Prätorium (Stadthalterpalast)
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Platz 81 in der Kategorie "Köln".
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Prätorium (Stadthalterpalast) Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher

Travelwriter

Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit

ein Testbericht von 2003-10-20 01:53:47 vom 20.10.2003
Empfehlung: ja
Vorteile: Antiker Palast im Keller eines Rathauses...
Nachteile/Kritik: Bis Frühjahr 2003 wegen Renovierung geschlossen
Eines meiner größten Hobbies ist das Besuchen und Fotografieren von römischen Spuren in Europa. Natürlich mußte ich auf meinen Reisen auch mal beim antiken Köln, dem Colonia Claudia Ara Agrippinensium, vorbeisehen.

Auslöser für mein Hobby war ein Buch mit dem Titel "Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit", das in anschaulichen Worten die Ausgrabungen im deutschsprachigen Raum beschreibt. Und in diesem Buch kommt auch ein Fahrstuhl vor, mit dem man in den Keller des Kölner Rathauses fahren kann, um dort auf die Spuren des römischen Statthalterpalastes (Praetorium) von Niedergermanien zu stoßen.

Leider war zum Zeitpunkt meines Besuches (November 2001) der Fahrstuhl gerade außer Betrieb, so daß ich ganz normal zu Fuß in die Römerzeit hinabsteigen mußte. Unten angekommen löste ich bei einem sehr lustig wirkenden Aufseher die Eintrittskarte. Irgendwie hatte ich den Eindruck er wäre selbst noch ein Überbleibsel aus dem alten Rom, zumindest sprach er mit einem südländischen Akzent.

Um das Erlebte besser verstehen zu können, muß ich etwas weiter ausholen. Vor ca. 2.000 Jahren wurde die Gegend um Köln römisch. Die ursprüngliche Siedlung gewann bald an Geltung, weil in ihr die Mutter des römischen Kaisers Nero geboren wurde, die dann als einflußreiche Persönlichkeit schon dafür sorgte, daß "ihre" Stadt blüht und gedeiht.

Bald wurde dann die Stadt zum Sitz des Statthalters der römischen Provinz Niedergermanien. Als solcher hatte er natürlich einen entsprechenden repräsentativen Palast. Dieser Palast wurde im Laufe der wechselvollen Geschichte des römischen Reiches immer weiter ausgebaut, man kann schon sagen, je schlechter es dem Reich ging umso prächtiger wurde das Bauwerk.

Schließlich befanden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Rheines, in Köln-Deutz sozusagen, bereits die Gebiete der germanischen Völker. Diese sollten durch einen entsprechend mächtigen Bau hoch aufgerichtet am linken Rheinufer beeindruckt und abgeschreckt werden.

Genau dieser Bau geriet dann nach den Stürmen der Völkerwanderung in Vergessenheit und wurde nach den Bombardierungen des 2. Weltkrieges plötzlich im Schutt der zusammengestürzten Häuser wiederentdeckt. Beim Wiederaufbau des darüber befindlichen Rathauses, wurde dann sorgsam darauf geachtet, das die Fundamente des römischen Baus im Keller des neuen Rathauses Platz fanden und für den interessierten Touristen zur Verfügung stehen.

Und was erwartete mich nun als interessierter Besucher? Die noch zum Teil mannshohen Mauern präsentierten sich mir in einem raffiniert beleuchtenden Halbdunkel des Kellergewölbes, das sich in Form einer gigantischen Betondecke über die Grundrisse des Palastes erstreckte. Ich konnte die antiken Wände direkt vor mir fühlen bzw. von einem erhöhten Gang aus überblicken. An Hand eines Modells des Palastes am Beginn des Kellers konnte ich gut die gespenstisch wirkenden Mauern den einzelnen Ecken im Modell zuordnen. Auf großen Wandfotos war es mir auch möglich die Grundrisse des Palastes im Stadtbild von Köln einzuordnen und seine Größenverhältnisse zu verstehen.

Nach so ca. 20 Minuten verließ ich wieder das Gewölbe und wandte mich zum Eingang des römischen Abwasserkanals, der dem Ausstellungsraum gegenüber lag. Obwohl man sich laut einem Schild beim humorvollen Mann an der Kassa melden soll, bevor man den Kanal betritt, ist der Spaziergang durch den mannshohen Schacht weder gefährlich noch sonstwie unangenehm. Der Kanal ist inzwischen völlig gesäubert und der Boden eben gemacht. Unterwegs stieß ich an eine Stelle, wo Teile des Kanals offensichtlich ausgebaut worden sind. Die herausgehobenen Teile fand ich dann später an der Straßenecke Kleine Budengasse/Am Goldschmied wieder, wo sie dem vorbeigehenden Kölnbesucher einen Eindruck über die Größe eines solchen Kanals geben.

Zwischen dem Gewölbe mit den Mauerresten und dem Abwasserkanal ist übrigens noch ein Raum, wo man Kleinfunde aus der römischen Zeit betrachten kann. Schwerpunktmäßig erfuhr ich dort einiges über die Religionen im römischen Reich und die Ausbreitung des Christentums zur damaligen Zeit. Wer mehr von diesen Teilen sehen möchte, sollte aber gleich weiter zum Römisch-Germanischen Museum am Roncalliplatz gehen (neben dem Kölner Dom), wo man viel über das private Leben im römischen Köln erfährt.

Der Besuch der Überreste ist hauptsächlich für Geschichtsfreunde interessant, aber ich denke, das es auch anderen Touristen Spaß machen kann, mal im "Untergrund" von Köln zu spazieren und zu erfühlen, was sich so alles unter der modernen City verbirgt.

Leider mußte ich anläßlich meines Silvesterbesuchs in Köln 2002/2003 feststellen, das der Zugang zum Praetorium wegen Sanierungsarbeiten bis ins Frühjahr 2003 gesperrt ist. Wer also einen Besuch plant, sollte sich vorher telefonisch im Römisch-Germanischen Museum über den Fortschritt der Arbeiten erkundigen.

Buchempfehlungen:
Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit
Rudolf Pörtner, ECON Verlag
wahrscheinlich vergriffen)

Das römisch-germanische Köln
Gerta Wolff, J.P. Bachem Verlag
(im Römisch-Germanisches Museum erhältlich)

Kontaktadresse:
Römisch-Germanisch es Museum
Roncalliplatz 4, 50667 Köln
Telefon 0221-221/2 44 38 und 221/2 45 90
Fax 0221-221/2 40 30
E-Mail roemisch-
germanisches-
museum@stadt-koeln.de
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Informationen zu Prätorium (Stadthalterpalast)

 
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