Die Jahreswende 2002/2003 war verregnet wie ein englischer Sommer. Um nicht vor Langeweile zu sterben und etwas für die Gesundheit zu tun, fuhren wir spontan in die nächstgelegene Thermalquelle. Mal wieder ein bißchen schwimmen: Die OBERMAINTHERME. In dem schönen Ort Staffelstein in Franken gelegen.
Die Anlage liegt zusammen mit einem Klinikum und einem Kurhotel nördlich der Ortschaft Staffelstein, relativ gut erreichbar über die Ausfahrt Staffelstein-Nord vom Frankenschnellweg her. Landschaftlich reizvoll ist die Aussicht auf die Hänge des Frankenwaldes mit dem schönen Kloster Banz (wo alljährlich die Größen der CSU zur "inneren Einkehr *hicks*" zusammenkommen). Steht man allerdings fast vor den Toren, ist es doch recht verwirrend - zumal den besagten Hotels und Kliniken Großparkplätze wie das Vorfeld einer Festung vorgelagert sind, hinter dem sie fast verschwinden. Welches der Beton-Glas-Stahlrohr-Bunker nun die Obermain-Therme ist, findet man erst durch Probieren heraus.
Dazu hat man allerdings genügend Zeit, denn nach Parkplätzen sucht man, trotz der Größe des Parkterritoriums, durchaus eine gewisse Zeit. Das liegt zum Teil an der regen Frequentierung, zum Teil an der Fähigkeit der Einheimischen, mit möglichst wenig KFZ möglichst viel Parkfläche einzunehmen.
Im Eingangsbereich ist es etwas beengt, denn die Wege der Wartenden, Bezahlenden und Heimgehenden kreuzen sich ungünstig. Man erhält beim Bezahlen eine Pappkarte mit Magnetstreifen, auf der die bezahlte Zeit gespeichert ist. Sie öffnet einem, wie in einer Sicherheitsschleuse, den Weg zum recht unübersichtlichen, weil auf zwei Stockwerke verteilten Umkleidekomplex. Irgendwie hat man hier das Gefühl, in einer quirligen Großstadt zu sein, deren Verkehrsplaner zeitweise den Dienst verweigert hat.
Auch die Kleiderspinde warten mit einer Neuerung auf: anstatt, wie früher, einer Münze, nehmen sie als Pfand für den Schlüssel die erwähnte Karte an - die man auf keinen Fall dann, wie es sich bequemerweise anbietet, im Spindschloß vergessen sollte: denn sie öffnet einem nicht nur den Eingang, sondern auch den Ausgang. Die Tatsache selbst, daß sie eingeschlossen wird, ist durchaus sinnvoll - denn eine derartige Pappkarte würde im Badbereich selber ohnehin nicht lange halten.
Der "innere" Badebereich besteht aus zwei voneinander getrennten Becken oder besser Beckenkomplexen - denn beide setzen sich durch eine Art Wärmeschleuse hindurch in den Außenbereich fort. Das "obere" dient vor allem zur Wassergymnastik, das "untere" ist mit einem kleinen Whirlpool kombiniert. Schön ist hier eine künstliche Wasserhöhle, in die man hineinschwimmen kann - drinnen erwartet einen eine heißdampfgesättigte Luft sowie, wenn man den zweiten Höhleneingang wieder hinausschwimmt, ein heftiger Wasserschwall von oben. Das Ganze ist kitschig-rustikal aus Granitplatten zusammengebaut (ein Orthoklas-Biotit-Granit, um genau zu sein).
Im Umfeld dieses "unteren" Beckens findet sich auch das Dampfbad - zwei hintereinandergeschaltete kleine Räume, deren hinteres Ende von vorne vor Nebel nicht zu sehen ist. Aufmerksam: mit Brillenablage vor dem Zugang und innen mit einem kleinen Kaltwasserbecken zum Erfrischen. Der Schlauch zum "Abschrecken" ist dagegen vor dem Zugang angebracht.
Eine eigene Sauna ist ebenfalls vorhanden, kostet aber extra - ich habe sie nicht erkundet.
Im Außenbereich erwartet einen zunächst die Fortsetzung dieses Beckens mit einer schönen Spielerei: ein Teil davon ist durch eingebaute "Inseln" zu einem ringförmigen Schlauch abgetrennt, in dem zeitweise das Wasser - und
auch die Schwimmenden - durch kräftige Düsen im Uhrzeigersinn herumkatapultiert werden. Ein Heidenfez, man kommt sich vor wie in einer Wäscheschleuder.
Im Außenbereich erwarten einen weiters einige kreisförmige Whirlpools - die ca. alle 15 Minuten einen neuen Zyklus beginnen - mit zugehörigen eiskalten "Kneippbecken". Am äußersten Ende befindet sich noch ein Becken mit kühlerem Wasser und abgeteilter Rückenschwimmbahn - wer einfach mal ein paar Bahnen auf und ab paddeln will.
Im Gebäude sind noch Liegeflächen und Solarliegen untergebracht - letztere kosten ebenfalls extra (Münzeinwurf).
Die Funktion des ganzen Bades als Kuranlage bringt es mit sich - auch durch die Nachbarschaft zum Kurhotel - daß das Publikum im Durchschnitt eher als "mittel" bis "betagt" einzustufen ist. Kinder haben altersabhängig entweder keinen Zutritt oder nur in Elternbegleitung - sodaß manche Familien eigentlich schon als Besucher ausscheiden. Dafür hat man eine gewisse Chance auf "seine Ruhe". Überhaupt hat man hier weniger eine Freizeiteinrichtung, als eine medizinische Kureinrichtung vor sich.
Rein architektonisch ist das Bad keine Glanzleistung - es erinnert mich eher an ein Bürogebäude. Schöner ist die Gestaltung der Beckenbereiche mit Naturstein, vor allem mit leicht rötlichem Granit (angerauht, damit man auch barfuß sich nicht "hinlegt").
Warum gibt es hier, wo der Main ein junges Flüßchen ist, eine solche Therme? Das Wasser, das hier mit bis zu 50 °C aus der Erde kommt und 1975 zum erstenmal erbohrt wurde, enthält, als offensichtlichsten Bestandteil, Salz - Natriumchlorid, daneben Calcium- und Kaliumchlorid, etwas CO2. Schwefel ist nicht dabei. Man tut sich schwer, wenn man erfahren will, warum hier eine Thermalsole sprudelt - denn weder Prospekte noch Internetpräsentation geben etwas dazu her. Ich vermute, es handelt sich hier um die Restwärme eines tertiären (also ca. 20 bis 30 Mio Jahre alt) Vulkanismus, verursacht von der Kollision Afrika-Europa und der Auffaltung der Alpen. Immerhin hat dieses Ereignis ja ganz Norddeutschland in einzelne Schollen zerlegt und vereinzelt eine gewisse vulkanische Aktivität hervorgerufen, auch hier in dieser Region.
Auf der einen Seite hat es sehr viel Spaß gemacht - und drei Stunden sind nicht zuviel für das, was man hier alles nutzen kann. Andererseits hat man oft den Eindruck, in einer "Kurgästeabfertigungsfabrik" zu sein, und das nicht nur aufgrund des Andrangs. Man sollte entweder frühmorgens auftauchen, oder zu ganz später Stunde (es ist bis 21.00 geöffnet).
Die Preise: Einzelkarte zwischen 6 und 9 EUR (zeitabhängig)
Öffnungszeiten: täglich, 9 - 21 Uhr
Die Anlagen sind behindertengerecht.
Weitere Infos unter www.obermaintherme.de
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