Platz 128 in der Kategorie "Berufe". Es handelt sich hierbei um eine ziemlich unbekannte Berufsrichtung, bei der man für behinderte Menschen arbeitet. ...mehr
Behinderten-Assistentin Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
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Ich habe meinen Traumjob gefunden...
ein Testbericht von sslazio2004-07-29 20:17:30vom 29.07.2004Empfehlung: ja
Vorteile: Sehr persönliches Arbeitsverhältnis, viel Freizeit...Nachteile/Kritik: Körperlich oft anstrengend
...wenn man sich über seine Zukunft Gedanken macht, geht es natürlich auch um den sogenannten Traumberuf. Ich bin der Meinung, dass nur wenige Menschen das Glück haben, diesen auch zu finden. In der Bandbreite der Berufe ist das natürlich auch schwierig...und seine Träume dann auch noch umzusetzen, in der heutigen Zeit noch schwieriger.
Ich kann von mir behaupten, nach vielen Anläufen und verschiedenen Jobs in verschiedenen Branchen, nun die Arbeit gefunden zu haben, die ich die nächsten Jahre ausführen möchte.
Ich bin Behinderten - Assistentin.
+++Wie ich dazu kam+++
Mir war schon ziemlich lange klar, dass ich im sozialen Bereich arbeiten möchte. Und nachdem ich während meines Studiums zahlreiche Praktika in einer Förderschule für behinderte Kinder gemacht habe, wusste ich ,dass ich in der Behindertenbetreuung bleiben wollte.
Meine jetzige Arbeit fand ich allerdings eher durch Zufall beim Stöbern auf der Internetseite des hiesigen Arbeitsamtes.
Da das Vorstellungsgespräch in einem privaten Haushalt direkt bei meinen behinderten Arbeitgebern stattfand, musste ich auch keine großartigen Bewerbungsschreiben verfassen. Ein Lebenslauf und der erste persönliche Eindruck genügte.
Er genügte so gut, dass ich schon ein paar Tage später die gute Nachricht bekam, dass ich den Job bekomme.
Und trotz der Ungewissheit, was mich erwarten würde, war die Freude natürlich riesengroß.
+++Ausbildung+++
Der Beruf der Behinderten - Assistentin ist ein sehr neuer Beruf und erfordert daher keine spezielle Ausbildung. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung mit meinen Arbeitgeberinnen sprechen und kann sagen, dass diese weniger Wert auf die vorhergehende Ausbildung legen, sondern einzig und allein auf den Willen und den Spaß am Job.
Ich persönlich habe Erziehungswissenschaften studiert, die ja nicht wirklich etwas mit Behindertenarbeit zu tun haben. Mir kam mein großes Interesse und sicherlich auch meine Erfahrung zu Gute, weniger aber meine Ausbildung.
Es ist natürlich durchaus möglich, dass andere behinderte Arbeitgeber eine spezifische Ausbildung verlangen. Da es aber keine Ausbildung zum Behinderten- Assistenten gibt, sind sicherlich einige Ausbildungen wie z.B: Ergotherapeut, Heilpädagoge, Sozialpädagoge etc. für diesen Beruf geeignet.
Die wichtigsten Grundlagen lernt man aber sowieso erst direkt am Arbeitsplatz.
+++Hintergründe des Berufes+++
Um einen besseren Überblick über die Art des Berufes zu bekommen, muss ich wohl etwas ausholen.
Ich habe mich ja durch meine Arbeit viel damit beschäftigt, um auch die Entstehung dieses noch sehr jungen Berufes zu verstehen.
Behinderten-Assistenten gibt es im westlichen Deutschland schon ein paar Jahre länger, ich habe das große Glück, für die ersten behinderten Arbeitgeber zu arbeiten, die hier in Ostdeutschland das Arbeitgeber-Modell durchgesetzt haben.
Arbeitgeber - Modell heißt im Prinzip, dass ich direkt, und nicht über Dritte, etwa für einen Pflegedienst, für meine zu pflegenden Menschen arbeite.
Der Beruf wurde erfunden, um behinderten Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Wo heute noch sehr viele Menschen in Heimen leben, die eigentlich nur körperlich auf Hilfe angewiesen sind, gibt es viel Handlungsbedarf.
Durch den Beruf des Behinderten - Assistenten wird behinderten Menschen ermöglicht, sich selbst auszusuchen, wer ihnen helfen soll im täglichen Leben.
Der Behinderte ist Arbeitgeber und zu pflegender gleichzeitig, er regelt die Arbeitszeiten, er bestimmt ,was im Haushalt erledigt werden soll.
Finaziert wird die Assistenz von den Krankenkassen und Rententrägern. Das Geld, dass für die Löhne der Assistenten benötigt
wird, wird also direkt zu den behinderten Arbeitgebern überwiesen, welche dann wiederum wie in jedem anderen Betrieb, Lohnscheine erteilen und die Löhne berechnen, überweisen und auch die Steuern weiterleiten.
+++Kontaktadresse+++
Der Verein für selbstbestimmtes Leben ist unter
www.forsea.de zu finden. Hier gibt es viel Wissenwertes zu lesen.
+++Beschreibung der Tätigkeit+++
Ich möchte den Beruf des Behinderten - Assistenten mit den Worten einer meiner Arbeitgeberinnen wiedergeben: "Sie ersetzen uns unsere Hände, nicht unseren Kopf."
Was das bedeutet?!
Meine beiden Arbeitgeberinnen(zwei Schwestern) leiden an einer Muskelkrankheit, sie sind also nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen.
Wir sind insgesamt 7 Assistentinnen, die abwechselnd in sogenannten Rund-um-die-Uhr-Schichten arbeiten. Es ist jeden Tag jeweils eine Assistentin bei jeder der Arbeitgeberinnen, so dass wir uns voll und ganz auf eine Person konzentrieren können.
Der Tagesablauf ist im Grunde nicht anders als bei anderen auch. Wir beginnen früh mit Waschen und Toilettengang.
Im Laufe des Tages werden unterschiedliche Dinge unternommen, wir gehen zusammen einkaufen, auch mal ins Kino oder einfach nur spazieren.
Das Essen wird auch von uns, allerdings nach Anweisung der Arbeitgeberinnen ,gekocht.
Man könnte jetzt noch viele Dinge erläutern, die wir zusammen machen...aber man kann sich das einfach so vorstellen, wie wir auch unsere Tage verbringen, nur dass wir eben unseren Chefinnen dabei assistieren, weil diese im Rollstuhl sitzen und ihre Hände kaum noch benutzen können.
Das sind jetzt aber nur meine eigenen Erfahrungen, wie schon erwähnt, sieht das Beschäftigungsmuster natürlich je nach Art der Behinderung und nach Nötigkeit der Hilfe anders aus. So kann es sein, dass andere behinderte Arbeitgeber nur Assistenz beim Einkaufen benötigen oder einfach eine Assistenz für Urlaubsreisen brauchen.
+++Arbeitszeiten+++
Auch hier kann ich nur von meinen eigenen Arbeitszeiten sprechen, da diese individuell von Arbeitgeber zu Arbeitgeber variieren können.
Ich arbeite also in Rund-um-die-Uhr-Schichten, dass heißt 24 Stunden am Stück.
Es gibt Einzel - oder Doppelschichten, dass heißt, man kann entweder 24 oder 48 Stunden arbeiten. Dies bestimmt der Arbeitgeber in einem Dienstplan.
Ich beginne meine Schicht immer 9 Uhr am morgen und kann dann am Folgetag 9 Uhr bzw. 1 Tag später bei einer Doppelschicht nach Hause gehen.
Als Assistentin lebe ich ganz normal mit in dem Haushalt, esse dort und schlafe auch ganz normal. Es besteht allerdings eine Nachtbereitschaft, bei Bedarf (was allerdings eher selten ist) wird mittels eines Gongs nach uns gerufen.
Ich habe also einen normalen Tagesrhytmus, kann ausreichend schlafen.
Es werden im Arbeitsvertrag 7 Schichten garantiert, meist sind es aber so zwischen 8 und 10 im Monat. Das bedeutet also, dass man rund 20 Tage im Monat komplett frei hat, trotz einer Vollzeitstelle.
Gearbeitet wird allerdings auch an Wochenenden und Feiertagen, dies ohne zusätzliche Vergütung.
+++Verdienstmöglichkeiten+++
Da die Löhne durch die Krankenkassen vorgegeben sind, beläuft sich der monatliche Verdienst auf zwischen 1050 und 1300 Euro netto. Das varriiert nach der Anzahl der Schichten in einem Monat.
+++Fazit+++
Auch wenn es für einige vielleicht anstrengend klingt, ist der Beruf der Behinderten-Assistentin mein Traumjob.
Ich habe ein sehr freundschaftliches, keineswegs steifes Verhältnis zu meinen Chefinnen, wir reden viel, unternehmen viel zusammen, die Assistenz läuft eher nebenbei ab und macht wirklich Spaß.
Ich habe ja ein 4-Monate altes Baby zu Hause, gehe aber seit einem Monat wieder arbeiten und das klappt prima...ich habe durch die ganzen freien Tage sehr viel Zeit für meine Tochter und bin dennoch zufrieden als berufstätige Mutter.
Man sollte natürlich auch bedenken, dass man sein Kind auch mal 2 Tage nicht sieht, und das kann schon sehr schwer sein.
Der Beruf ist geeignet für Menschen, die gerne helfen, aber dies nicht aus Mitleid tun, denn das wäre die völlig falsche Motivation.
Man sollte auch bedenken, dass es natürlich eine gewisse Überwindung kostet, die nicht jeder aufbringen kann, z.B.: beim Toilettengang etc..
Es ist also kein Job, den man einfach nur aus sozialen und helferischen Motiven machen sollte, ich sag immer: entweder, man kann es, oder man kann es nicht, was auch okay ist.
Ich für mich habe den Job gefunden, den ich immer wollte...ich habe viel frei, habe auf Arbeit viel Spaß (vorallem, weil ich als Frau meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen kann: quatschen), der Job wird durch seine Arbeitszeiten nie eintönig und, was das wichtigste ist: ich kann Geld verdienen UND für mein Kind da sein.
Was das finazielle betrifft, würde natürlich jeder sagen, dass es mehr sein könnte, aber ich persönlich habe lieber einen Job, der mir Spaß macht und dafür etwas weniger Geld...und das meine ich wirklich ernst...grins!
In diesem Sinne liebe Grüße
Jeannette (die jetzt 10 tage frei hat)
Diesen Bericht habe ich auch bei ciao veröffentlicht.
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Produktbeschreibung Behinderten-Assistentin
Technische Daten und ProdukteigenschaftenEs handelt sich hierbei um eine ziemlich unbekannte Berufsrichtung, bei der man für behinderte Menschen arbeitet.