwischen der Stadt Kötzting und der in der Nähe befindlichen Ortschaft Steinbühl stattfindet. Der katholischen Überlieferung nach geht sie zurück auf das Jahr 1412. Seinerzeit soll in Steinbühl ein Mann im Sterben gelegen haben, und er wollte natürlich nicht verscheiden, ohne zuvor die katholischen Sterbesakramente empfangen zu haben.

Da musste dann der Kötztinger Pfarrer ran, aber wie es scheint, war er ein rechter Schlappschwanz, denn obwohl er ein Pferd im Stall hatte, getraute er sich nicht, durch Nacht und Nebel zu reiten, um den armen Sterbenden ins Jenseits zu begleiten. Da damals hinter jedem Strauch ein Räuber lauerte - so berichtet es zumindest die Legende -, und sich keiner der Stadtälteren bereit fand, das arme Pfarrerlein zu begleiten, ritten schließlich die Kötztinger Burschen aus, um ihn zu beschützen und nach Steinbühl zu geleiten. Der Sterbende erhielt seine Sakramente - was vermutlich eine Weile dauerte, während derer die Burschen sich vergnügten -, und wiederum unter Geleitschutz ritt der Pfarrer zurück.

Das wäre an sich eine nette Geschichte, wenn sie nicht zwei Unstimmigkeiten aufwiese.

Mit den lauernden Räubern sind die Hussiten gemeint, die Anhänger des böhmischen (heutzutage würde man sagen: tschechischen) Reformationsführers Jan Hus, die in ihrem Protest gegen die katholische Kirche tatsächlich reitend und plündernd (und ganz unprotestantisch oftmals auch vergewaltigend) in den Bayerischen Wald einritten. Allerdings erst ab 1419. Daher kann die Datierung nicht ganz stimmen; sie ist sieben Jahre zu früh.

Zweitens bleibt bei der ganzen Geschichte unklar, wie die Botschaft von dem im Sterben liegenden Mann von Steinbühl nach Kötzting gelangte. Man bedenke: Im Gebüsch lauerten die Räuber, und das Telefon war noch nicht erfunden. Woher hätte der Pfarrer von dieser Notlage also wissen sollen?

Dass die ganze Geschichte vom Pfingstritt somit erstunken und erlogen ist - zumindest was ihren katholischen Teil angeht -, und sie auf einen wesentlich älteren heidnischen Brauch zurückgeht, kann man dem Stadtpfarrer schon erzählen; er wird nur wissend nicken und zu seinem Bierglas greifen. So, wie es alle Kötztinger schon seit hunderten von Jahren tun.

Für den Touristen ist die Pferdewallfahrt auf jeden Fall ein Erlebnis. Wo sonst sieht man jedes Jahr um die 500 geschmückte Rösser samt ihren Reitern aufmarschieren und unter Kirchenglockengeläut (das so lange andauert, bis der letzte in dem etwa zehn Kilometer entfernten Steinbühl angekommen ist) eine Wallfahrt absolvieren?

Die Reiter - unter denen in den letzten Jahren auch hin und wieder bereits eine Reiterin gesichtet worden ist - gehen dort dann in die Kirche. Offiziell zumindest. Aber auch die Gaststätten drumherum haben Hochbetrieb, und welcher Dorfbewohner welches Pferd versorgt, wurde längst im Vorhinein ausgehandelt. Wesentlich ungeordneter, aber immer noch ansehnlich, geht es dann geraume Zeit später an den Rückritt.

Die wahre Geschichte, die hinter dem Pfingstritt steckt, enthüllt sich aber durch ein weiteres Stück Brauchtum, das in dessen Umfeld stattfindet.

Nach dem Einritt in die Stadt Kötzting führt der so genannte "Pfingstbräutigam" seine "Pfingstbraut" in sein Elternhaus. Dort unterhalten sich die beiden, bis sie sich abends öffentlich bei der großen Abschlussveranstaltung zeigen.

Wer "Pfingstbraut" und wer "Pfingstbräutigam" wird, ist im Vorfeld großes Gerede in der Stadt. In neuerer Zeit wollen sich so recht keine Kandidaten mehr finden, vor allem für die Rolle der Pfingstbraut. Auch wenn die Bedingungen - es soll sich nach Möglichkeit um eine Jungfrau katholischen Glaubens handeln, die in Kötzting geboren wurde - inzwischen recht gelockert wurden, will niemand mehr gerne die Kosten für Kostüm und Bewirtung der Gäste auf sich nehmen, die eine solche "Ehre" nun einmal mit sich bringt.

Trotzdem hat sich (manchmal auf sanftes Drängen des Fremdenverkehrsamts) bisher noch jedes Jahr jemand gefunden, und, um im bairischen Dialekt zu reden: Pfingsten in Kötzting ist eine Mordsgaudi.

Denn erstens beschränkt sich das Ganze nicht auf den Pfingstmontag mit dem Pfingstritt, der ohne Zweifel den Höhepunkt des ganzen Pfingstwochenendes darstellt.

Tage vorher wird die Stadt schon geschmückt, und es ist beinahe unmöglich, mit dem Auto einen Parkplatz zu finden. Das macht aber nichts, denn sie ist so klein, dass man jedes Ziel bequem zu Fuß (und notfalls auf allen Vieren) erreichen kann.

Die örtliche Lokalbrauerei, der Lindner-Bräu, braut speziell zu diesem Anlass ein spezielles Bier, das mal mehr, mal weniger schmackhaft gelingt, aber immer eines ist: stark. So mancher Tourist hat sich am Ausgang schon geirrt, deswegen hier der wichtigste Hinweis: Rechts vom Ausgang geht's zum Parkplatz. Links vom Ausgang geht's zum Fluss. Das zu wissen, vermeidet nasse Füße.

Ein Pfingstwochenende in Kötzting ist wirklich ein einmaliges Erlebnis. Hier sind alle Regeln vorübergehend außer Kraft gesetzt; und ob Kölscher Karneval oder Meenzer Faasenet: Für Kötzting an Pfingsten geb' ich das alles gerne auf.

---

Okay, Leute: Ihr habt Recht. Da fehlt noch was.

1. how to come hin:
http://www.koetzting.de - Da steht alles, was ich in meinem Bericht nicht geschrieben habe.

2. how to get lost:
Wenn Ihr dort seid, nach dem Spitalplatz fragen und das "Goggolori" aufsuchen. Dort trifft man Touristen und Einheimische gleichermaßen. Ort für nette Gespräche, gutes Essen, und gutes Bier.

Aber vielleicht liegt's auch nur daran, dass ich ein Einheimischer bin.
...
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Kommentare
clauds22
clauds22, 18.03.2002
wow, als Reiterin wuumlrde mir das natuumlrlich auch gefallen, aber wahrscheinlich wuumlrde ich nur neidisch werden auf die tollen Pferde Gruumlssle, Claudi
Ludwig123
Ludwig123, 25.03.2002
gefaumlllt mir schon besser!
store_troll
store_troll, 27.03.2002
Interessanter und informativer Bericht !
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Informationen zu Kurort Kötzting

 
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Kategorie: Erholung 
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