Platz 167 in der Kategorie "Berufe". Berufe von A-Z: G / Ansprechperson für alle Gäste des Clubs bei Fragen, Anregungen, Wünschen, Reklamationen, etc. Schnittstelle zwischen Club, Gästen, ...mehr
Gästebetreuung in Club Hotels Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Ich bin GSM.. ??was is das?? Lesen!!
ein Testbericht von tuimama2004-11-05 07:55:22vom 05.11.2004Empfehlung: ja
Vorteile: man lernt sehr viel für sein Leben und erweitert seinen Horizont ganz ungemein, der tägliche Kontakt mit vielen Menschen bringt Abwechslung und viel Menschenkenntnis mit sich, man lernt die Länder wirklich kennen, in denen man lebt...Nachteile/Kritik: wenig Freizeit, nur ein Tag frei in der Woche, man ist teilweise eingeschränkt in seinen Aktivitäten durch das Umfeld des Clubs, man ist ständig präsent und so niemals privat im Club
Herzlich Willkommen zu einem Bericht über meinen Job. Ich werde so oft danach gefragt, wie ich dazu gekommen bin, was ich so mache und so weiter und so fort, dass ich mich jetzt entschlossen habe es euch allen zu erzählen. Und um was handelt es sich dabei?
Mein genauer Titel ist „Guest Services Managerin“ – ich arbeite als GÄSTEBETREUUNG im Magic Life in Sharm El Sheikh (das liegt am Süd Sinai in Ägypten, für diejenigen unter euch, die es nicht kennen).
Ja, Gästebetreuung, was ist das eigentlich, was macht man da den ganzen Tag, wie kommt man zu diesem Beruf und überhaupt .... also lasst mich erzählen!
******************************** 1)Wie kam ich dazu
2)Was solltet ihr als Voraussetzungen mitbringen, wenn ihr euch für den Job interessiert
3)Was sind meine Aufgaben
4)Fazit
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1)WIE ALLES ANFING UND WEITER GING
**MEINE AMBITIONEN**
Ich bin von meinem Wesen her schon seit jeher eine Person, die grundsätzlich einmal eher Fernweh hat als Heimweh. Deshalb war meine Berufswahl auch dem Tourismus beschieden. Ich machte meine Lehre zur Hotelfachfrau im ArabellaSheraton am Büsing Palais in Offenbach (siehe Bericht über das Hotel – es ist nur zu empfehlen!!). Danach hielt mich praktisch nichts mehr – ich hatte bis dahin mein gesamtes Leben im Raum Frankfurt verbracht und jetzt war endlich genug damit! Ab ins Ausland. Aber wie? Ich bewarb mich bei Neckermann, TUI und ein paar kleineren Veranstaltern als Reiseleitung.
**WER GAB MIR EINEN JOB?**
Es kam dabei heraus, dass ich Reiseleitung für TUI Gäste wurde – und schon ging’s los. Einschulung auf Mallorca (im kalten Februar..brrr.. nix mit grosser Party..) und mein erster Einsatz auf Kreta in Chersonissos. Ein super genialer Sommer! Ich verbrachte acht Monate auf dieser wunderschönen Insel und ertrug all das „Leiden“ der Touristen, die ja fast nie komplett zufrieden sind. Aber es machte mir viel Spass. Ich lernte die südländische Kultur kennen und auch die Mentalität und passte mich dieser schnell ein wenig an. Das Leben wird viel schöner, wenn man alles entspannter angeht und nicht mit purer Gradlinigkeit und Hektik und Unflexibilität. Nunja, aber nach diesen acht Monaten nagte doch der Gedanke in mir „Will ich wieder zurück nach Deutschland?“ und nach einer durchgepowerten Saison mit viel Arbeit hatte ich den Wunsch nach einer Pause daheim.
**WAS SOLL ICH IM WINTER MACHEN?**
Also zurück ins kalte Deutschland und das ausgerechnet zum Winter hin – naja, ich hab’s ja so gewollt... Den Winter über habe ich wieder im Arabella gearbeitet, diesmal als Reservierungssekretärin (wobei ich dadurch, dass keine Reservierungschefin vorhanden war, praktisch „in charge“ für die Abteilung war – gute Vorbereitung auf selbständiges und verantwortliches Arbeiten für eine Abteilung). Aber der Winter war sooo kalt und grau und ungemütlich in Offenbach – ich musste wieder weg.
**DER NÄCHSTE SOMMER KOMMT BESTIMMT**
Und weiter ging’s – nach Tunesien. Meine zweiter und letzte TUI-Saison, denn dort entschied sich mein weiterer Weg... Ich lernte meinen jetzigen „Mann“ kennen. Er arbeitete dort in einem der Magic Life Clubs in Hammamet und ich betreute diesen.. na und wie das Leben so spielt... ;-)
Nach dieser Saison wollte ich eigentlich nicht wieder nach Hause, aber TUI hatte keinen Platz mehr für mich und ich musste mir etwas suchen, damit ich bei meinem
Schatz bleiben konnte. Ich ging erstmal auf Urlaub nach hause und dann einfach auf gut Glück wieder nach Hammamet. Und ich hatte tatsächlich Glück. Nach nur drei Wochen hatte ich meine Stelle im Magic Life Africana als Gästebetreuung (hat da wohl wer nachgeholfen..??). Dort waren wir dann ein Jahr, bis der 11.September 2001 kam wir in unbefristeten unbezahlten Urlaub geschickt wurden, weil die Buchungslage katastrophal war. So sassen wir bei der Schwester meines Freundes in Ankara und plötzlich kam ein Anruf – kommt nach Ägypten, wir eröffnen einen neuen Club und ihr solltet am besten schon gestern da sein! Na dann mal los!
**UND DA BIN ICH JETZT**
.....seit zweieinhalb Jahren im Magic Life Sharm El Sheikh.
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2) WAS SOLLTET IHR MITBRINGEN
VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN JOB
********************************************* **FLEXIBILITÄT**
..ist enorm wichtig. Wer denkt, es liefe immer alles nach Plan und könnte sich immer aussuchen wohin er / sie als nächstes geht – der hat verloren! Man muss mit allem rechnen und für alles OFFEN SEIN. Manche Entscheidungen (wie unsere nach Ägypten zu gehen) geschehen über Nacht und spontan. Lange Planung ist nicht möglich, denn man weis nicht was die nächste Saison bringt. Selbst meinen Urlaub kann ich nicht lange im Voraus planen, weil ich nie weis wie die Buchungslage zu diesem Zeitpunkt tatsächlich sein wird. Die politischen Ereignisse beeinflussen sehr viel.
**IMPROVISATIONSTALENT**
Ihr solltet improvisieren können. Denn selbst wenn die Arbeitsvorgänge eigentlich vorgegeben sind, können sie spontan gestört werden oder sich ändern und dann ist Improvisation gefragt – auf der Stelle.
**STRESSRESISTENT**
Wer stressanfällig ist, sollte sich lieber einen ruhigen Beamtenjob im Büro suchen. Stressunanfällige Leute dagegen sind „herzlich willkommen“, denn hier kann es schon sehr sehr aktiv zugehen. Man muss sozusagen multibel funktionieren, damit man alles abdecken und erledigen kann was gleichzeitig anfällt. Es ist zum Glück nicht immer so (im Moment hab ich Ruhe, sonst könnte ich diesen Bericht nicht schreiben), aber oftmals kommt doch einfach alles zusammen. Die Gäste suchen sich nicht die ruhigen Momente aus, um ihre Probleme, Wünsche oder Fragen anzubringen, sondern tun das genau dann wenn es ihnen passt.
**SELBSTÄNDIGKEIT / ORGANISATIONSTALENT**
Selbständiges und organisiertes Arbeiten sind selbst in diesen Ländern, wo sich so Vieles so schwer organisieren lässt sehr wichtig. Ich habe das Glück einen Club Manager zu haben, der mich auch mein Ding machen lässt und mir nicht ständig hinterher läuft und sagt was ich zu tun habe. Meine Abteilung besteht nur aus mir und meiner Assistentin – von daher müssen wir uns selbst um alles kümmern. Und wenn es da an der Organisation hapert sind schnell einige Dinge nicht erledigt und der Gast steht sehr sauer wieder auf der Matte.
**FREMDSPRACHENKENNTNISSE**
....sind ein Muss. Mindestens natürlich Englisch, wobei man heute schon vielfältigere Kenntnisse vorweisen können sollte, denn die Gästeschar ist international und im Land selbst möchte man sich doch auch gut verständigen können. Ich spreche ausser Englisch noch Französisch. Damals auf Kreta habe ich mir ein bischen griechisch angeeignet (hab ich allerdings fast alles wieder vergessen mangels Anwendung) und hier Grundzüge des Arabischen (allerdings nur gesprochen, die Schrift bleibt weiterhin ein grosses geschnörkeltes Rätsel). So kann ich mich im alltäglichen Umgang mit den Kollegen wenigstens ein bischen auf ihrer Sprache unterhalten, was immer Freude und Zuspruch hervor ruft (ob es an meiner Aussprache liegt??? ;-)).
**FERNWEH**
Als erstes ist es natürlich von Vorteil, wenn ihr (so wie ich) dauerhaft von Fernweh geplagt seid. Denn wer es liebt daheim zu sein, in der Nähe von Mutti und Vati, der wird es auf dieser Schiene nie zu etwas bringen oder es irgendwo länger aushalten.
**NEUGIER**
Ihr solltet viel Neugier mitbringen, denn nur so kommt ihr weiter. Ihr müsst so viel wissen über eure Umgebung, das Hotel, die Veranstaltungen, etc. dass man einfach immer seine Nase irgendwo reinstecken muss, um alles zu erfahren. Das Land selbst entdecken ist eben ein toller Nebeneffekt dieser Arbeit.
**AUSDAUER UND GEDULD**
Bei einem Job wie diesem ist ausserdem Ausdauer und Geduld gefragt. In den Urlaubsländern herrscht eine andere Einstellung zur Arbeit und so muss man doch viiiel mehr Zeit haben als in Deutschland, wo ja alles pünktlich und genau abläuft (generell jedenfalls). Wir rechnen hier sozusagen in „ägyptischen Minuten“ – eine ägyptische Minute dauert mindestens fünfmal so lang wie eine deutsche ;-)). Auch dadurch bedingt, dass der Bildungstand hier wesentlich niedriger liegt als bei uns zu hause, muss man Geduld aufbringen. Denn Dinge, die unsereins ruckzuck verstanden und umgesetzt hat, sind hier unverständlich und müssen teilweise wie Grundschülern beigebracht werden. Um alles zu erreichen was man möchte muss man immer hinten dran hängen und immer wieder nachhaken was nun Sache ist.
**KOMMUNIKATIONSFREUDIGKEIT**
Stille Mäuschen können in diesem Job nicht überleben, denn das Ah und Oh ist die rege Kommunikation. Ersten quatschen die Gäste natürlich gerne und ausgiebig mit einem und andererseits muss man sich selbst überall immer wieder einbringen. Wer den Mund nicht auftut wird niemals erreichen, dass die Dinge erledigt werden wie sie sollen.
**SPONTANEITÄT**
hilft euch auf jeden Fall weiter, denn wie gesagt, planen lässt sich fast nichts. Ausser ein paar Tage im Voraus und selbst das kann sich „spontan“ wieder ändern.
**ANPASSUNGSFÄHIGKEIT**
solltet ihr auch mitbringen, denn ihr kommt als Gäste in das Land und könnt nicht erwarten, dass die Menschen hier sich euch anpassen. Nichts läuft so wie daheim. Das bringt auch mich immer noch manchmal in Rage, dass es nicht wenigstens ab und zu mal einfach glatt laufen kann, aber so ist es eben.
**TOLERANZ**
für die fremde Kultur und die Bräuche und Traditionen des Landes sind unerlässlich. Wer beispielsweise in Griechenland lebt und aber immer nur über das Leben dort schimpft, der sollte vielleicht doch lieber zu hause bleiben. Gelegentliche Ausbrüche sind immer normal, denn man kann sich nicht 100% wenden und alles akzeptieren was da so passiert, aber man hat sich ja selbst entschieden dort zu leben, deshalb sollte man es tolerieren.
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Seid ganz einfach offen für Neues und den Rest der Welt ausserhalb des kleinen Kreises, in dem ihr bisher euer Leben verbracht habt. Auch wenn ihr schon viel auf Reisen wart ist es immer noch kein Vergleich dazu, längerfristig in einem fremden Land zu leben, dessen Sprache und Kultur man vorher nicht kannte. Auf Reisen ist man doch sehr viel im Hotel und Hotels sind eine künstliche Welt. Nichts ist wirklich so authentisch wie das Leben im Dorf oder der Ortschaft nebenan wo der Tourismus noch nicht Einzug gehalten hat. Auch wenn man auf Ausflügen „Land und Leute“ kennen lernen möchte, ist es doch immer nur ein oberflächliches Kennenlernen dessen was es zu entdecken gibt.
3)DIE AUFGABEN EINER GÄSTEBETREUUNG BEI MAGIC LIFE
Generell sind die Aufgaben der Gästebetreuungen in verschiedenen Hotels in den Grundzügen ähnlich, aber ich kann ja nun nur für „meinen“ Club sprechen.
Und so sieht es bei uns aus:
GRUNDSÄTZLICH bin ich die Ansprechperson für alle Gäste des Clubs in allen Belangen, die mit ihrem Urlaub innerhalb des Clubs zu tun haben. Ich beschreibe am besten meine Tätigkeiten mal anhand von Beispielen gemeinsam mit "Familie Touri":
DIE ANKUNFT
Familie Touri ist gerade vom Flughafen angekommen. Ich begrüsse sie in der Lobby, ein Kellner gibt ihnen ein Getränk zur Erfrischung. Nach dem Einchecken an der Rezeption erkläre ich Familie Touri, wo sie ihre Koffer finden, um sie mit den Aufklebern mit den Zimmernummern zu versehen. Danach erkläre ich den Weg zu ihrem Zimmer und beantworte bereits erste Fragen der neugierigen Gäste. Wo ist das Hauptrestaurant? Von wann bis wann gibt es Essen? Wo können wir die Spezialitätenrestaurants reservieren? Bei mir oder meiner Assistentin in unseren Sprechstunden, die täglich vormittags und nachmittags stattfinden. Eine von uns beiden sitzt dann an einem Tisch neben der Rezeption und „wartet“ auf die Gäste mit ihren Anliegen.
ES FEHLT ETWAS IM ZIMMER
Familie Touri hat ihr Zimmer gefunden, aber es hat sich herausgestellt, dass nur drei Betten statt vier vorbereitet wurden – also rufe ich beim Housekeeping an und veranlasse, dass auch die vierte Person ihr Bett bekommt. Plus Handtücher, Glas, etc. Dann reserviert Familie Touri auch gleich die Spezialitätenrestaurants, denn man möchte ja auch mal à la Carte essen gehen. Nachher stellen sie noch einige Fragen, wie sie von hier aus in den nächsten Ort kommen, wie dieser heisst und wo er sich befindet. Ich erkläre alles und gebe ihnen den Fahrplan für unseren Shuttlebus mit.
BEGRÜSSUNGS- / INFORMATIONSVERANSTALTUNG
Am nächsten Tag findet morgens eine Infoveranstaltung des Reiseveranstalters statt, an der ich auch teilnehme. Ich stelle die wichtigesten Dinge, Regeln, Stellen im Club vor und natürlich meine Assistentin und mich, damit die Gäste wissen wohin bei Fragen oder sonstigem.
RESERVIERUNGEN
Nach der Info kommen die Gäste gleich in die Rezeption gestürmt, um möglichst schnell ihre Plätze in den Spezialitätenrestaurants zu reservieren. Die Nachfrage ist gross – der Club ist ausgebucht. Einige kommen auf die Warteliste, sobald Plätze storniert werden, setze ich sie auf die Liste und schicke den Gästen eine Nachricht.
EINE REPARATUR IST NÖTIG
Nach der Infoveranstaltung kommt Familie Touri wieder zu mir – die Klimaanlage hat sie die ganze Nacht wach gehalten mit einem klappernden Geräusch. Ich notiere Zimmernummer und Mangel auf einer Order für den Technik Service und veranlasse die Reparatur.
WO SIND MEINE ELTERN??
Nachmittags mache ich einen Rundgang durch den Club, um zu sehen wie „die Lage“ heute ist. Gibt es irgendwo etwas Auffälliges, das ich mir merken müsste? Geht’s unseren Gästen gut? Plötzlich steht ein kleines Mädchen vor mir und weint. Die Kleine kenne ich schon, es ist die Tochter von Herrn und Frau Touri. Also beruhige ich sie zuerst einmal, dann nehme ich sie an die Hand und wir gehen zum Magic Radio am Pool wo die Animation ein Mikro für ihre Durchsagen hat. Und genau das machen wir jetzt auch. Eine Durchsage für die Eltern, dass Tochter Touri mit mir hier am Magic Radio ist und sie sucht. Nach drei Minuten kommt Papa Touri angelaufen und schliesst sein Töchterchen glücklich in die Arme. Sie war einfach alleine losgezogen und hatte sich verlaufen.
EIN UNFALL
Zwei Tage später werde ich wegen einem Unfall an den Pool gerufen – dringend! Als ich ankomme, sehe ich das Mama Touri ausgerutscht ist und sich dabei das Bein umgeknickt hat. Familie Touri spricht sehr schlecht englisch, der Arzt kein deutsch, also gehe ich mit in das Arztzimmer und übersetze. Der Arzt möchte Frau Touri zur Sicherheit röntgen lassen im Krankenhaus. Auch dafür benötigen sie Begleitung und ich fahre nebst Assistent des Arztes zum Übersetzen und Helfen mit.
FEIERLICHKEITEN
Mama Touri hat keine schlimmeren Verletzungen, das Bein ist nur angeschwollen. Zum Glück – so kann sie ihren Geburtstag schön im Club feiern und muss nicht im Krankenhaus liegen. Papa Touri kommt einen Tag vor dem Geburtstag zu mir an die Rezeption – er hat vorsorglich die Kinder mit Mama weggeschickt, damit sie auch nichts mitkriegt – und reserviert einen Tisch für den Geburtstagsabend. Er wünscht sich noch eine Torte als Überraschung – natürlich! Machen wir. Ich bestelle die Torte, die Kellner werden sie an dem Abend mit arabischem Gesang und Tambourin servieren.
UNRUHE
Familie Touri ist mal wieder in meiner Sprechstunde aufgetaucht – diesmal weil sie durch den Lärm von einer Baustelle allmorgendlich geweckt werden. Es ist eine Baustelle neben dem Club, die derzeit in Betrieb ist. Ich organisiere für Familie Touri einen Umzug auf die andere Seite des Clubs – jetzt sind sie wieder glücklich und können ruhig ausschlafen.
WO ISSES DENN HIN?
Ups, bei dem Umzug in das neue Zimmer ist wohl unterwegs etwas aus der Tasche gefallen und eine Jacke ist im Zimmer hängen geblieben. Ich frage für Familie Touri beim Housekeeping nach, die alle gefundenen Gegenstände in einem Büro aufbewahren. Und tatsächlich, die Sachen sind aufgetaucht. Alles wieder da.
GESPRÄCHE
Jetzt ist Familie Touri schon über eine Woche da und wir haben uns schon oft getroffen. Mama Touri hat den Rest der Familie am Strand gelassen und sitzt eine Weile bei mir und fragt mich aus – Wie ist das Leben hier? Wie fühle ich mich als Frau allein unter Männern? Spreche ich arabisch? Wie lange will ich noch bleiben? Etc. wir unterhalten uns über eine halbe Stunde, dann geht sie wieder an den Strand.
BESICHTIGUNG
Familie Touri gehört zu der Sparte Gäste, die sich auch für den Hintergrund des Clubs interessieren und so ist der Küchenrundgang genau das Richtige für sie. Nachmittags treffe ich sie mit einer Gruppe von etwa 30 anderen Gästen in der Lobby und schon geht’s los. Ich erkläre jeden Bereich in der Küche, wie dort gearbeitet wird, was wir täglich ungefähr verbrauchen, wie viel Personal haben wir, wo kommt es her, etc. etc Es dauert etwa eine ¾ Stunde, samt Fragen der Gäste.
RUNDGÄNGE
Am nächsten Tag steht ein Clubrundgang an, eine Gruppe Reisebüroangestellter hat eine Inforeise nach Ägypten und ich führe sie durch unseren Club. Ich habe bereits die Factsheets und Clubpläne kopiert, damit ich sie nach der Tour verteilen kann. Ich zeige alle Einrichtungen, sowie auch zwei Zimmer. Alles wird im Detail erklärt, damit sie später daheim unseren Club richtig verkaufen können. Ich lege Wert auf eine detaillierte Darstellung, damit keiner ein Zimmer neben dem Lift bucht obwohl wir keinen haben...
BÜROZEIT
Nachmittags verbringe ich oft viel Zeit im Büro (nicht nur Ciao-Berichte zu schreiben...). Hier erledige ich diverse administrative Aufgaben wie z.B.:
-Bearbeitung von Statistiken der Zentrale in Wien
-Bearbeitung von Fragebogenauswertungen der Zentrale in Wien
-Beantwortung von Reklamationsschreiben
-Schreiben von Nachrichten an Gäste (auf Fragen, Benachrichtigungen, etc)
-Beantworten von Anfragen, etc. per Email / Fax von Gästen, Reisebüros, Agenturen oder auch der Zentrale in Wien
-Erstellung von wöchentlichen Berichten für die Abteilung der Gästebetreuung in Wien
-Erstellen von Infomaterial für Aushänge, Infomappen
-Erstellen des Infokanals im TV
-Erledigung der Reservierungslisten für die Restaurants
-Führen von Statistiken für die Berichterstattung
KOMMUNIKATION
Findet dauernd statt – entweder mit Kollegen, da ich alles was die Gäste mir mitteilen an die betreffende Abteilung weiterleite, oder mit dem Club Manager, um ihn über spezielle Sachen zu informieren, oder mit den Reiseleitern, was die Gäste bei ihnen so zu sagen hatten und wie die Lage bei ihnen ist, oder mit der Zentrale über aktuelle Geschehnisse, etc.
Und natürlich mit den Gästen – mündlich die ganze Zeit, schriftlich natürlich auch. Besondere Situationen erfordern dann auch besondere Kommunikation – wenn es ein besonderes Ereignis gibt oder gab, das im speziellen Interesse der Gäste liegt werden extra Infos verteilt oder Durchsagen gemacht. Events werden angekündigt und alle Details dazu ausgehängt. Und natürlich gibt es auch hier noch mehr...
VIPs
...brauchen immer besondere Pflege. Mehr Kontakt als zu den „normalen“ Gästen, Extraservices, Transfers und mehr...
** MEIN FAZIT**
Dieser Job ist äusserst abwechslungsreich und interessant, weil man täglich mit anderen Menschen und deren Art und Weise, Urlaub zu verbringen, zusammen trifft. Es ergeben sich ständig neue Situationen, wo ich mir denke „also schlimmer kann’s doch gar nicht mehr werden. Über den Gipfel kommt doch nichts mehr drüber“ Aber doch, über jeden Gipfel kommt wieder jemand drüber und auch wenn das gerade Erlebte noch so unglaublich ist, es gibt immer noch Unglaublicheres! Ich könnte hier endlose Beispiele aufführen, aber da der Bericht eh schon so lang ist, stelle ich dafür lieber einen separaten ein. Meine Erlebnisse in den fünf Jahren Tourismus im Ausland sind schon so endlos, dass ich locker einige Bücher darüber schreiben könnte. Natürlich gibt es auch hier den Alltag, wo sich die Abläufe und die Arbeit wiederholen. Aber dadurch, dass man dort sitzt wo andere extra zum Urlaub hinfliegen, ist die Atmosphäre allein schon ganz anders. Ich kann an meinem freien Tag genau das geniessen, wofür andere Leute ein- oder zweimal im Jahr viel Geld ausgeben. Ich gehe tauchen wann immer ich kann und entkomme so den ewig anhänglichen Gästen in die absolute Stille – denn dort wird kein Wort gesprochen!
Ich empfehle diesen Job für jeden, der viel Erfahrung sammeln will und seinen Horizont erweitern möchte. Denn das könnt ihr nirgendwo besser als im Ausland. Zusätzlich ist die Tourismusbranche flexibel und wechselhaft, sodass man verschiedene Sparten kennenlernen kann und ebenso viele verschiedene Länder. Es hilft nicht nur für den Job weiter, sondern ganz besonders für das eigene Leben. Ich habe in den letzten fünf Jahren sehr sehr viel dazu gelernt und sehe die Welt jetzt mit anderen Augen. Meine Wertschätzung der kleinen Dinge im Leben ist wesentlich gewachsen, denn der Komfort unserer Konsumgesellschaft besteht hier ganz und gar nicht.
Wer nicht nur seine Zeit stupide im Büro absitzen möchte, sondern aktiv sein will – der ist bei diesem Job genau richtig.
Ich könnte euch noch stundenlang etwas über meinen Beruf und alles was damit zusammen hängt erzählen, aber das sprengt absolut den Rahmen (es sind schon neun Seiten und 3400 Wörter..).
Wer mehr wissen möchte schreibe mir eine Nachricht ins GB! Und der Bericht mit lustigen, unmöglichen oder unglaublichen Erfahrungen kommt... Aber das dauert ein bischen, denn da muss ich erst alles gut zusammen schreiben.
Zu den Bewertungskategorien sei noch kurz gesagt:
Einstellungchancen - so ist der Arbeitsmarkt, auch hier gibt es nicht endlos Jobs, aber es wird immer wieder jemand gesucht - einfach spontan bewerben
Aufstiegschancen - es wird kein Rennen auf der Karriereleiter, aber mit harter Arbeit und starken Ambitionen kommt man weiter
Verdienstmöglichkeiten - sind sehr unterschiedlich, je nach Land was dort gegeben wird (in Ägypten sind sie ziemlich gut ;-)
Sozialleistungen - sind in sofern gut, als das man Unterkunft und Verpflegung in der Regel frei gestellt bekommt, mit der Versicherung ist es abzuklären, aber meist normal geregelt. Um Rentenvorsorge muss man sich allerdings kümmern, denn im Ausland werden keine Rentenleistungen gezahlt für Deutschland (oder auch Österreich, Schweiz, etc.)
So, wer es bishierher wirklich mit Lesen geschafft hat - Bravo! Das war ein sehr langer Bericht!
Für die Scroller - ihr habt ne Menge verpasst ;-)
MEINE LIEBEN, ICH DANKE EUCH FÜR’S LESEN UND BEWERTEN!
ICH HOFFE DER BERICHT WAR BESONDERS INTERESSANT UND HILFREICH FÜR EUCH ;-)
..UND VIELLEICHT HABE ICH JA EUER INTERESSE AM TOURISMUS GEWECKT ODER EUCH BEI EINER ENTSCHEIDUNG ODER JOBSUCHE EIN BISCHEN GEHOLFEN.
Liebe Grüsse aus der Wüste des Sinai
Silke@Yopi und anderen Meinungsportalen zu lesen (unter gleichem Usernamen)
...
miss_varna, 09.11.2004
kommt bestimmt gerne mal wieder in den ML Club, so gut wie Du Dich um die kuumlmmerst! -
nikosternchen, 05.11.2004
Ein besonders hilfreich kann ich ja hier leider nicht geben, sonst haumlttest du eines bekommen. ein sehr schoumlner Einblick...lg nikolina
redwomen, 05.11.2004
ja deinen Traumberuf gefunden zu haben, auch wenn er nicht immer quotzum Zucker leckenquot ist. Finde ich super und freut mich total fuumlr dich. Klasse LG Maria
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Produktbeschreibung Gästebetreuung in Club Hotels
Technische Daten und ProdukteigenschaftenAnsprechperson für alle Gäste des Clubs bei Fragen, Anregungen, Wünschen, Reklamationen, etc. Schnittstelle zwischen Club, Gästen, Reiseveranstalter und Hauptbüro der Clubkette
Allgemeine Informationen Gästebetreuung in Club Hotels
gelistet seit: 04.11.2004Bewertung durch unsere Mitglieder